Freimaurer: Eintauchen in die Welt des Geheimbundes

Das Schloss Rosenau im Waldviertel beheimatet den ältesten noch genutzten Freimaurer-Tempel Kontinentaleuropas – und ein Museum.
Ein Raum mit Stühlen im Kreis um einen Teppich, flankiert von Kerzenständern.

Winston Churchill, Hugo Portisch, Karlheinz Böhm, Wolfgang Amadeus Mozart, Helmut Zilk – sie alle haben gemeinsam, dass sie den Freimaurern angehörten.

Einer Vereinigung von Personen (zum Großteil Männern), die an sich selbst arbeiten, mit dem Ziel, bessere Menschen zu werden. Ihre Gemeinschaften sind in Logen organisiert, die sich in sogenannten Großlogen bündeln.

Ein gelbes Schloss mit Uhrturm und gepflastertem Weg, umgeben von Bäumen und einem Schild zum Freimaurer-Museum.

Das Museum befindet sich im Barockschloss

Die Ursprünge der Freimaurerei sind nicht ganz geklärt, sicher belegt ist die Gründung der ersten Großloge in London 1717. Die erste Freimaurersitzung Wiens fand 1742 statt – ein Protokoll davon kann man im Freimaurer-Museum in Schloss Rosenau im Bezirk Zwettl sehen.

Das Schloss stand einst im Besitz von Graf Leopold Christoph Schallenberg (Anm.: Bundeskanzler und Außenminister a. D. Alexander Schallenberg ist direkter Nachfahre derselben Familie), der es im 18. Jahrhundert barockisierte. Er war Anhänger der Freimaurerei.

Nach zahlreichen Besitzerwechseln kaufte das Land Niederösterreich in den 1960er-Jahren das marode Schloss. Im ersten Stock kamen im Zuge von Renovierungsarbeiten "eigenartige" Symbole und Wandbemalungen zum Vorschein.

Loge aus dem 18. Jahrhundert

Die Räumlichkeiten wurden schließlich als Loge des 18. Jahrhunderts identifiziert. Graf Schallenbergs Freimaurer-Tempel und die dazugehörigen Prunkräume werden seit 1975 vom Museumsverein Schloss Rosenau und der Großloge von Österreich als Museum geführt.

Ein Mann steht vor einer Vitrine mit Dokumenten und einem Wandteppich mit freimaurerischen Symbolen.

Freimaurer und Museumsdirektor Max Palla

"Dieser 300 Jahre alte Tempel ist wohl der älteste noch in Betrieb stehende Kontinentaleuropas", erklärt Museumsdirektor Max Palla. Etwa drei bis vier Mal im Monat, wenn das Museum schon geschlossen hat, werden die Räume von österreichischen Logen (Anm.: derzeit zählt die "Dachorganisation" Großloge von Österreich etwa 80) für die Tempelarbeit genutzt.

Blaues Band mit Erkennungszeichen

 "Es ist nicht der Hauptsitz einer bestimmten Loge", erklärt er. In Österreich sei es üblich, dass man sich einmal pro Woche trifft. Dann ziehen sich die Mitglieder traditionellerweise einen Schurz an und legen sich ein blaues Band, woran das Erkennungszeichen der jeweiligen Loge geknüpft ist um den Hals.

Tempelarbeit

Im Tempel des Schloss Rosenau können rituelle Versammlungen mit rund 30 Personen abgehalten werden. In einem Raum vor dem eigentlichen Tempel bzw. Ritualraum soll man "den Staub des Alltags abschütteln und sich sammeln. Der Raum ist der Stille gewidmet", erklärt Palla.

Über dem Fenster ist eine schwarze Muschel – ein Symbol für Schweigsamkeit – abgebildet. Am Boden ist eine Sonnenrose – Symbol des Weltenbundes – eingelassen. In der Freimaurerei haben Symbole einen hohen Stellenwert. "Sie sind immer ein Denkanstoß zu etwas, was dahinter steht. Das kann unterschiedlich interpretiert werden", so Palla.

Seine liebsten Symbole sind der raue Stein und der behauene. "Wenn man zu den Freimaurern dazukommt, ist man wie ein unbehauener Stein, im Laufe der Zeit wird dieser Stein durch die Arbeit an sich selbst immer glatter. Erst wenn er an allen Seiten ebenmäßig ist, kann man mit anderen ebenmäßigen Steinen einen Tempel bauen", erläutert er. Nämlich den "Tempel der Humanität“ (Anm.: der Tempel Salomons ist ein zentrales Symbol), den die Freimaurer symbolisch zu errichten versuchen.

Vom Lehrling zum Meister

Seit dem Jahr 2000 ist Max Palla selbst Mitglied einer Loge, er startete als Lehrling, arbeitete sich vom Gesellen zum Meister hoch. Er erzählt, dass die Logen in Österreich wachsen würden. "In Deutschland und England gehen hingegen die Mitgliederzahlen zurück."

Seiner Einschätzung nach, liege die Anziehung in Österreich auch an der einzigartigen Tradition, dass nach den Ritualen mit dem Wiederholen bestimmter Sprüche einer der Brüder ein Referat hält. "Das dauert in etwa 20 bis 30 Minuten und ist immer sehr inspirierend. Wenn es im Anschluss zum gemeinsamen Essen geht, wird darüber diskutiert“, gibt er einen Einblick.

Einblick in "Geheimbund"

Darum geht es im Museum: Einblick in den "Geheimbund" zu geben, der eher eine "diskrete Gesellschaft“ ist. Es wird mit Außenstehenden nicht über die Inhalte der Zusammenkünfte gesprochen oder die Identität der lebenden Mitglieder. "Einem selbst bleibt es aber freigestellt, ob man erzählt, dass man Freimaurer ist“, so Palla. In Österreich sind das etwa 4.000 Personen. Sie bezahlen einen Mitgliedsbeitrag, der Gutteil fließt in soziale Organisationen. Darüber, wie hoch der Beitrag ist, herrscht ebenfalls Diskretion – "er ist nicht besonders hoch. Vergleichbar mit Beiträgen bei Vereinen", verrät Palla.

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