Chronik | Niederösterreich
12.02.2018

Facebook macht Retter unsichtbar

Blaulichtorganisationen werden neuerdings wie Firmen behandelt und fürchten um Internet-Präsenz.

Bei aller Kritik am sozialen Medium Facebook: Es hat auch sehr gute Seiten. Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr, Rettung oder Polizei nutzten die Internetplattform erfolgreich, um Blutspendeaufrufe zu starten, Freiwillige zu gewinnen, Kurse zu bewerben oder vor neuen Betrugsmaschen zu warnen. Das ist seit 1. Februar aber sehr viel schwieriger geworden. Denn Facebook behandelt nun alle Organisationen wie Firmen – selbst die gemeinnützigen. Das heißt: Ihre Meldungen werden weniger prominent platziert und laufen Gefahr, nicht mehr wahrgenommen zu werden.

"Wir merken die Umstellung ganz stark bei den Rückmeldungen und den erreichten Personen", sagt Natascha Kneissl-Winkelmüller. Sie ist Sachbearbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit bei der Rot-Kreuz-Bezirksstelle Horn im Waldviertel. Die aktuellen Zahlen: Die Reichweite des Facebook-Auftritts "Rotes Kreuz Horn" ist seit Jänner um 93 Prozent gesunken. Die Seitenaufrufe sind um 57 Prozent zurückgegangen, die "Gefällt mir"-Angaben um 66 Prozent. Auch die Anmeldezahlen für Erste-Hilfe-Kurse sanken.

Entstanden ist die Problematik durch eine Umstellung des Algorithmus, der den Newsfeed ändert: Nun werden Beiträge von Freunden und Familie priorisiert, wohingegen Unternehmens-Seiten – zu ihnen zählen eben auch jene von Polizei, Feuerwehr und Rettung – schlechter gereiht werden.

Das spürt selbst das Bundeskriminalamt. "Vor allem für die Präventionsarbeit ist es schade, dass die Reichweiten sinken", erklärt etwa Bettina Fröhlich von der Abteilung Kriminalstrategie. Allerdings merken das große Organisationen weniger als kleine, regionale Organisationen.

Spannende Meldungen

"Das trifft kleine Feuerwehren viel stärker als große. Bei uns ist mehr los, so können wir häufiger spannende Meldungen absetzen, werden öfter angeklickt. Für die kleinen ist das ziemlich schwierig", bestätigt Insider Christoph Gruber von der Feuerwehr Krems. Spezialist Gerald Czech vom Roten Kreuz hat bereits begonnen, ein Unterstützungsprogramm für die Außenstellen aufzubauen.

Jeder Facebook-User kann allerdings selbst in den Newsfeed-Einstellungen festlegen, ob bestimmte Seiten – wie die vom örtlichen Sportverein, der Feuerwehr oder der Polizei – trotz des neuen Algorithmus bevorzugt angezeigt werden. Darauf setzen die Betroffenen, und haben auch entsprechende Aufrufe ins Netz gestellt. Wie weit diese Strategie hilft, wird sich erst zeigen. Einzige Alternative wäre, für Aufmerksamkeit zu zahlen, doch das ist für die meisten derzeit noch kein Thema.