Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Fischzüchter fordern Otter-Abschuss

Waldviertel: Teichwirte beklagen, dass die geschützten Tiere ihre Gewinne wegfressen - und die vom Aussterben bedrohten Edelkrebse.

Zwei Tonnen Speisekarpfen habe ich früher aus dem Teich geholt. Diesmal waren es 180 Kilo. Ein wirtschaftliches Desaster", klagt Fischzüchter Karl Denk aus Echsenbach im Bezirk Zwettl. Schuld seien die streng geschützten Fischotter. Seit die ehemals ausgerotteten Wassermarder das Waldviertel zurück eroberten, haben sie sich kräftig vermehrt. Rund 300 Tiere soll es bereits geben. Die Geschädigten fordern jetzt, dass das Land die Bejagung der Tiere erlaubt.

"Die Situation ist schwierig", erklärt Fischforscher Günther Schlott von der Ökologischen Station Waldviertel:  "Es gibt zwar eine Förderung für die Errichtung von Elektrozäunen. Aber die Fischotter lernen dazu und schlüpfen vielfach schon unbeschadet unter den geladenen Drähten durch. Außerdem ist die Wartung der Anlagen aufwendig und für große Teiche nicht machbar", erklärt Schlott. Er hat sich jahrelang für Toleranz gegenüber den eleganten Räubern eingesetzt. Doch derzeit erreicht der Schaden auch aus seiner Sicht bedrohliche Ausmaße. "Inzwischen sind auch Bäche und kleine Flüsse, die die Otter als Wanderstrecken nutzen, leer gefressen", sagt Schlott.

"Man findet in Bächen keine der vorher häufig vorkommenden Edelkrebse mehr. Da rottet ein geschütztes Tier das andere aus", ergänzt Denk. "Ich habe 30 Jahre hart gearbeitet, damit ich gut eine Million Euro in den Betrieb investieren konnte, und jetzt das", ärgert sich der Teichwirt.

Die Fischotter haben sich auch den Unmut der Politik zugezogen. Die Freiheitlichen rechnen vor, dass der Schaden im nördlichen Niederösterreich mittlerweile bei 1,5 Millionen Euro liegt. Im Landtag will die FPÖ nun eine Regulierung des Otter-Bestands durchsetzen. Und auch, dass Fischotterschäden in voller Höhe vom Land abgegolten werden. "Wir dürfen nicht zusehen, wie die Teichwirtschaft an den Abgrund geführt wird", sagt FPÖ-Klubchef Gottfried Waldhäusl.

Etwas entspannter sieht die Lage der Leiter der Naturschutzabteilung des Landes, Martin Tschulik. Die verursachten Schäden würden über Förderungen weitgehend abgegolten. Und: "Wenn sich eine Tierart in einem so genannten ,günstigen Erhaltungszustand` befindet, dann sind Managementpläne, wie etwa beim Biber vorstellbar. Bei 300 Tieren kann davon aber keine Rede sein." Außerdem wäre man mit einem Antrag auf Bejagung des Fischotters "ein EU-weiter Präzedenzfall".

Aber selbst wenn es zur Bejagung kommt, bleibt die Situation schwierig. Laut Fischforscher Schlott leben im benachbarten Tschechien geschätzte zwei- bis dreitausend Fischotter. "Wird unser Bestand reduziert, werden die nachdrängen."

Fischotter: Einst gejagt und verspeist

Der Fischotter gehört zur Familie der Mader. Er kann eine Länge von 140 Zentimetern und ein Gewicht von vierzehn Kilogramm erreichen. Als seine Lieblingsspeise gilt vor allem Fisch. Aus diesem Grund wurde er zwischen 1880 und 1950  von Fischern und Jägern im großen Stil verfolgt. Mit der Begründung, dass der Otter als Wassertier wie Fisch zu genießen sei, landete er im 19. Jahrhundert auch als Fastenspeise im Kochtopf. Der Fischotter wurde damals in Mitteleuropa beinahe ausgerottet. Mittlerweile ist er, laut Jagdgesetz, ganzjährig geschont und  im Wald- und Mühlviertel wieder weit verbreitet.