Chronik | Niederösterreich
30.11.2018

"Drasenhofen war immer am Ende der Welt"

Wie die Menschen im 1000-Seelen-Dorf über die Flüchtlingsunterkunft denken, sagen sie unverblümt beim KURIER-Lokalaugenschein.

Der Bürgermeister von Drasenhofen, Reinhard Künzl (ÖVP), bezeichnete die Unterkunft gegenüber dem KURIER bereits Anfang der Woche als „Armutszeugnis für Österreich“. „Es befindet sich direkt nach dem Grenzübergang. Wenn man nach Österreich kommt, sieht man als Erstes diesen Zaun“, meinte er.  Dieser Zaun war es auch, der den Bewohnern des 1000-Seelen-Ortes sauer aufstieß.

Denn Tenor in Drasenhofen war bei einem Lokalaugenschein am Mittwoch und Freitag: Der Stacheldraht ist übertrieben, aber es ist schon gut, dass die Jugendlichen weggesperrt werden, in Drasenhofen sollte es aber nicht sein. Eine Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, macht im Gasthaus ihrem Ärger Luft:

Drasenhofen Meinungsumfrage 01

Christoph Grill (73) wird direkter: „Das sind Gauner, keine Flüchtlinge im herkömmlichen Sinne. Die haben sich daher gestohlen und jetzt haben wir sie im Gnack.“ Einen Stacheldraht brauche es trotzdem nicht, lediglich vernünftige Gesetze.

Im Jahr 2015 hatten die Behörden schon einmal Flüchtlinge in dem Quartier außerhalb von Drasenhofen direkt an der tschechischen Grenze  untergebracht. Damals waren es  60 – ausschließlich Familien. Das Zusammenleben hatte damals gut funktioniert, schildert Künzl. Die Bewohner hatten Essen und Gewand gebracht. Ein unmittelbarer Nachbar erzählt: „Da gab es überhaupt keine Beanstandungen, es waren alle sehr freundlich“, sagt Franz Axter (62).

Doch was nun dort passiert, wissen die Drasenhofener nicht so genau:

Drasenhofen Meinungsumfrage 02

Mittlerweile ist die Stimmung gekippt. Viele fürchteten sich vor den jungen Bewohnern. „Wir brauchen jetzt Alarmanlagen“, sagt etwa das Ehepaar Horak (70). Der Pensionist Grill ist ein Mal  richtig wütend geworden: „Ich bin einmal mit dem Auto gekommen und da sind welche mitten auf der Straße gegangen und haben mich provokant angeschaut.“   
Zu richtigen Konfrontationen ist es bisher aber nicht gekommen. Im Ö1 Morgenjournal hatte Waldhäusl noch gemeint, dass der Zaun für beide Seiten da sei – so auch zum Schutz der Flüchtlinge vor den Bewohnern. Die Aussage bezeichneten alle Befragten in Drasenhofen als „Blödsinn“.

Sehen Sie hier den SchauTV-Beitrag aus Drasenhofen:

Drasenhofen: Streit um Jugendflüchtlingsheim