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Marchfeld: Experte zeigt Vogel, den kaum jemand zu Gesicht bekommt

Ist der Triel ein Phantom im Marchfeld? Nein, den sehr seltenen Zugvogel gibt es wirklich. Ein Lokalaugenschein.
Rainer Raab im Trielschutzgebiet

Wenn man vom Triel erzählt, dann reagieren die meisten Menschen mit der Frage "Was ist das?". 

Außer im Marchfeld. Die Menschen im Bezirk Gänserndorf wissen genau, dass der Triel eine stark vom Aussterben bedrohte Vogelart in Österreich ist. Der Triel ist so selten, dass manche seine Existenz sogar in Frage stellen.

Warum ihn die Marchfelder trotzdem so gut kennen? Das Bundesverwaltungsgericht erteilte der geplanten Marchfeldschnellstraße S8 keine Genehmigung, weil "die Bestimmungen des Artenschutzes betreffend den Triel (...) durch den Bau und Betrieb der S8 verletzt werden". Das sorgt nach wie vor für Unmut, weil täglich tausende Fahrzeuge durch die Orte im Marchfeld rollen und Staus verursachen - die S8 soll entlasten. 

Nur wenige Menschen haben den Triel bisher gesehen

Einer, der den Triel bestens kennt, ist Rainer Raab. Der Zoologe, der seit 25 Jahren sein Technisches Büro für Biologie im Bezirk Gänserndorf führt, beobachtet den Triel bereits seit den 1990ern. "Seitdem war er immer im Marchfeld", sagt er. Räumt aber ein: "Viele Menschen hab den Triel in Österreich noch nicht gesehen." Kein Wunder, der etwa 45 Zentimeter hohe, langbeinige Vogel ist mit seinem hell- und dunkelbraunen Gefieder bestens getarnt und ist sehr scheu.

Triel im Marchfeld

Ein Blick auf das Schutzgebiet. Mit freiem Auge ist der Triel nicht zu sehen - doch er ist da. 

"Ich weiß nicht, ob wir ihn heute sehen", sagt Raab auf dem Weg zu einer Trielschutzfläche bei Markgrafneusiedl. Er und sein Team wissen aber: Ein Brutpaar und ein weiterer männlicher Triel haben es von Afrika zurück ins Marchfeld geschafft. "Den Triel zu hören, ist schon spektakulär", ergänzt Maximilian Raab, der im Betrieb seines Vaters als technischer und wissenschaftlicher Leiter tätig ist. 

Triel wurde gesichtet

Feldhasen hoppeln über die Fläche einer alten Schottergrube, die verfüllt wurde und heute als Weide- sowie als Trielschutzfläche dient. Die bunten Bienenfresser fliegen durch die Luft, die Feldlerche zwitschert, der Fasan ruft. "Da ist er!", ruft auch Rainer Raab, der mit dem Ferngucker bewaffnet ist. Zugegeben, ohne Hilfe des Experten wäre der Triel nicht zu sehen gewesen: Der Vogel hatte sich gut im Gras versteckt, saß ruhig da und bewegte sich kaum. Der Kiebitz, hinter dem zwei frisch geschlüpfte Küken hinterher wuselten, war durchs Fernglas zu erkennen.

Triel im Marchfeld

Gut getarnt ist der Triel im Marchfeld unterwegs. 

1994 hat Hans-Martin Berg den Triel wieder entdeckt, Raab sah den Zugvogel das erste Mal 1995. "1997 haben wir begonnen, den Triel zu kartieren." Ab da kamen immer mehr der seltenen Vögel zurück ins Marchfeld. 

Von Österreich in die Sahara

2008 war der Bestand am höchsten: "Es gab sieben Reviere", erinnert sich Raab. Das bedeutet, sieben Männchen waren hier auf Brautschau. Im Herbst wurden 20 der Zugvögel gezählt, die sich auf den Weg nach Afrika machten, um zu überwintern. 

