Europaweit einzigartige Tier- und Pflanzenwelt braucht Pflege

Europaweit einzigartige Tier- und Pflanzenwelt braucht Pflege
Trockenrasen entlang der Thermenlinie im Süden Niederösterreichs gehen auf Eiszeiten vor 600.000 Jahren zurück.

Der Osterluzeifalter, die Sägeschrecke oder die Kantabrische Winde: Sie alle leben und gedeihen auf den Trockenrasen entlang der Thermenlinie im südlichen Niederösterreich – und sonst nur noch an wenigen Orten in Europa. Um diese besonderen Lebensräume zu schützen und zu erhalten, treffen sich alljährlich Freiwillige aus ganz Österreich und darüber hinaus bei der „Umweltbaustelle“ in Pfaffstätten (Bezirk Baden).

Heuer werkt man noch bis 5. August. „Es geht darum, nicht nur zu reden, sondern anzupacken“, sagt Biologin und Projektleiterin Irene Drozdowski. Der Alpenverein, der „Landschaftspflegeverein Thermenlinie-Wienerwald-Wiener Becken“ und die Gemeinde Pfaffstätten helfen zusammen, um die Wiesen von zu intensivem Bewuchs freizuhalten. Denn: „Der Wald holt sich die Landschaft zurück, wenn sie nicht kultiviert wird“, weiß Drozdowski. Für die Trockenrasengebiete wäre das aber ungünstig: „Ohne Pflege durch Menschen und Weidetiere würden diese Flächen durch Verbuschung verloren gehen.“

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Samuel Orschlet (rechts) und Manuel Steiner vom Landschaftspflegeverein sind begeistert über den unerwarteten Besuch der seltenen Sägeschrecke.

Lange Geschichte

In früheren Zeiten – die Geschichte der speziellen Lebensräume geht zurück bis zu den Eiszeiten vor 600.000 Jahren – haben Mammuts oder Wisents hier gegrast. Später kam der Mensch – und mit ihm domestizierte Tiere, die diese Aufgabe übernahmen. Mittlerweile ist Viehhaltung selten geworden, nur ein von der Gemeinde Pfaffstätten engagierter Schäfer ist mit seinen Tieren hier unterwegs. Daher springen die freiwilligen Helfer ein.

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Insgesamt 21 sind es heuer. Auch Volksschüler aus der Region werden tageweise eingeladen. Und sie sind stets mit Feuereifer bei der Sache, erzählt die Projektleiterin. „Es macht sie stolz, wenn sie hier auch mit Werkzeugen arbeiten dürfen.“ Mit Krampen, Astscheren und Motorsäge rückt man den wuchernden Büschen zu Leibe.

Teilnehmerin Anna-Lena Hauser erzählt: „Man sieht am Ende des Tages, was man geschafft hat und fühlt, dass man die Welt ein bisschen besser gemacht hat. Es ist toll, die Vielfalt der unterschiedlichen Naturräume zu sehen.“

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Eine Trockenrasen-Besonderheit ist der Gelbe Lauch. Im Hintergrund: Freiwillige Nora Petermair.

Helfer sind willkommen

Irene Drozdowski ist für die Unterstützung dankbar. „Die Arbeit draußen leistet einen wertvollen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt, zu Klimaschutz und Klimawandelanpassung“, betont sie. „Gleichzeitig lernen die Menschen die blühenden Trockenrasen kennen und lieben und sehen, dass sie einen Beitrag für ein lebenswertes Morgen leisten können. Natürlich können alle mitmachen – unabhängig von Geschlecht oder Herkunft.“

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Die Freiwillige Victoria Baluch genießt den sonnigen Arbeitstag.

Christoph Kainz, Bürgermeister von Pfaffstätten, freut sich über die Umweltbaustelle, die schon zum sechsten Mal stattfindet: „Sie ist ein besonderes Zeichen für ehrenamtliches Engagement der Jugend im Bereich des Klimaschutzes.“ Die Gemeinde und Vereine im Ort helfen bei der Unterbringung der Freiwilligen.

Die Thermenlinie zwischen Wienerwald und Wiener Becken ist eines der artenreichsten Gebiete Europas. Die hier vorkommenden Trockenrasen sind Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten und Pflanzen. Der Einsatzraum der heurigen „Umweltbaustelle“ ist das Pfaffstättner Naturschutzgebiet Heferlberg-Glaslauterriegel-Fluxberg.

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