Chronik | Niederösterreich | Feuerwehr
18.06.2018

Katastrophenschutz: 6000 Helfer binnen einer Stunde

Der Katastrophenhilfsdienst der Feuerwehr entwickelte sich zu einer der wichtigsten Einheiten.

4.528 Blitzeinschläge in einer Nacht, der wärmste Mai seit 1868, in wenigen Stunden mehr als 100 Milliliter Regenwasser – die erste Jahreshälfte war reich an Wetterkapriolen. Für die Freiwilligen Feuerwehren im Land bedeutet das viele Einsatzstunden. Der Katastrophenschutz, als Aufgabengebiet der Wehren, gewinnt durch Überschwemmungen, Waldbrände, Sturmschäden oder Stromausfälle an Bedeutung.

So hieß es auch während des Starkregens im Bezirk Neunkirchen, dass Züge des Katastrophenhilfsdienstes ( KHD) angefordert worden sind. Der KHD des niederösterreichischen Landesfeuerwehrverbandes ist eine überregionale Einheit. Ein Zug besteht aus 50 bis 60 Mitgliedern und sieben Fahrzeugen. Fünf solcher Züge ergeben eine Bereitschaft, die pro Bezirk stationiert sind. „Wir können innerhalb einer Stunde bis zu 6.000 Einsatzkräfte aufbieten. Im Bezirk Neunkirchen standen lediglich zwei Züge im Einsatz“, erklärt Franz Resperger, Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos.

Hilfe auch im Ausland

Der KHD hilft durch bilaterale Abkommen auch bei Naturkatastrophen im Ausland. Als vor vier Jahren ein Eisregen in Slowenien zu einem Stromausfall führte – 90 Prozent des Landes waren betroffen – waren niederösterreichische Einheiten vor Ort. „Insbesondere wenn der Einsatz mehrere Tage andauert, ist der KHD nicht mehr wegzudenken“, sagt Andreas Herndler, Bereitschaftskommandant beim Landesfeuerwehrkommando und damals eines von 110 Mitgliedern in Slowenien.

Bei seiner Heimatfeuerwehr in Krems ist Herndler auch für das wertvollste Spezialgerät des Katastrophenschutzes zuständig – den Führungsunterstützungscontainer ( FUCO). Intern verwenden manche – angelehnt an US-amerikanische Serien und Filme – die leichtere Bezeichnung „Mission Control“. Der Container ist eine mobile Leitzentrale, inklusive Notstromgenerator, Satellitenantenne und WLAN. So ist Kommunikation bei großflächigen Stromausfällen oder Zusammenbruch des Handynetzes möglich. Der FUCO wiegt, mit einer Größe eines herkömmlichen Lkw-Containers, knapp zehn Tonnen.

„Worst Case“

„Bundesweit gibt es so etwas nur in Krems und Mödling. Verwendet werden sie bei längeren Einsätzen, wenn es keine Infrastruktur mehr gibt“, sagt Herndler. Bei Unwettern, wie im Bezirk Neunkirchen, sei der FUCO nicht sinnvoll. Hier sei es logischer, Stützpunkte in Feuerwehrhäusern oder Gemeindeämtern einzurichten.

„Ein Einsatzszenario ist zum Beispiel ein Murenabgang, bei dem ein Tal von der Außenwelt abgeschnitten wird. Wenn der FUCO zur Verwendung kommt, liegt der Worst Case vor“, erzählt Herndler. Glücklicherweise sei das noch nie der Fall gewesen, bis jetzt wurde damit nur geübt. Zum Beispiel als örtliche Einsatzleitung für das Frequency Festival in St. Pölten.