Genau das wird den Vögeln, die gerade einmal 500 Gramm wiegen, oft zum Verhängnis: "Sie ziehen direkt über die Sahara. Das ist total verrückt, weil sie da allen Risiken ausgesetzt sind." Das, und weil sie in anderen Ländern mit Falken bejagt werden, ist der Grund, weshalb der Triel so selten ist.

"Der Triel würde mit der Straße klarkommen. Sie bringt für ihn sogar Vorteile."

von Rainer Raab

Zoologe

Im Vorjahr wurde ein ungarischer Triel von TB Raab besendert. Auf dem Handy des Experten ist genau zu sehen, wo das Weibchen seitdem herumgeflogen ist. "Mich interessiert einfach, was sie tun", erklärt Raab. Der Zugvogel startete südlich von Budapest und überwinterte in der Sahara. Triele, die in Frankreich leben, sind nicht so risikofreudig, sie überwintern in Spanien

Zugvögel brüten nur in Niederösterreich

Das Trielschutzgebiet im Marchfeld ist über einen Hektar groß. "Ein paar Trielpaare hätten noch Platz", sagt Raab. Der bedrohte Vogel brütet in Österreich übrigens nur im Marchfeld und im Steinfeld, genauer gesagt im Schotterabbaugebiet vom Truppenübungsplatz Großmittel (Bezirk Wiener Neustadt-Land).

Rainer Raab im Marchfeld

Triel und Kiebitz

Triel im Marchfeld

Triel im Marchfeld

Triel im Marchfeld

Triel im Marchfeld

Uferschwalben im Marchfeld

Schottergrube im Marchfeld

Rainer Raab im Marchfeld

Raab weiß außerdem, wo die Bienenfresser ihre Löcher gemacht haben, ebenso wie die Uferschwalben. "Wir haben hier eine der wichtigsten Populationen österreichweit", spricht der Experte von etwa 100 Brutpaaren, die ebenfalls kartiert werden. Der Feldhase ist auf der Fahrt durch das Gebiet immer dabei. Sogar eine, in Niederösterreich seltene, Wiesenweihe fliegt durch die Luft. 

Schnellstraße würde Vorteile für den Triel bringen

Wir kommen auch an den Flächen vorbei, wo ein Trielpaar vor einigen Jahren brütete, und wo die Trasse der Marchfeldschnellstraße geplant ist. "Der Triel würde mit der Straße klarkommen. Sie bringt für ihn sogar Vorteile", blickt Raab mit dem Fernglas in die Weite, immer auf der Suche nach Tieren.

Uferschwalben im Marchfeld

Ein großer Erdhaufen reicht: Die Uferschwalben brüten hier. 

Kleiner Vogel, der laut ruft

Der Zugvogel habe kein Problem mit Lärm: "Es gibt Aufnahmen, da brütet er neben einer Landebahn in Israel", erzählt Raab. Außerdem rufen sie mit 105 Dezibel selbst ziemlich laut. Zudem verlegt der Triel selbst seine Brutflächen über die Jahre. Wenn die S8 errichtet wird, dann würde es entsprechende Begleitmaßnahmen von der Asfinag geben, also auch Flächen, auf denen der Triel brüten kann.

Dass dieser solche Areale gern annimmt, zeigt sich bei Sonnenuntergang: Da geht es nämlich zurück zu dem Platz, auf dem der Triel gesichtet wurde. Diese Fläche wurde ihm angelegt, mit offenem, trockenen Boden zum Brüten. 

Trielbeobachtung als feine Sensation

Und da ist er schon, der kleine Vogel mit dem gelben Schnabel, den gleichfarbigen Augen und den langen Beinen - nur 90 Meter von seinen menschlichen Beobachtern entfernt. Dieses Mal bewegt er sich schnell, frisst und läuft herum. Und auf einmal ruft er sogar von selbst. 

"Es gibt nur wenige Personen, die den Triel im Marchfeld zur Brutzeit so schön tagsüber gesehen haben", ist Rainer Raab glücklich, dass er den Vogel, dessen Existenz manchmal angezweifelt wird, beim KURIER-Lokalaugenschein erfolgreich herzeigen konnte.

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