Chronik | Niederösterreich
07.10.2018

Ein Blick in die Foto-Kristallkugel

Europas bildgewaltiges Festival "La Gacilly Photo" kommt auch in den nächsten fünf Jahren in die Kurstadt Baden.

Die Sonne steht tief, die Kulisse ist malerisch – auf einem hunderte Jahre alten Gebäude aus Stein zeigen drei riesige Fotos surreale Szenen in Sepia. Weiter hinten, über der Brücke, blickt man von Weltraum aus auf die Erde. Das sieht man als erstes, wenn man das „Festival La Gacilly Photo“ im gleichnamigen 2.000-Einwohner-Dorf La Gacilly in der französischen Bretagne besucht. Es ist das größte Fotofestival Europas, heuer ging es in die 15. Auflage. Von Juni bis September wird das ganze Dorf Jahr für Jahr zu einer einzigen, großen Freiluft-Galerie mit Ausstellungen von Top-Fotografen aus der ganzen Welt. Die Bilder stehen auf Wiesen, mitten im Wald, sie zieren Hausfassaden oder die Gassen.

2004 hat Jacques Rocher, der Bürgermeister und Sohn von Kosmetikproduzenten Yves Rocher, das Festival in seiner Heimatstadt ins Leben gerufen, um den Menschen dort durch die Fotos Einblicke in die zerbrechliche Schönheit der Welt zu geben. Die Bilder bilden das Zusammenspiel von Mensch und Natur ab. Das diesjährige Festival stand unter dem Thema „La terre en questions“ und zeigte Fotografien aus allen Teilen der Welt, aus dem All, aus dem Mikrokosmos, dem Tierreich, dem Pflanzenreich, der Industrie, aus der Vergangenheit und der Gegenwart.

Zeitreise

Wer das Bilderdorf in diesem Jahr in Frankreich besucht hat, dem wurde ein Blick in die Zukunft der niederösterreichischen Stadt Baden gewährt, denn diese 29 Ausstellungen bei denen 1000 Bilder zu sehen waren, werden im kommenden Jahr beim „La Gacilly Photo Baden“ ausgestellt. Und während man in La Gacilly in die Zukunft blickte, blickte man in Baden in die Vergangenheit des französischen Dorfes: Dort war von Juni bis September das Fotofestival unter dem Thema „I love Africa“ zu sehen, genauso wie es 2017 in der Bretagne zu sehen war. „Wenn man sich das jetzt anschaut, dann ist das wirklich ein Blick in die Glaskugel, man sieht wie die Zukunft aussieht“, sagt Lois Lammerhuber im Rahmen einer Pressereise in den kleinen französischen Ort.

Er ist dafür verantwortlich, dass das Fotofestival aus Frankreich in den nächsten fünf Jahren in der „Freiluft-Galerie“ Baden inszeniert wird. Weiter sagt Lammerhuber: „Nachdem das so eine präzise Zusammenarbeit ist, zwischen uns und den Organisatoren in La Gacilly, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles, was bei denen eingetreten ist, auch bei uns eintreten“. Damit meint er vor allem den großen Erfolg (heuer rund 320.000 Besucher). Er möchte Baden zu einer Stadt machen, mit der man Fotografie assoziiert, so wie das in La Gacilly bereits der Fall ist. „Wir sind, was das Thema Fotografie betrifft, relativ unbespielt und unbelastet. Das geopolitische Einzugsfeld mit der Nähe zu den Kulturstädten Wien und Bratislava bietet viel Potenzial“, erklärt Lammerhuber. Man fühlt die Leidenschaft, wenn er über das Fotofestival spricht.