Nationalbank: Ölpreis könnte um bis zu 99 Prozent steigen
Zusammenfassung
- Die Sperre der Straße von Hormuz durch den Iran führte laut OeNB zu einem deutlichen Anstieg des Erdölpreises.
- OeNB-Berechnungen zeigen mögliche Preissteigerungen von 38 bis 99 Prozent ohne, bzw. 18 bis 47 Prozent mit Gegenmaßnahmen.
- Bisherige Preisanstiege bewegen sich im unteren Bereich der Prognosen, da viele Marktteilnehmer von einer vorübergehenden Sperre ausgehen.
Nach der Sperre der Straße von Hormus durch den Iran ist der Erdölpreis deutlich gestiegen.
Wie sich der Preis bei unterschiedlichen Gegenmaßnahmen weiterentwickelt, hat sich die Österreichische Nationalbank (OeNB) angesehen. Dabei kommen die Autoren Martin Schneider und Richard Sellner laut OeNB-Aussendung von Donnerstag in ihrer Modellberechnung auf Preissteigerungen von 38 bis 99 Prozent (ohne Gegenmaßnahmen) bzw. von 18 bis 47 Prozent (mit mehreren Gegenmaßnahmen).
Durch die Straße von Hormus wird etwa ein Fünftel der weltweit täglich verbrauchten Ölmenge transportiert. Aufgrund der Sperre durch den Iran wird das Erdöl-Angebot stark verringert, die Preise steigen kräftig. In den ersten zwei Wochen stieg der Preis für ein Fass der Sorte Brent laut OeNB-Ökonomen von 73 auf rund 100 US-Dollar.
Bisherige Preisanstiege im unteren Bereich der Berechnungen
Eine Totalsperre der Meerenge reduziere das globale Erdölangebot um 20 Millionen Fass pro Tag. Sollte die Sperre anhalten, so führt dies nach OeNB-Berechnungen auf der Basis von in der Vergangenheit beobachteten Preisreaktionen zu einem Preisanstieg von 38 bis 99 Prozent auf 101 bis 146 Dollar. Die bisher zu beobachtenden Preisanstiege lägen damit im unteren Bereich der Berechnungen, so die Autoren. Dies könnte daran liegen, dass viele Marktteilnehmer "von einer vorübergehenden Sperre ausgehen und eine schrittweise Normalisierung des Ölangebots erwarten".
Neben der Totalsperre wurden von den Autoren auch drei weitere Szenarien gerechnet. Diese enthielten unterschiedliche Gegenmaßnahmen zur Milderung des Angebotsschocks - die Umleitung von 5,7 Millionen Fass pro Tag über Pipelines, Ausnahmen für iranische Tanker sowie die Freigabe strategischer Erdölreserven. Bei einem Szenario mit allen Gegenmaßnahmen läge der Erdölpreis im Bereich von 86 bis 107 Dollar, so die Autoren. Das würde gegenüber dem Wert vor dem Iran-Krieg (73 Dollar) einen Anstieg von 18 bis 47 Prozent bedeuten. Für ihre Berechnungen verwendeten die Ökonomen Schneider und Sellner ein einfaches Angebots- und Nachfragesystem für den globalen Erdölmarkt.
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