Nach Druck aus der Politik: Erster Landesversorger senkt die Strompreise
Zuletzt hatte die Politik den Druck deutlich erhöht, jetzt gibt es gute Nachrichten für viele Haushalte in Niederösterreich: Der Energieversorger EVN, der mehrheitlich im Besitz des Landes NÖ steht, bringt ab 1. April 2026 einen neuen Stromtarif auf den Markt.
Kunden im Netzgebiet der Netz NÖ zahlen künftig im Schnitt rund 10 Cent netto pro Kilowattstunde – und damit deutlich weniger als bisher.
Verbund preschte vor
Zuletzt hatte bereits der teilstaatliche Energieversorger Verbund angekündigt, ab März einen neuen „Österreich-Tarif“ unter 10 Cent pro kWh (rund 9,5 Cent netto) anzubieten – deutlich günstiger als der bisherige Preis von etwa 15,6 Cent. Der Tarif soll bundesweit und auch für Neukunden gelten.
Diesem Beispiel folgt auch die EVN, wie das Unternehmen am Freitag ankündigte: Der Tarif gilt sowohl für bestehende als auch für neue Kunden. Zusätzlich gibt es einen Bonus für Umsteiger oder Neuabschlüsse.
Besonders profitieren sollen Haushalte, die ihren Stromverbrauch gezielt in die Sommermonate verlagern. In der Zeit von 10 bis 16 Uhr – dem sogenannten „Sonnenfenster“ – wird der Netz-Arbeitspreis nochmals rabattiert. "Wer etwa Waschmaschine, Geschirrspüler oder E-Auto-Ladung in diese Zeit legt, kann die Kosten weiter drücken", heißt es seitens der EVN.
Ersparnis bis zu 190 Euro pro Jahr
Laut EVN ergibt der neue Tarif für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden eine Ersparnis von rund 190 Euro pro Jahr, das entspricht etwa 15,5 Prozent weniger Stromkosten im Vergleich zu April 2025.
Möglich werde das neue Angebot durch mehrere Faktoren, betont EVN-Vorstand Stefan Stallinger. Dazu zählen unter anderem der bereits abgeschlossene Smart-Meter-Rollout, neue IT-Systeme, automatisierte Abrechnungsmodelle sowie die Rahmenbedingungen des neuen Strommarktgesetzes. Auch die gezielte Nutzung von Solarstrom in den Sommermonaten spiele eine zentrale Rolle.
"Logische Konsequenz"
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ihr Vize Stephan Pernkopf (beide ÖVP) hatten in den vergangenen Wochen immer wieder gefordert, dass die EVN auf die Strompreisbremse treten müsse. "Sie können davon ausgehen, dass die Botschaft gehört wird", sagte Mikl-Leitner vor einigen Tagen bei einem Gespräch mit Sozialpartnern und Vertretern aus der Wirtschaft.
Nun zeigt sich Mikl-Leitner zufrieden mit den Plänen des Landesenergieversorgers. "Die Botschaft ist angekommen: Der Bund hat mit dem Strommarktgesetz jetzt die Grundlage dafür geschaffen. Darum ist es die logische Konsequenz, dass die EVN diese Chance nützt, um die Tarife weiter zu senken. Mit heute ist das amtlich. Und das ist auch gut so."
Auch Pernkopf kommentierte am Freitag die neuesten Entwicklungen in Sachen Stromkosten: „Die Menschen spüren Tag für Tag, dass vieles immer teurer wird. Daher sehe ich es als wichtige Aufgabe, das Leben wieder leichter zu machen – auf diesem Weg ist uns jetzt ein Schritt gelungen."
"Es ist skandalös"
Mit Kritik reagierte SPÖ-Landesparteichef Sven Hergovich auf die Ankündigung des Energieversorgers: „Es ist skandalös, dass die Preissenkung erst im April erfolgt. Die vielen Haushalte, die mit Strom heizen, werden nun also noch die ganze Heizperiode grotesk hohe Preise bezahlen müssen. Gerade bei den eisigen Temperaturen derzeit und dem dadurch erhöhten Energiebedarf ist das unzumutbar. Eine Tarifänderung muss jedenfalls schon am 1. Februar erfolgen.“
Kettenreaktion
Unklar war am Freitagmorgen noch, ob der neue Tarif des Landesenergieversorgers EVN eine Kettenreaktion auslösen könnte und ob weitere Unternehmen nun dem Beispiel aus Niederösterreich folgen.
Und tatsächlich: am frühen Nachmittag die Bestätigung: Auch die Energie Steiermark plant vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklungen, "noch im ersten Halbjahr eine weitere Preissenkung umzusetzen". Entsprechende interne Berechnungen dazu würden gerade laufen, sagte Konzernsprecher Urs Harnik. Erst im Herbst 2025 hatte der steirische Landesenergieversorger den Strompreis um 25 Prozent auf 16,41 Cent/kWh (brutto) gesenkt.
Erste Preissenkungen bereits im Herbst 2025
Wien Energie biete "seit mehreren Monaten Angebote auf in diesem günstigen Preisniveau" der EVN, so ein Sprecher gegenüber der APA. Vorigen Sommer sei ein Strom-Angebot mit einem Verbrauchspreis von 9,9 Cent pro Kilowattstunde netto und einjähriger Preisgarantie angeboten worden, das mehrere hunderttausende Kundinnen und Kunden in Anspruch genommen hätten. Mit Vertragsbindung liege man damit bereits unter 10 Cent/kWh netto.
Auch die Kelag in Kärnten verwies auf eine Senkung im Oktober. Ein weitere sei derzeit nicht angedacht, hieß es auf Anfrage.
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