Erfolgsprojekt in NÖ: Bedrohte Sakerfalken nisten auf Strommasten
Ornithologen Richard Zink bewegte sich in luftigen Höhen: Um den Nachwuchs von Sakerfalken zu beringen, kletterte er auf einen Strommasten - dort ist ein Nistkasten in etwa 55 Metern Höhe angebracht.
Jeder kennt sie, die hohen Strommasten der Freilandleitungen. Manche von diesen Masten sind besonders: An ihnen sind Nistkästen für Sakerfalken angebracht. Die Greifvögel sind weltweit bedroht, in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Brutpaare in Österreich von 30 auf 59 angestiegen. Dazu trug das Projekt der Austrian Power Grid (APG) bei: 850 Jungvögel wurden seit 2011 in Nisthilfen auf APG-Leitungen dokumentiert.
Etwa drei Wochen alt sind diese Sakerfalken, als sie beringt wurden.
Das bestätigt das wissenschaftliche Monitoring der Vetmeduni Wien und BirdLife Österreich. Derzeit werden die Jungvögel in den Nistkästen gezählt und beringt. "Das sind die schönsten Tage im Laufe eines Ornithologen-Lebens", sagt Richard Zink mit einem Lächeln, während er das Sicherheitsgeschirr anlegt, um auf den etwa 60 Meter hohen Strommast zu klettern.
Gefühl fürs Vogelleben
Zink ist Ornithologe und Leiter der Außenstelle Seebarn der Österreichischen Vogelwarte der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Profi im Beringen der Greifvögel. Höhenangst kennt er nicht, im Gegenteil, er fühlt sich in luftiger Höhe wohl: "Man bekommt ein Gefühl für das Vogelleben in dieser Höhe."
Auf einem Strommast in Deutsch-Wagram leben Sakerfalken, die von Ornithologen Richard Zink beringt wurden.
Es ist kalt und windig, als er auf den Strommasten auf einem Feld bei Deutsch-Wagram im Bezirk Gänserndorf klettert. APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner ist einer, der das Geschehen lieber vom Erdboden aus beobachtet. "Uns ist bewusst, dass der Bau von neuen Leitungen ein Eingriff in die Natur ist", sagt Christiner.
Sakerfalken-Projekt der APG wird wissenschaftlich begleitet
Darum baut die APG möglichst naturnah und schafft Ausgleichsmaßnahmen, etwa Biotope oder Habitatmanagement. "Seit 2004 sind wir mit dem Sakerfalken beschäftigt", berichtet der APG-Vorstandssprecher. Seit 2011 wird das Projekt wissenschaftlich begleitet.
Falken in den Krähennestern
Wer kam auf die Idee, Nistkästen an den Strommasten anzubringen? "Der Falke selbst", berichtet Johannes Hohenegger von BirdLife Österreich. Denn dieser hat in Krähennestern auf den Masten gebrütet. So entstand die Idee für Nistkästen. "Es ist zwar ein künstliches Setting, wird aber von den Sakerfalken, die selbst keine Nester bauen, gut angenommen", ergänzt Zink, bevor er auf den Mast steigt.
Die Spannung ist groß, weil man erst weiß, wie viele Jungvögel in den Nistkästen sind, wenn man hinauf steigt. Vermutet wurden drei junge Falken, die etwa drei Wochen alt sind.
Gerhard Christiner (l.) und Johannes Hohenegger (r.) assistierten Richard Zink, der die jungen Sakerfalken beringte.
"Wir haben wenig Wildtierkriminalität bei den Sakerfalken. Man sieht sie selten jagen und die Nistkästen sind konfliktfrei angebracht", spricht Hohenegger ein heikles Thema an, während zu hören ist, dass die Nisthilfe voll ist - die Jungtiere machen sich bemerkbar, als Zink bei ihnen angekommen ist.
Nistkästen nur dort, wo Falken ungestört sind
Die jeweiligen Jäger müssen das Beringen absegnen, geben diese kein grünes Licht, darf nicht beringt werden. Die Nistkästen werden dort angebracht, wo die Sakerfalken ungestört sind, nicht weit zu ihren Jagdgründen haben und weit genug von Siedlungen entfernt sind.
- Sakerfalken sind etwa so groß wie ein Bussard, haben einen Meter Flügelspannweite, fressen Feldhamster, Ziesel, Tauben
- Projektbeginn: 2004
- Wissenschaftliche Begleitung: seit 2011
- Nisthilfen im APG‑Netz (Ostösterreich): 110 (auf Strommasten in 60 Meter Höhe)
- Rekordjahr 2025:
- Brutpaare: 59
- Erfolgreiche Nester: 45
- Ausgeflogene Jungvögel: 143
- Zwei Drittel aller österreichischen Sakerfalken brüten im APG‑Netz
- 846 Jungvögel seit 2011 auf APG‑Masten flügge
Normalerweise werden die Jungvögel oben auf dem Masten beringt, Zink bringt sie ausnahmsweise auf den Boden. "Ich habe euch fünf mitgebracht", strahlt der Ornithologe. Denn fünf junge Falken seien das Maximum, sagt er. Die Greifvögel sind zwischen zweieinhalb und dreieinhalb Wochen alt. Da ist das Beringen noch ungefährlich, stresst die Vögel aber auch nicht mehr.
Als Zink den ersten Sakerfalken mit einem gekonnten Griff aus der Stofftasche holt und ihn auf den Rücken legt, kreisen die Eltern über dem Strommast. Der Jungvogel regt sich zwar auch, doch der Ring ist schnell angebracht. Danach wird er noch gewogen. Die Geschwister wiegen zwischen 500 und 930 Gramm. In drei Wochen sind sie erwachsen und jagen Feldhamster, Ziesel und Tauben.
Jungfalken kommen zurück in ihren Nistkasten
Der Sakerfalken-Nachwuchs ist still in den Stofftaschen, die mit Karabinern auf Zinks Rücken befestigt sind. Als alle beringt und gewogen wurden, ging es für den Ornithologen wieder hinauf auf den Masten, um die Tiere in ihren Nistkasten zu setzen.
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