Chronik | Niederösterreich
04.01.2018

Giftköder ausgelegt: Vier Bussarde tot, Hund verletzt

Brisanter Vorfall in einem Jagdgebiet der streng geschützten Kaiseradler in Gedersdorf

"Wenn ich mit meinem Bullterrier Timon nicht sofort zum Tierarzt gegangen wäre, hätte er keinesfalls überlebt. Das hat mir auch der Arzt bestätigt", berichtet der Besitzer jenes Hundes, der am 29. Dezember bei einem Spaziergang am Kamp in Gedersdorf, Bezirk Krems, einen Giftköder gefressen haben dürfte. Der Mann erstattete Anzeige bei der Polizei und postete den Vorfall im Internet. So erfuhren auch Mitarbeiter der Organisation Birdlife von der hinterhältigen Attacke. Bei einer Nachschau vor Ort entdeckten sie drei getötete Bussarde. Einen vierten fand der Hundebesitzer wenige Tage später.

Untersuchungen

"Der Köder muss in einer mit Laub zugedeckten Mulde gelegen sein. Der Hund hat sie nur erwischt, weil mir ein Karabiner der Leine gebrochen ist, den ich gesucht habe", erzählt der Hundebesitzer im KURIER-Gespräch. Tags darauf entdeckte der Waldviertler in der Gegend eine seltsam verfärbte Hühnerkeule und übergab sie der Polizei.

"Möglicheweise habe ich beim Aufheben selber etwas davon erwischt, mir war zwei Tage lang übel."Derzeit werden von Spezialisten Untersuchungen an dem möglichen Giftköder und den verendeten Bussarden durchgeführt, ein Ergebnis liegt aber noch nicht vor.

Bei Birdlife schrillen jedenfalls die Alarmglocken. "Wir haben in dem Gebiet auch einige Lebendfallen entdeckt, die meiner Ansicht nach illegal sind, weil sie nicht mit Wasser für gefangene Vögel ausgestattet waren", berichtet Matthias Schmidt, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Tierschutzorganisation tätig ist. Nach zahlreichen Fällen, in denen Wildtiere durch Gift umgekommen waren, wurde eine Meldeplattform eingerichtet. Wer getötete Tiere, illegale Fallen oder Ähnliches entdeckt, kann dies unter www.kaiseradler.at melden.

Die Mitarbeiter von Birdlife werden die Plätze untersuchen und gegebenenfalls die Polizei einschalten."Gerade in dieser Region an der Donau, das einerseits Natura-2000-Schutzgebiet und andererseits Jagdgebiet von Kaiseradler wie Seeadler ist, macht uns das große Sorgen", sagt Schmidt.Ein Ermittler des Landeskriminalamtes betont, dass die Zahl der Gift-Attacken im vergangenen Jahr zurückgegangen seien. "Wir stehen mit Jägern, Bezirkshauptmannschaften und auch den Aktivisten ständig in Kontakt."