Diskussion in NÖ: Windräder ja, aber nicht im Wald?

In Groß-Schweinbarth im Weinviertel wird ein neues Windkraft-Projekt heiß diskutiert. Initiative fordert eine Volksbefragung.
Windkraftanlagen werden sehr kontroversiell gesehen.

Während im Waldviertel am Wochenende ein geplantes Windkraft-Projekt gekippt wurde, wurde in der Gemeinde Groß-Schweinbarth im Bezirk Gänserndorf am Samstag über ein neues Vorhaben diskutiert: Das Projekt Linaberg besteht aus vier Windrädern, die im Hochleithenwald errichtet werden sollen. Bei der Infoveranstaltung wurden Fragen rund um das Projekt beantwortet.

„Es war ein Kommen und Gehen. Viele waren da, um sich über die Stromtarife zu informieren“, berichtet Bürgermeisterin Marianne Rickl-List (ÖVP). Die Stimmung sei weit weniger emotional gewesen als bei der ersten Veranstaltung im Februar.

Windräder im Wald erfreuen nicht alle

Doch das Projekt bleibt umstritten: Es gibt eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Windräder im Wald formiert hat und per Initiativantrag eine bindende Volksbefragung fordert. „Das nehme ich als Bürgermeisterin natürlich sehr ernst“, betont Rickl-List.

Der Antrag muss im Gemeinderat behandelt werden. Trotz Unstimmigkeiten gebe es aber eine Gesprächsbasis mit der Bürgerinitiative, die sich neben der Befragung auch eine weitere Diskussionsveranstaltung zu dem Projekt wünscht. Diese ist für Ende März angedacht.

Der Wald, um den es geht, liegt im Erdölfördergebiet. Das 3.200 Hektar große Gebiet wird bereits forst- und jagdwirtschaftlich genutzt und ebenso seit Jahrzehnten von der OMV. Es gibt eine Vielzahl an Bohrlöchern, zu denen asphaltierte Wege führen. Diese Infrastruktur werde für das neue Windparkprojekt verwendet.

1,4 Hektar müssen dauerhaft gerodet werden

Für die vier geplanten Windräder muss eine Fläche von 1,4 Hektar dauerhaft gerodet werden, das sind 0,05 Prozent der Gesamtfläche, wie die Betreiber betonen. Im Gegenzug soll wieder aufgeforstet und Waldverbesserungsmaßnahmen getroffen werden. Außerdem gibt es eine Außernutzungsstellung von Waldflächen – also Flächen, die nicht für die Forstwirtschaft genutzt werden. Die forstwirtschaftliche Nutzung liege zwischen 80 und 100 Hektar pro Jahr.

Wie sieht der Zeitplan aus? „Das kann man noch nicht genau sagen“, so die Bürgermeisterin. Das behördliche Genehmigungsverfahren laufe derzeit. Der Baubeginn kann erst erfolgen, wenn das Projekt einen Netzanschluss zugesagt bekommt. Das sei derzeit allerdings nur schwer umsetzbar und wohl erst mit der Inbetriebnahme des neuen Umspannwerks in Raggendorf 2030 möglich.

Bürger profitieren finanziell

Der Clou an dem Projekt: Die Bürgerinnen und Bürger sollen laut den Betreibern, der Linaberg GmbH, finanziell davon profitieren. Mit dem „Bürger-Stromtarif Windenergie Linaberg“ kann der Strom für nur 6,5 Cent/kWh bezogen werden – bis zu einem Verbrauch von 6.000 kWh/Jahr. Pro Windrad soll es zudem jährlich 15.000 Euro geben, die seitens des Betreibers direkt an die Groß-Schweinbarther ausgezahlt werden. „Hier sind wir in Gesprächen, dass diese Zahlungen vorgezogen werden“, sagt die Bürgermeisterin.

Eine Bürgerbeteiligung in Form eines Stromkosten-Zuschusses ist zusätzlich in Planung. Dazu kommen noch Ausgleichszahlungen an die Gemeinde für die Nutzung der bestehenden Infrastruktur. Rickl-List macht klar: „Sollte das Projekt eingestellt werden, dann gibt es die Vorteile natürlich auch nicht mehr.“

300 Windräder im Bezirk Gänserndorf

Mit diesem Projekt trägt die Gemeinde übrigens dazu bei, dass der Bezirk Gänserndorf Windkraft-Spitzenreiter im Land ist: 834 Windräder produzieren derzeit in Niederösterreich Strom, bis Jahresende sollen es 860 sein. Die meisten, 300 an der Zahl, drehen sich im Bezirk Gänserndorf. Heuer sollen weitere elf im Windpark Loidesthal II, einer Katastralgemeinde von Zistersdorf, den Betrieb aufnehmen. Hinter Gänserndorf rangiert der Bezirk Bruck/Leitha mit 199 Windkraftanlagen.

Windradgrafik 2026

Volksbefragung kippte Windkraft-Projekt im Waldviertel

Wie groß das Ausbaupotenzial in den einzelnen Windkraft-Zonen tatsächlich ist, sei „nicht seriös beantwortbar“, sagt IG-Windkraft-Sprecherin Stefanie Harbich auf KURIER-Nachfrage. Warum? Da führt sie Burgschleinitz im Waldviertel als Beispiel an. Dort ging die Volksbefragung am Sonntag knapp gegen den Bau von drei Windrädern in zoniertem Gebiet aus. „Deshalb ist eine konkrete zusätzliche Anzahl schwer prognostizierbar“, erklärt Harbich.

Niederösterreich ist laut IG Windkraft jenes Bundesland mit dem meisten Potenzial. Allerdings ist es auch jenes Bundesland mit den bereits meisten Anlagen.

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