Richtiger Umgang mit Geld: Im Kindergarten wird mit Euros gespielt

Ein Projekt von Nationalbank, Sozialministerium und dem Land NÖ wird nach Pilotphase flächendeckend ausgerollt.
Beim Gelddomino lernen die Kinder etwas über den Wert des Euro

Geht es nach Finanzexperten oder der Österreichischen Nationalbank (OeNB), kann der richtige Umgang mit Geld nicht früh genug erlernt werden. Das ist auch der Grund, weshalb ein Projekt in Niederösterreich bereits bei der Altersgruppe der Drei- und Sechsjährigen ansetzt.

Wie das konkret in der Praxis aussieht, war am Freitag im „Dr. Evamaria Sluka-Grabner“-Kindergarten in der Giltschwertgasse in Wiener Neustadt zu erfahren. Was kostet eine Ananas, eine Banane oder wie lange muss man arbeiten, um sich ein Auto leisten zu können? Diese und ähnliche Fragen werden mit den Mädchen und Buben bei fünf Mitmach-Stationen spielerisch behandelt.

Zahlenverständnis früh stärken

Das Projekt von der OeNB und dem Sozialministerium wird nach einer anfänglichen Testphase in den Bezirken Bruck/Leitha, Scheibbs und Melk nun niederösterreichweit ausgerollt. Es zielt darauf ab, Kindergartenkinder spielerisch an Themen wie Geld, Sparen, Nachhaltigkeit und den bewussten Umgang mit Ressourcen heranzuführen sowie ihr Zahlenverständnis zu stärken.

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister mit OeNB-Direktor Josef Meichenitsch bei der Präsentation in Wiener Neustadt

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister mit OeNB-Direktor Josef Meichenitsch bei der Präsentation in Wiener Neustadt

Erst vor wenigen Tagen hat Finanzstaatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl erklärt, dass Finanzbildung in Ländern und Regionen stärker verankert werden soll. „Niederösterreich hat in seinem Wirkungsbereich bereits einen eigenständigen Weg eingeschlagen, wie mit dem Projekt GeldWertvoll oder dem Finanzführerschein. Umso erfreulicher ist es, dass der Bund bei diesem wichtigen Thema unseren Forderungen nachkommen und Ressourcen bereitstellen wird“, sagt Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) beim Termin in Wiener Neustadt.

Digitaler Zahlungsverkehr statt Bargeld

Dass der digitale Zahlungsverkehr die Verwendung von Bargeld immer stärker ersetzt, habe auch Auswirkungen auf die Finanzbildung von Kindern. Der Nachwuchs sieht, wie online bestellt und an den Kassen mit dem Handy oder der Bankomatkarte bezahlt wird, ohne dass tatsächlich physisch Scheine oder Münzen übergeben werden. „Durch den fehlenden Umgang mit Bargeld geht bei den Jüngsten einiges an Wissen und Gespür verloren“, erklärt Stefan Humer, Leiter der Abteilung Finanzbildung in der OeNB.

Kindergartenpädagoginnen werden für das Projekt eigens geschult. In praxisnahen Fortbildungen vertieften sie ihr Wissen rund um finanzielle Bildung und erhalten konkrete Methoden für den Kindergartenalltag. Zum Einsatz kommen dabei eigens entwickelte Spiele, Materialien, Bildkarten und große Geldscheine, die gemeinsam mit der Nationalbank und dem Sozialministerium für die Drei- bis Sechsjährigen erarbeitet wurden.

Die Materialien mit denen im Kindergarten gearbeitet wird.

Die Materialien mit denen im Kindergarten gearbeitet wird.

Lehrmaterial in den Bibliotheken

Zugang bekommt in Zukunft jeder interessierte Kindergarten. Das Team des Kinderbuchhauses rund um Renate Habinger hat die Mitmachstationen entwickelt. Sie können ab sofort über die Niederösterreichischen Bibliotheken ausgeliehen werden. Damit stehen Inhalte und Materialien auch über die Pilotphase hinaus für weitere Kindergartengruppen, Familienaktionen und Bildungseinrichtungen zur Verfügung, so Teschl-Hofmeister.

Für OeNB-Direktor Josef Meichenitsch ist die frühkindliche Finanzbildung wichtig, „weil Kinder bereits früh alltagsnah mit Geld und Konsum in Berührung kommen und dabei grundlegende Kompetenzen wie Entscheidungsfähigkeit, Selbstregulation und verantwortungsbewusstes Handeln entwickeln können, was zugleich zur Chancengleichheit beiträgt.“

46-223817353

Vorsicht Schuldenfalle

Die Omnipräsenz im Internet und die Verlockungen, dort über das Handy jederzeit und problemlos einkaufen zu können, erweisen sich für immer mehr Kinder und Jugendliche als gefährliche Schuldenfalle.

Um der Jugend besseres Wissen zur Finanz- und Konsumwelt zu vermitteln und sie vor finanziellen Tricks und Fallen zu warnen, wurde bereits 2024 das Pilotprojekt „Finanzführerschein“ an den Schulen ausgeweitet.

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