Die Bademeister Jürgen Gindl (li.) und Thomas Stadtschnitzer mit Mohamed und Siemersh

© /Natascha Marakovits

Niederösterreich
08/03/2016

Mistelbach: Flüchtlinge helfen im Freibad

Schon die zweite niederösterreichische Stadt setzt auf Asylwerber als "Hilfs-Bademeister".

von Natascha Marakovits

Viel ist nicht los an diesem Mittwochvormittag im Mistelbacher Weinlandbad. Die wenigen Gäste haben sich im weitläufigen Bad verteilt. Das Areal ist groß. Die Bademeister Thomas Stadtschnitzer und Jürgen Gindl drehen gerade ihre Runden. Ebenfalls dabei sind Mohamed und Siemersh, zwei Asylwerber aus dem Iran. "Die beiden helfen seit Montag aus. Die Woche davor waren zwei andere hier, es wird abgewechselt. So sollen mehrere Flüchtlinge die Möglichkeit haben, mitzuarbeiten", sagt Stadtschnitzer. "Es geht um aktive Integration. Die Flüchtlinge sollen sich in der Gemeinde einbringen können. Dass das Modell funktioniert, zeigt ja das Beispiel Mödling. Ich bin froh, dass es das nun auch in Mistelbach gibt", erklärt Bürgermeister Alfred Pohl (SPÖ).

Am 18. Juli habe man mit der Aktion begonnen. Seither sind Mohamed, Siemersh und andere Flüchtlinge sieben Tage die Woche im Bad eingesetzt. "Die Arbeit ist in Vier-Stunden-Schichten aufgeteilt. Einmal von 10 bis 14 Uhr, dann kommen zwei andere zur Ablöse und bleiben bis 18 Uhr", sagt Bademeister Stadtschnitzer. "Es klappt sehr gut. Vor allem bei der Übersetzung der Baderegeln sind sie eine große Hilfe. Wir konnten bisher immer nur auf die Tafeln zeigen."

Doch nicht nur Positives weiß der Bademeister, der nun bereits die fünfte Saison im Weinlandbad für Ordnung sorgt, zu berichten: "Die Skepsis ist sehr groß in der Bevölkerung. Wir haben heuer viele Stammgäste verloren. Die Menschen haben teilweise Angst. Dass nun auch noch Flüchtlinge hier aushelfen, empfinden viele als Provokation", meint Stadtschnitzer. Sein Kollege Jürgen Gindl pflichtet ihm bei. "Die Vorurteile sind da, viele haben sich aber schon daran gewöhnt."

Vor allem nach dem Vorfall mit der angeblichen sexuellen Belästigung einer 13-Jährigen, die sich später als erfunden herausstellte (der KURIER berichtete), seien die Gäste misstrauisch. Umso wichtiger sei es daher, den Leuten zu zeigen, dass sie keine Angst haben brauchen. "Es gibt solche und solche. Auch Österreicher machen Probleme. Erst zuletzt musste ich welche nach einem Feuerwehrfest hinausschmeißen", erzählt Stadtschnitzer.

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