Aus für Eislaufplatz? Diskussion in Mödling ließ Emotionen hochgehen
ORF-Moderator Werner Fetz leitete die Diskussion im Mödlinger Mautwirtshaus.
Seit Monaten wird in Mödling über die von der Stadtregierung angekündigte Schließung des Eislaufplatzes emotional diskutiert. Als Grund für diese Entscheidung nennt die rot-grüne Koalition deutliche Steigerungen bei den laufenden Kosten einerseits sowie akuten Sanierungsbedarf der Anlage andererseits. Doch nicht nur Sportvereine machen dagegen mobil, auch eine private Initiative hat sich formiert und bereits rund 7.000 Unterschriften gegen die Schließung gesammelt.
Im Rahmen des ORF-NÖ-Formates „Ein Ort am Wort“ stand das Thema nun am Donnerstagabend im Mödlinger "Mautwirtshaus - Bühne Mayer" zur Diskussion. Und es entwickelten sich durchaus emotionale Wortgefechte.
Der Eislaufplatz sei bereits seit Jahren dringend sanierungsbedürftig, betonte Mehmed Alajbeg, SPÖ-Gemeinderat und Geschäftsführer des Stadtbades Mödling, zu dem auch die Eisanlage gehört. Mindestens 500.000 Euro wären für die grundlegenden technischen Anlagen zu investieren. Hinzu kämen weitere nötige Adaptierungen - etwa des Kabinentraktes. Bürgermeisterin Silvia Drechsler (SPÖ) stellte klar: "Eine Sanierung am bestehenden Ort macht überhaupt keinen Sinn. Wenn, dann müssten wir über einen Neubau reden."
Neubau-Optionen
Eine Option, die von vielen Diskussionsteilnehmern im Saal sofort wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. Warum man mit der Suche nach Standorten nicht längst begonnen habe, wurde gefragt. Diese Suche finde bereits statt, sei aber bisher noch nicht erfolgreich gewesen, antwortete Drechsler. Auch einen mehrfach geforderten Subventionsantrag ans Land NÖ habe man deshalb noch nicht gestellt: "Das macht erst Sinn, wenn wir ein fertiges Projekt in der Schublade haben."
Ein solches existiere seit Jahren, hielt Robert Mayer, ehemaliger ÖVP-Stadtrat und Obmann des Mödlinger Eishockeyvereines, dagegen. Man müsse es nur umsetzen. Eine Schließung des Eislaufplatzes würde Sportvereinen die Grundlage für ihren Betrieb entziehen und letztlich auch Kindern die Möglichkeit zu sinnvoller Beschäftigung und sportlicher Betätigung nehmen.
"Teil des Lehrplans"
Dem stimmte Sabine Karl-Moldan, ehemalige Direktorin der Mödlinger Europahauptschule, zu. Sie erinnerte an die Notwendigkeit des Platzes für den Unterricht. "Mödling ist eine Schulstadt und das Eislaufen ist fixer Bestandteil des Lehrplans."
Dass der Eislaufplatz nicht auf Dauer erhalten werden könne, sei anzunehmen, räumte Lilian Kuster, sportliche Leiterin der Sportunion, ein. Sie forderte aber eine Übergangslösung, vor allem für Vereine. „Das ist auch uns als Dachverband ein Anliegen und wir hoffen, dass hier eine Lösung gefunden werden kann.“
Auf andere für 2026 geplante Projekte zugunsten des Eislaufplatzes zu verzichten, forderten daraufhin mehrere Diskussionsteilnehmer. Als Beispiele wurden Straßenbauprojekte oder die Neugestaltung des ehemaligen Tankstellen-Areals in der Badstraße genannt.
Christoph Seemann-Hamm, Präsident des Eishockeyvereins UEC Mödling, appelliert: „Für uns bedeutet eine Schließung, dass wir unsere Heimstätte verlieren würden und dadurch 110 Kinder und 50 Erwachsene ihre Sportmöglichkeit." Der Verein spiele seit Jahrzehnten in der Landesliga, habe vor zwei Jahren bereits eine Mannschaft nach Wien transferiert, als Eiszeiten gekürzt worden waren. „Wenn es keine Übergangslösung gibt, bedeutet das, dass der Verein eigentlich vor dem Aus stehen würde.“
Ruf nach Kooperationen
Mödling stehe mit dem Problem nicht alleine da, versicherte Peter Biwald, Geschäftsführer des Zentrums für Verwaltungsforschung (KDZ). In vielen Gemeinden sei die Finanzierung von Eislaufplätzen ebenfalls nicht mehr alleine möglich. Als Beispiel nannte Biwald das Hallenbad in Gänserndorf, dessen dringend nötige Sanierung nach langen Diskussionen von 20 Gemeinden der Region gemeinsam übernommen wurde. „Man wird das Problem nicht in Mödling lösen können, sondern man braucht eine Lösung im Land Niederösterreich, weil das ein regionales Problem und auch eine Herausforderung für das Land ist“, so Biwald.
Einen ähnlichen Anlauf hatten Bürgermeisterin Drechsler und ihre Perchtoldsdorfer Amtskollegin Andrea Kö (ÖVP) bereits im Sommer genommen. Kein Bürgermeister des Bezirks Mödling hatte sich allerdings bereit erklärt, sich an den Kosten für Eislaufplatz oder Hallenbad - die beide von zahlreichen Bewohnern umliegender Gemeinden genutzt werden - zu beteiligen.
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