Erfinder: Flachland-Pirat schnitzt Edelboards

Weil ihm das Material zu teuer und zu schlecht ist, begann ein Niederhollabrunner seine eigenen Latten zu entwickeln.

Phillip Schörg ist ein waschechter Weinviertler, ein richtiger Flachland-Pirat könnte man sagen. Doch dann machte er die Bekanntschaft mit dem Snowboard und den Bergen und das ließ ihn nicht mehr los. Jetzt beginnt der 30-Jährige exklusive Snowboards in Handarbeit zu fertigen, die ersten Prototypen sind schon fertig. Und auch edle Alpin-Bretter will der gelernte Maschinenbauer bald erzeugen.

Ein unverspurter Steilhang oder eine eisige Rinne. Es gibt kein alpines Terrain, das der leidenschaftliche Boarder nicht bewältigen könnte. Schon als 19-Jähriger absolvierte der gebürtige Niederhollabrunner die Ausbildung zum staatlich geprüften Snowboardlehrer und fuhr den Lehrmeistern auf und davon. Die Leidenschaft ist bis heute geblieben. Nur das Material konnte mit seinen sportlichen Ambitionen nicht mithalten. „Es gab am Markt nichts mehr und wenn dann viel zu teuer“, sagt Schörg.

Euphorie

Also nahm er sich vor, sich seine eigenen Boards zu bauen. Mit gutem Holz. "Es gibt nichts besseres als Holz", sagt der Weinviertler. Aus Esche und Birke ließ er sich Laminat-Bretter anfertigen, besorgte sich Stahlkanten und Beläge und begann in der provisorisch eingerichteten Hinterhofwerkstatt des väterlichen Hofes zu tüfteln und zu basteln.

Mit viel Euphorie machte er sich an den Aufbau. Zuerst wurde der Belag und die Kanten geklebt. "Das ist die wichtigste Arbeit. Da darf kein Zwischenraum sein", sagt Schörg. Dann wird der "Körper" des Schneebretts aufgebaut und die Schichten schließlich mit Carbon und Epoxit-Harz zu einem "Körper" verklebt. "Ich nehme viel Carbon", verrät der Freak. Erst am Schluss kommt das Design. Beim ersten Brett war es geschliffenes Alu, das sonst nur im Flugzeugbau verwendet wird. "Jedes Stück ist ein Prototyp", sagt Schörg.

Nach der Aushärtung kommt der finale Schliff, dann muss der Überhang neben der Kante abgehobelt werden. Dazu hat sich der Snowboard-Lehrer jetzt eine computergesteuerte Fräse angeschafft. Handarbeit bleibt es trotzdem, weil mit den Koordinaten für das Finish muss Schörg den PC füttern.

"Maßbrett"

Jetzt baut er sich noch eine Vorrichtung zum Messen der Durchbiegung und Steifigkeit der Bretter. "Es gibt dafür nichts am Markt", sagt der Tüftler. Denn künftig möchte er jedem Snowboarder ein Brett „nach Maß“ anfertigen. Auf Fahrkönnen, Stil und Körpergewicht abgestimmt. "Und das Design kann jeder haben, wie er es will", sagt Schörg. Im Winter zieht es den Weinviertler ins Tiroler Ellmau am Fuße des Wilden Kaisers. Dort betreibt er seit Jahren mit einem Freund eine Snowboard-Schule. Die Maschinen kommen heuer mit. Und auch Ski möchte der Weinviertler bald mit einem Kollegen, der Skilehrer ist, erzeugen. "Die Materialien sind die gleichen", sagt der Snowboardlehrer.

Eine Massenfabrikation strebt der Tüftler nicht an. Einen Namen für die Firma hätte der Sohn der Landwirtsfamilie schon: "Snowboard-Bauer, was sonst?"

( Kurier ) Erstellt am 15.01.2012