Bruno Sladek, neuer Anstaltsleiter der Justizanstalt Krems-Stein.

© Jürgen Zahrl

Justizanstalt Stein
08/16/2013

„Gefangene mehr beschäftigen“

Neuer Chef will Werkstätten länger in Betrieb halten und Beamte stärker motivieren

von Gilbert Weisbier

Die berüchtigte Justizanstalt Krems/Stein hat einen neuen Chef. Mit dem erfahrenen Bruno Sladek wurde erstmals seit Jahrzehnten statt eines Juristen ein Uniform tragender Justizbeamter bestellt. Allerdings fällt sein Dienstantritt in eine Zeit der Diskussion um Gewalt hinter Gittern.

Lange hat Sladek, 60, auf diese Position zum Abschluss seiner Karriere hin gearbeitet. Doch eine persönliche Tragödie nimmt ihm einen großen Teil der Freude am Erfolg: Seine Frau, mit der er erst vor kurzem nach Rührsdorf in der Wachau gezogen war, ist vergangenen Herbst gestorben. „Diesen Lebensabschnitt habe ich mir anders vorgestellt. Ich wäre lieber ein kleiner Justizler und hätte meine Frau noch“, seufzt er. Sich der Arbeit intensiv zu widmen, lenkt ab.

Sladek, der in Krems zur Schule ging und hier viele Kontakte hat, kam gleich nach einer Fachschule zur Justiz, absolvierte in Wien die Abendmatura. Er begann in der Justizanstalt Josefstadt, arbeitete lange im Maßnahmenvollzug mit geistig abnormen Rechtsbrechern. 1999 wurde er Leiter der Justizanstalt Wiener Neustadt, 2000 der Justizanstalt Hirtenberg.

Daneben ist er schon lange in der Weiterbildung für Justizbeamte aktiv und gehört einem Senat an, der Beschwerden gegen Anstaltsleiter behandelt.

„Stein ist keine Kleinigkeit mit 330 Justizwachebeamten, 50 bis 70 beschäftigten Zivilisten und einer Belegung mit rund 800 Gefangenen, der Creme de la Creme der Kriminalität“, sagt Sladek. Die Diskussion um Sicherheitsmängel kommentiert er knapp: „Die Ministerin kann persönlich nichts dafür. Wenn bei mir im Haus etwas passiert und ich nicht dabei war, muss ich trotzdem die Verantwortung tragen.“ Dass Gewalt hinter Gittern zuletzt zugenommen habe, findet er nicht: „Das gibt es, seit vor Jahrzehnten Täter aus den Ostländern dazu gekommen sind. Handys erleichtern Gefangenen heute das Organisieren. Dass sie welche bekommen, kann man nicht nur Beamten anlasten. Ständig haben wir Handwerker im Haus. Wenn einer 600 Euro für ein Handy bekommt, ist die Versuchung groß. Außerdem: Nicht alle regeln damit Kriminelles. Manche wollen einfach nur private intime Kontakte.“

Plan

Sladeks Plan für Stein: „Ich will, dass die Werkstätten, in denen Gefangene beschäftigt werden, nicht nur Montag bis Donnerstag sondern auch Freitag geöffnet sind. Wenn ein Insasse zur Arbeit geht, hat er nicht so viel Zeit nachzudenken, was er anstellen kann.“ Außerdem brauche mancher das verdiente Geld, um es der Familie zu schicken.

Die Betreuung der Werkstätten am Freitag sei auch ohne zusätzliches Personal zu bewältigen, findet Sladek. Das sei eine Sache der Organisation und Einstellung. Zu erreichen durch maximale Motivation .

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