Studie erforschte die Wohnträume der niederösterreichischen Jugend

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Jugendstudie
02/18/2020

Flucht ins Eigenheim im Grünen

81 Prozent der Jungen wollen Eigentum, viele zieht es von der Stadt auf's Land

von Wolfgang Atzenhofer

Ein Leben in der Eigentumswohnung oder im eigenen Haus mit unmittelbarem Zugang zur Natur. Das ist der große Zukunftswunsch der niederösterreichischen Jugend. In einer nun veröffentlichten Studie nannten 81 Prozent von 1.000 befragten Personen zwischen 16 und 30 Jahren diese Wohnform als ihr Ziel.

Das Thema „Junges Wohnen“ war im Wahlkampf in fast jeder größeren Gemeinde Thema, dabei ging es vor allem um steigende Mieten und knappen günstigen Wohnraum.

Noch sei die Jugend in NÖ mit der Wohnsituation, ihrem Wohnort und ihrer Wohnumgebung zu rund 70 Prozent aber sehr zufrieden, versicherte Bernhard Heinzlmaier, der Studienautor und Chef des Instituts für Jugendkulturforschung. Längere Ausbildungszeiten und hohe Mieten würden dazu beitragen, dass 43 Prozent der Befragten noch im Elternhaus wohnen. Bei den 21 bis 27-Jährigen sind es immerhin noch 38 Prozent, zitiert Heinzlmeier aus der von der Wohnbaugesellschaft WET beauftragten Studie.

Stadtflucht

Wurde früher von Landflucht gesprochen, so stehe nun eine Stadtflucht bevor, berichtet der Forscher weiters. Denn die Studie habe gezeigt, je älter die Menschen werden, „desto mehr versuchen sie, sich von der Großstadt zu entfernen“. Man werde in zehn bis 20 Jahren eine Bewegung erleben, die von der Stadt aufs Land strebt, prognostiziert Heinzlmeier. Die Gründe dafür: Am Land will man die Natur genießen und fühlt sich sicherer. „Es ist dort ein gesünderes Leben möglich“, zitiert Heinzlmeier die Befragten.

„Wenn sich die Leute in Wohnungen einmieten betrachten sie das immer nur als Zwischenlösung“, berichtet Heinzlmeier über weitere Studienergebnisse. Wenn sie sich für Genossenschaftswohnungen entscheiden, sei Eigentumsbildung ein wesentliches Element.

Finanzierung

Zwei Drittel der jungen Befragten glauben, dass sie sich in Zukunft Wohneigentum leisten können. Heinzlmeier: „80 Prozent glauben aber auch, dass es immer schwerer wird, das Eigentum zu finanzieren“. Werte wie Sicherheit und Unabhängigkeit seien die treibenden Kräfte hin zum Eigentum.

Der Wunsch nach leistbaren Wohnen, aber auch nach der Schaffung von Wohneigentum decke sich mit der im Vorjahr neu konzipierten blau-gelben Wohnbaustrategie, versichert der zuständige Landesrat Martin Eichtinger. Darin wurden eine Reihe unterstützender Maßnahmen fixiert. Im Bereich der Eigenheime wurde die Familienförderung von 5.000 auf 10.000 Euro verdoppelt. Die Zuschüsse für die im Haushalt lebenden Kinder wurden auf je 10.000 Euro angehoben.

„Wir wissen, dass Eigentum, die beste Altersvorsorge ist. Wir bekämpfen damit die Altersarmut“, erklärt Eichtinger. Pensionisten mit geringerem Einkommen haben im Eigenheim nur mehr die Betriebskosten zu tragen und könnten so ihren Wohnstandard leichter halten.

Für Christian Rädler, dem Chef des größten NÖ Wohnbauträgers WET, ist Wohneigentum aufgrund der günstigen Zinslage „absolut leistbar“. 13.000 der von der WET verwalteten 23.000 Wohnungen stehen im Eigentum. Im Bereich „Junges Wohnen“ auf Mietbasis sind 200 Wohneinheiten in Bau und in Vorbereitung.