Sissi Hammerl (ganz li.) hilft, wo sie kann. Die Flüchtlinge, die ihr Quartier im Sonnenhof von Isabella Sutter (2.v.r.) in Eichgraben bezogen haben, fühlen sich wohl. Sutter nennen sie nur „Mama Isabella“

© /Julia Schrenk

Asyl
12/23/2014

"Flucht ist kein Verbrechen"

Die Gemeinde Eichgraben zeigt, wie Unterstützung für Flüchtlinge funktionieren kann.

von Julia Schrenk

Sara liegt im Gitterbett und strahlt ihre Mutter an. Das sechs Monate alte Mädchen hat in seinem kurzen Leben schon viel Schlimmes erleben müssen: Saras Mutter Akaber (31) musste mit ihrer Tochter aus Syrien flüchten. Schwanger, der Ehemann noch immer im Kriegsgebiet.

Seit Anfang Dezember wohnen Sara und ihre Mutter im Sonnenhof, einem ehemaligen Gasthof in Eichgraben (Bezirk St. Pölten). Gemeinsam mit 23 weiteren Flüchtlingen aus Syrien, aus dem Irak, aus Georgien und Tschetschenien.

Die Gemeinde hat sich bereit erklärt, Flüchtlinge aufzunehmen. "Als Bürgermeister lebt man nicht im luftleeren Raum", sagt Martin Michalitsch, ÖVP-Ortschef von Eichgraben. "Wir haben uns das durchgerechnet. Wenn jede Gemeinde pro 270 Einwohner einen Flüchtling aufnimmt, wären das bei uns 20", sagt Michalitsch. Er hat die ehemalige Wirtin Isabella Sutter gefragt, ob sie die Asylwerber unterbringen könnte. Sutter hat zugesagt. "Ich hab’ ja schon Erfahrung. Bei uns waren schon einmal Flüchtlinge untergebracht", sag Sutter, kurz angebunden, weil sie das Mittagessen kochen muss. Karfiolsuppe und Gulasch mit Hörnchen gibt es. "Essen gut", sagt einer der Flüchtlinge, der gerade im Aufenthaltsraum sitzt. Ein anderer, ein 35-Jähriger aus dem Irak, zeigt stolz ein Handyfoto seines Sohnes. Es zeigt den Neunjährigen bei seinem ersten Schultag in Eichgraben. "Danke", sagt er.

Bürgergesellschaft

In Eichgraben hat man Erfahrung im Umgang mit Flüchtlingen. 1956 waren Ungarn-Flüchtlinge im Pfarrhaus untergebracht. 1968 einige Tschechen, in den 1990er-Jahren mehrere Iraner und 2004 jene vier Nigerianer, die später Vorlage für den Film "Der schwarze Löwe" waren. Der Film die Geschichte von Emmanuel Antiga, der gemeinsam mit drei Landsmännern in der Fußballmannschaft des Erstaufnahmezentrums Traiskirchen gespielt hat. Der SV Eichgraben hat die vier Männer verpflichtet, der ganze Ort hat sich um deren Integration bemüht. Einer der Männer ist heute Sissi Hammerls Schwiegersohn. Die mittlerweile pensionierte Lehrerin war damals maßgeblich an der Hilfsaktion beteiligt. Und auch heute kümmert sie sich gemeinsam mit Ursi Leutgöb und Hanni Krieger um die neu angekommenen Flüchtlinge im Ort. Der Bürgermeister nennt das Trio liebevoll "Die Bürgergesellschaft".

Hammerl, Leutgöb und Krieger haben Kleidung gesammelt, bereiten Weihnachtsgeschenke vor, halten drei Mal pro Woche Deutschkurse ab. "Ich hatte bis jetzt so viel Glück im Leben. Ich habe gesunde Kinder und Enkel und ich möchte gerne etwas zurückgeben", sagt Hammerl. Sie wohnt Tür an Tür mit den Flüchtlingen, besucht sie, fragt, wie es ihnen geht. Mehrere Familien im Ort haben gemeinsam mit den Flüchtlingen Kochgemeinschaften gebildet. Fast 30 Personen helfen bei der Betreuung. "Ich war zuversichtlich, dass Eichgraben helfen wird, aber diese enorme Welle der Hilfsbereitschaft hat auch mich überrascht", sagt Hammerl. Die Frage nach dem Warum stellt sie den Flüchtlingen nicht mehr. "Sie erzählen es, wenn ihnen danach ist", sagt sie. An ihrer Küchentür steckt eine Postkarte. "Flucht ist kein Verbrechen", ist darauf zu lesen.

Spendenkonto:

Sozialfonds der Marktgemeinde Eichgraben

IBAN: AT512021901900010941

Verwendungszweck: Flüchtlingshilfe

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