SPÖ möchte Trumauer Energie-Modell in ganz NÖ
(Symbolbild)
Zusammenfassung
- Trumau gilt als Vorzeigegemeinde für Energiegemeinschaften, deren Modell laut SPÖ auf viele Gemeinden in Niederösterreich übertragbar ist.
- Das Trumauer Modell löst klassische Schwächen von Energiegemeinschaften, indem nur ausgewählte Firmen Strom liefern und dieser für 12 Cent pro Kilowattstunde angeboten wird.
- Bereits ein Drittel der Haushalte nutzt den günstigen Strom, der Ausbau – insbesondere von Photovoltaik – ist geplant.
Trumau (Bezirk Baden) ist eine durchschnittliche Gemeinde. Doch genau das mache sie so besonders, betont Landesparteivorsitzender Sven Hergovich (SPÖ) am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Die Energiegemeinschaft, die vor Ort entstanden ist, lasse sich nämlich auf viele andere niederösterreichische Gemeinden übertragen.
„2014 war das noch eine Grundsatzfrage“, erinnert sich Bürgermeister Andreas Kollross (SPÖ). Damals wurde hitzig diskutiert, ob Trumau überhaupt Windkraftanlagen will. Am Ende sprach sich eine klare Mehrheit der Bevölkerung dafür aus: Zwei Drittel votierten bei einer Bürgerbefragung pro Windräder. Fast ein Jahrzehnt später, 2023 und 2024, wurden sie tatsächlich errichtet.
12 Cent pro Kilowattstunde
„Die klassischen Energiegemeinschaften haben ihre Schwächen“, sagt Kollross. Meist werde nur Überschussstrom geteilt – also das, was man gerade nicht braucht oder zu viel produziert hat. Auf der einen Seite stehen Einspeiser, auf der anderen Verbraucher. Dazwischen entsteht schnell ein Spannungsfeld zwischen möglichst günstigem Strom und wirtschaftlichem Gewinn.
Trumau soll diesen Widerspruch aufgelöst haben, niemand darf privat in die Energiegemeinschaft einspeisen, ausgewählte Firmen liefern den Strom. Zum Teil wird der Strom lokal bezogen – z.B. durch Photovoltaik-Anlagen der Gemeinde, der Rest kommt vom Vertragspartner BLOCH 3 – Heimwatt, einem Familienunternehmen. Im Gegenzug für die Errichtung von Energieparks, beispielsweise Photovoltaik, Wasserkraftanlagen und vor allem Windrädern, wird der Strom in der Energiegemeinschaft um 12 Cent pro Kilowattstunde verkauft. Das ist deutlich günstiger als im Durchschnitt, der bei etwa 25-30 Cent liegt.
Die Teilnahme sei bewusst niederschwellig organisiert: Ein Genossenschaftsanteil von 10 Euro, jederzeit kündbar und vollständig rückerstattbar, ermögliche einen einfachen Einstieg ohne Risiko.
Sven Hergovich und Andreas Kollross informierten über die Energiegemeinschaft Trumau.
Ausbau geplant
Ein Drittel der Haushalte in Trumau bezieht bereits Strom aus der Energiegemeinschaft, wobei bis zu 2.500 Kilowattstunden pro Jahr bezogen werden können. Wer will, kann monatlich ein- und auch wieder aussteigen.
„Wir sehen uns als eine Art Rückzugsbecken“, sagt Kollross. Wenn der Marktpreis fällt, kann jeder gehen. Wenn er steigt, bleibt die Gemeinschaft stabil. Ein Zuschuss durch die Gemeinde ist nicht nötig.
Die Zahlen sind beachtlich: Mehr als 1,5 Millionen Kilowattstunden wurden seit der Gründung geliefert. Und das Modell steht nicht still. Neue Projekte sind geplant, vor allem der Ausbau von Photovoltaikflächen, welche mit Partnerfirmen umgesetzt werden sollen. „Aber nur, wenn sie den Strom um 12 Cent liefern können“, fügt Bürgermeister Kollross hinzu.
Mehr als ein lokales Experiment
Landesparteivorsitzender Hergovich sieht die Gemeinde Trumau als ein „Best-Practice-Beispiel“, das Schule machen soll.
Seine Idee: erfolgreiche Modelle aus Gemeinden herausnehmen und auf das ganze Bundesland übertragen. Denn leistbare Energie sei längst mehr als eine ökologische Frage. Sie entscheide darüber, ob Unternehmen bleiben, ob Arbeitsplätze gesichert werden – und wie viel Geld Familien am Ende des Monats übrig bleibt.
„Viele haben geglaubt, dauerhaft günstiger Strom ist nicht möglich“, sagt Hergovich. Trumau beweise das Gegenteil. Der Blick geht dabei auch über die Landesgrenzen hinaus. Im Burgenland gibt es bereits ähnliche Ansätze. Niederösterreich hingegen zögere noch, kritisiert die SPÖ – und fordert mehr Planungssicherheit sowie einen klaren politischen Willen.
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