Bruder und Kollegen hoffen auf Gerechtigkeit in Mordprozess

Der Ex-Arbeitskollege von Wendy Freiherr schöpfte Verdacht. © Bild: Sascha Trimmel

Der Ehemann und seine Freundin sollen 46-Jährige im Urlaub vergiftet haben.

Die Ermittlungen sind offiziell eingestellt, der Tod der 47-Jährigen wird niemals restlos geklärt werden." So endete im Juli 2012 der KURIER-Bericht über den mysteriösen Tod einer 46-jährigen Wiener Neustädterin (NÖ) in Paraguay. Knapp ein Jahr später sieht alles anders aus: Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt nahm den Artikel mit brisanten Details zum Anlass, um den Fall neu aufzurollen – mit Erfolg. Laut Anklage ist Wendy Freiherr einem heimtückischen Mordkomplott ihres Ehemannes Gerhard H. (53) und dessen Liebschaft Michaela S. (46) zum Opfer gefallen. Voraussichtlich im Mai steigt am Landesgericht Wiener Neustadt der Mordprozess gegen die beiden Angeklagten.

Der Bruder der Toten, Josef S., und die früheren Arbeitskollegen sind froh, dass sich jemand des tragischen Schicksals der am Downsyndrom Erkrankten angenommen hat. "Es ist gut, dass die mysteriösen Umstände ans Licht gekommen sind. Sie hat das einfach nicht verdient", schildert ein Ex-Arbeitskollege von Wendy Freiherr. In der Firma hat man nach dem Verschwinden der 46-jährigen sofort Verdacht geschöpft. "Jeder hat sie vor der Reise nach Paraguay gewarnt", so der Kollege.

Sie war im September 2011 mit ihrem Mann und dessen an der selben Adresse gemeldeten Begleiterin nach Paraguay geflogen. Alle drei hatten lediglich ein "Oneway-Ticket". Ein paar Tage später war Wendy Freiherr tot. Dem Generalkonsulat fiel jedoch auf, dass Gerhard H. bei der Totenbeschau falsche Angaben machte und verheimlichte, dass es sich um seine Frau handelt.

Er blieb noch einige Wochen mit Michaela S. in Paraguay und machte auch nach seiner Rückkehr keine Anstalten, den Bruder über den Tod seiner Schwester zu informieren. "Ich bin zur Polizei gegangen, um eine Vermisstenanzeige zu machen. Erst da habe ich erfahren, dass sie tot ist", erzählt der Bruder Josef S.

Exhumierung

Die Staatsanwaltschaft schickte Ermittler nach Südamerika und ließ die Leiche exhumieren. In den sterblichen Überresten wurde eine tödliche Dosis "Hydromorphon" nachgewiesen – das Medikament, das Gerhard H. seit Jahren ärztlich verordnet wurde. Ermittler fanden heraus, dass der Verdächtige sogar noch wenige Stunden vor dem Tod seiner Frau die Wirkungsweise des Medikaments auf seinem Computer im Internet recherchiert hat.

Als Motiv für die Tat gelten laut Mordanklage unter anderem zwei Lebensversicherungen im Wert von 80.000 Euro. Eine davon hat Gerhard H. erst kurz vor der Abreise nach Paraguay für seine Frau abgeschlossen. "Ich hoffe, dass der Prozess Gerechtigkeit bringt", sagt Josef S.

Eine Reportage über das Schicksal der 46-jährigen Frau sehen Sie am Montag, den 10. März, in "Thema", 21.10 Uhr, ORF2. Zum TV-Programm

Erstellt am 10.03.2014