Chronik | Niederösterreich
05.12.2011

Eichhörnchen essen - Eichhörnchen retten

Gourmet-Trend von der Insel: Um die beliebten roten Eichhörnchen zu schützen werden in Großbritannien dessen graue Artverwandte gejagt - und gegessen!

Denkt man an die britische Küche, so kommen einem Roast Beef, Braten und für unseren Geschmack ungewöhnliche Saucen-Kombinationen - Stichwort: Minzsauce - in den Sinn. Doch seit kurzer Zeit erobert laut New York Times eine neue "Eigenart" die englischen Esstische: das Eichhörnchen.

Eichhörnchen tauchen zwar immer wieder in der britischen Koch-Geschichte auf, sie schafften es jedoch nie, zu einem Lieblingsessen des Insel-Volks zu werden.

Zwischen Gewissenskonflikt und kulinarischem Genuss

Neuerdings ist das kleine, pelzige Tierchen zu einem Verkaufsschlager geworden. Grund dafür seien vor allem Neugier und die Neuheit des "Produkts", so Barry Shaw, Fleischer und Eichhörnchen-Anbieter in Liverpool.

Der Gewissenskonflikt ist beim Verzehr von Eichhörnchen vorprogrammiert. Die niedliche, kleine Gestalt und die großen Augen erinnern vielmehr an ein Kuscheltier als an das nächste Mittagessen. Viele suchen sich beim Essen von Eichhörnchen aber einen gemeinnützigen Vorwand: Man trägt zum Wohle der Umwelt bei und kann gleichzeitig ein außergewöhnliches, schmackhaftes Erlebnis genießen.

"Rette ein rotes, iss ein graues!"

In Großbritannien müssen die grauen Eichhörnchen - die aus Amerika "eingewandert" sind - systematisch gejagt werden. Ihre Bestände werden von Jägern und Wildhütern kontrolliert bzw. reduziert, da sie eine Bedrohung für die in England heimischen roten Artverwandten darstellen. Die grauen Eichhörnchen sind nicht nur zahlenmäßig überlegen, sie übertragen auch eine Krankheit die den roten zur Gefahr werden kann, sie selber und Menschen aber nicht angreift.

2006 startete in England die Kampagne "Save Our Squirrels" ("Rettet unsere Eichhörnchen"). Seither wird versucht, der Problematik mit der eindeutigen Parole "Save a red, eat a grey!" ("Rette ein rotes, iss ein graues!") Herr zu werden - der Markt für Eichhörnchen-Fleisch war geschaffen.

Eichhörnchen - fettarm, köstlich und abwechslungsreich

Binnen kürzester Zeit kamen britische Gourmets, Restaurants und Köche auf den Geschmack - Eichhörnchen wurde gegessen, angeboten und gekocht. Dieser "Eichhörnchen-Hype" hatte einen weiteren Vorteil: Das Fleisch musste nicht weggeworfen, verschwendet werden, sondern erfüllte nun einen kulinarischen Zweck.

Jene, die das Fleisch der pelzigen Waldbewohner gekostet haben, finden es einfach köstlich. Eichhörnchen-Fleisch gilt als fettarm. Der Fettgehalt wie der Geschmack des Fleisches variieren jedoch stark, je nach Jahreszeit, Alter der Tiere und deren Nahrung zu Lebzeiten.

Fergus Henderson betreibt das Restaurant St. John in London, wo er saisonal - im Frühling - Eichhörnchen anbietet. Bei der Zubereitung sind Kreativität und Fantasie keine Grenzen gesetzt. Eichhörnchen wird beispielsweise nach Peking-Enten-Art zubereitet oder als "Meat Pie" serviert. Die große Herausforderung bei der Zubereitung ist das Häuten des Tieres. Dies sollte geübten Profis, sprich den Fleischern überlassen werden.

Gerade in ökonomisch schwierigen Zeiten scheint das Eichhörnchen eine willkommene und preiswerte Alternative zu sein. Nich außer Acht gelassen werden darf die äußerst aufwändige Zubereitung - doch das scheint die begeisterten Gourmets, Chefköche, Jäger und Wildhüter wenig zu kümmern.

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