Chronik | Österreich
11.06.2017

Vom Mozart bis Zilk – sie waren Freimaurer

Symbole, Geheimlogen und Prominente: Seit 300 Jahren gibt es die Bruderschaft.

Prinz Edward, jüngster Sohn der britischen Königin Elisabeth. Winston Churchill, Theodore Rosevelt oder George Washington. Große Namen finden sich in der Liste der ehemaligen und aktiven Freimaurer. Viele hochrangige Politiker in Österreich (vor allem von der SPÖ, aber teilweise auch der ÖVP und anderer Parteien) sind und waren Mitglieder.

Der aktuelle Bundespräsident Alexander van der Bellen war ein Jahr lang aktiv und zehn Jahre passiv bei der Freimaurern. Dazu kommen Künstler wie Mozart und Josef Haydn, Physiker wie Isaac Newton, Autoren wie Kurt Tucholsky und Johann Wolfgang von Goethe oder Schauspieler wie Fritz Muliar und Emanuel Schikaneder. Der elitäre Männerbund war stets Treffpunkt wichtiger Persönlichkeiten, Ende der 70er-Jahre hieß es, dass in Österreichs Regierung fast nur noch Freimaurer sitzen.

Erste Loge

Tatsächlich wurde die erste Freimaurerloge eigentlich in Schottland schon im Jahr 1599 gegründet. Am 24. Juni 1717 schlossen sich aber vier englische Logen zur ersten Großloge zusammen, die als die Mutter aller Großlogen gilt. Deshalb gilt dies für die Freimaurer als eigentlicher Gründungstag.

In Österreich wurde die erste Loge "Aux Trois Canons" erst 1742 gegründet – und nach einem Jahr von Maria-Theresia schon wieder aufgelöst. Immer wieder war die Freimaurerei verboten, etwa in der gesamten Donaumonarchie und in der Nazi-Zeit, wo viele in Konzentrationslagern ermordet wurden. Deshalb (und auch wegen des starken katholischen Einflusses) hielten und halten die meisten Österreicher ihre Mitgliedschaft lieber geheim. Die aktuelle Großloge ist wegen der zwischenzeitlichen Auflösungen bereits die dritte ihrer Art.

In den USA oder Großbritannien geht man mit der Mitgliedschaft weit offener um. Allein elf der ersten 29 US-Präsidenten waren Freimaurer. Weltweit gibt es – je nach Quelle – bis zu fünf Millionen Freimaurer.

Viel Wert gelegt wird auf Traditionen und Symbole: Zwei der bekanntesten freimaurerischen Symbole sind Winkel und Zirkel, auch das "Auge der Vorsehung" über der Pyramide ist in vielen Logen zu finden. Noch bekannter ist es auf dem Ein-Dollar-Schein, was Verschwörungstheorien anfacht. Die Pyramide findet sich auch über der französischen Erklärung für Menschen- und Bürgerrechte 1789, die den Grundsätzen der Freimaurer nicht unähnlich ist.

In Österreich ist die Freimaurerei vor allem in Wien verbreitet, wo es über 50 Logen gibt. In den anderen Bundesländern findet man jeweils ein bis fünf. Die burgenländische Loge wurde etwa vom ehemaligen Bundeskanzler Fred Sinowatz ( SPÖ) gegründet.
Nachdem allerdings der Begriff Freimaurer oder Loge nicht geschützt ist, kann jeder eine eröffnen und quasi eine eigene Richtung gründen. Der "Club 45" über dem Cafe Demel von Udo Proksch verstand sich etwa als eine Art Geheimloge wie auch die berüchtigte italienische P2-Loge, die eine Verfilzung von Staat und Mafia erlaubte und in der auch der spätere Premierminister Silvio Berlusconi Mitglied war.

Rituale und Gott

Bei der echten Freimaurerei geht es vor allem um die persönliche Weiterentwicklung und das Durchleben von Stufen und Ritualen. Wer dabei sein will, muss jedenfalls auch an ein höheres Wesen wie Gott glauben. Und im Gegensatz zum weit verbreiteten Glauben, kann man als Freimaurer austreten – oder ausgeschlossen werden.