"Einzigartiger Fund" in Carnuntum

Antikes Ausbildungszentrum: In Carnuntum lernten die Gladiatoren für ihren oft tödlichen Kampfeinsatz im Amphitheater, nur die wenigsten überlebten die Spiele.
Foto: AP

In Carnuntum entdeckten Forscher eine antike Gladiatorenschule. Der Fund gilt als archäologische Sensation.

Einem internationalen Team vom Ludwig Boltzmann Institut für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie gelang in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park Carnuntum (Bezirk Bruck an der Leitha) ebendort eine sensationelle Entdeckung. Mithilfe modernster Bodenradargeräte konnten die Forscher eine 1700 Jahre alte Gladiatorenschule unter der Erde ausfindig machen. Der 11.000 große Komplex zählt zu den bedeutendsten Funden weltweit. Laut Experten ist er nur mit der Schule neben dem römischen Kolosseum vergleichbar.

"In seiner Dimension und Vollständigkeit ist dieser Fund einzigartig", schildert Wolfgang Neubauer vom Boltzmann-Institut. Laut Franz Humer - er ist wissenschaftlicher Leiter des Archäologischen Parks - ist das "sicherlich nicht die letzte Entdeckung, die wir hier in Carnuntum in den nächsten Monaten und Jahren zu bieten haben werden."

Antikes Ausbildungszentrum: In Carnuntum lernten die Gladiatoren für ihren oft tödlichen Kampfeinsatz im Amphitheater, nur die wenigsten überlebten die Spiele. Foto: AP Antikes Ausbildungszentrum: In Carnuntum lernten die Gladiatoren für ihren oft tödlichen Kampfeinsatz im Amphitheater, nur die wenigsten überlebten die Spiele.

Die antike Ausbildungs- und Wohnstätte war vermutlich mit 40 bis 60 Gladiatoren belegt. Erfolgreiche Kämpfer konnten zu regelrechten Superstars aufsteigen. Allerdings, so Neubauer: "Die Lebenserwartung lag meist nur bei vier, fünf Kämpfen." Für viele Gladiatoren blieb der Kampf jedoch das einzige Mittel um zu Ruhm und Ehre zu gelangen: Ein Großteil hatte den Sklavenstatus, mit Siegen wartete mitunter ein Leben in Freiheit. Wolfgang Neubauer bezeichnet das Schicksal der Kämpfer als "antikes Toto-Spiel mit dem Tod".

Laut der Forschungen zeichnet sich die Schule durch ihre Komplexität aus: Neben eigener Wasserversorgung und Kanalanschluss, zeugen Tribünen und Badeanlagen vom gigantischen Ausmaß. Die Trainingsarena in Carnuntum wies einen Durchmesser von 19 Metern auf, eine beheizbare Trainingshalle 100 Quadratmeter.

Die in nur wenigen Stunden durch Bodenradargeräte erstellten Aufnahmen zeigen Grundrisse und Grundmauern, die nun auch eine animierte 3-D-Simulation der einzelnen Gebäude ermöglichen. Sogar die Estrichböden sind erhalten, "eine ganz große Besonderheit", schildert Neubauer.

Unter der Erde Auf die Frage, wann mit den Ausgrabungen begonnen werde, antwortete Neubauer mit einem medizinischen Vergleich: "Auch vor einer Operation sollte man noch alle möglichen tomografischen Befunde einholen, bevor man sich aufschneiden lässt." Sprich: Vorerst bleibt die Gladiatorenschule unter der Erde, weitere Untersuchungen folgen. Für NÖ Landeshauptmann Erwin Pröll stellt der aktuelle Fund ein "archäologisches Highlight" dar.

(kurier / Philipp Kienzl, Lukas Schwaighofer) Erstellt am
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