© Thomas Lenger

Chronik Niederösterreich
03/30/2019

Gefährliche Jagd auf die Bankomat-Gangster

Angriffsserie in Niederösterreich fordert die Kriminalpolizei, Firma macht mit Sicherheitssystem Umsatz.

von Johannes Weichhart

Als die meisten Bewohner von Bruck an der Leitha noch schliefen, machten sich andere gegen 2.30 Uhr bereits an die Arbeit: unbekannte Täter, die am vergangenen Donnerstag einen Bankomaten bei einem Supermarkt plündern wollten.

Der Coup misslang zwar, aber wie so oft hinterließen die Gangster großen Schaden und ein Feuer, das von den Einsatzkräften gelöscht werden musste.

Es war heuer bereits das vierte Mal, dass es Kriminelle auf Geldautomaten abgesehen hatten. Im Vorjahr gab es in Niederösterreich 16 derartige Vorfälle, Tendenz leicht steigend.

Luft-Gas-Gemisch

Die Herangehensweise der Ganoven ist unterschiedlich: Manchmal bringen sie die Geräte mit einem Luft-Gas-Gemisch oder Sprengstoff zur Explosion, dann wieder machen sie sich mit Spezialwerkzeug an ihnen zu schaffen.

Nur die Stahlseil-Methode, bei der die Bankomaten mit einem Fahrzeug aus der Verankerung gerissen werden, ist etwas aus der Mode gekommen. Der Grund: Die Unternehmen haben dazugelernt und lassen die Bankomaten mittlerweile besser befestigen.

Sprengstoff-Experten

Dass die Täter brandgefährlich agieren, weiß man auch im Landeskriminalamt Niederösterreich (LKA). „Es besteht immer die Gefahr, dass durch Sprengungen Unbeteiligte zu Schaden kommen. Zudem wissen wir bei einem Zugriff nie, ob sich im Auto der Verdächtigen noch Gasflaschen oder andere hochexplosive Materialen befinden“, sagt Chefermittler Franz Flescher im Gespräch mit dem KURIER. Kein Wunder also, dass neben der Kripo auch Sprengstoff-Experten den Tatort in Bruck an der Leitha unter die Lupe nahmen.

Die Erfahrung zeigt, dass die Kriminellen oftmals aus osteuropäischen Ländern angereist kommen. In der Vergangenheit konnten unter anderem Banden aus Moldawien, Rumänien und Polen dingfest gemacht werden.

„Viele dieser kriminellen Gruppierungen sind länderübergreifend aktiv, arbeiten zum Teil sehr professionell. Eine Tat dauert meist nur wenige Minuten“, weiß LKA-Chef Omar Haijawi-Pirchner.

Sicherheitssysteme

Was Exekutive und Banken ärgert, machen sich andere wiederum zu Nutzen. So hat sich das Hightech-Unternehmen „Elektronische-chemische-mechanische Alarmsysteme“ (ECMAS) in Atzenbrugg in Niederösterreich auf die Entwicklung von Techniken spezialisiert, welche die Sprengung von Bankomaten verhindern soll.

Erschütterungen

Unter anderem verkauft die Firma ein System, das brennbares Flüssiggas schon beim Zündversuch neutralisiert. Wird der Bankomat mit Brachialgewalt oder Werkzeug geöffnet, dann setzen die Erschütterungen ein Färbesystem in Gang, das die im Inneren gelagerten Geldscheine mit Farbe überzieht und somit wertlos macht.

„Pro Jahr verkaufen wird zwischen 1200 und 1500 derartiger Systeme“, berichtet ECMAS-Geschäftsführer Gerald Wegl.

Strafen

Warum noch immer viele Banden nicht auf elektronischem Wege, also durch Hacker-Angriffe, sondern durch Gewalt an die Beute kommen wollen, kann Wegl einfach erklären.

„Die Täter wissen natürlich, dass sie mit ihren Coups nur eine Sachbeschädigung oder einen Einbruchsdiebstahl begehen, aber keinen Raubüberfall. Deshalb fallen mögliche Strafen auch viel geringer aus und machen die Angriffe auf Bankomaten weiterhin attraktiv.“

Verkauf

Seine Produkte verkauft Wegl übrigens über die Grenzen Österreichs hinaus. Denn auch in Italien und Deutschland „boomen“ nach wie vor die Bankomatsprengungen. Und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht – auch in Niederösterreich.

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