Chronik | Niederösterreich
19.11.2018

Donau-Auen: Der Nationalpark der Zukunft

Ein neuer, bundeslandübergreifender Managementplan soll die Weichen für die kommenden zehn Jahre stellen.

Was im Jahr 1989/90 mit der Sicherung eines 411 Hektar großen Gebietes in der Regelsbrunner Au begann, ist heute eines der größten Naturreservate des Landes. 9600 Hektar ist der Nationalpark Donau-Auen mittlerweile groß, er erstreckt sich von Wien bis zur slowakischen Grenze. 1,5 Millionen Besucher, schätzt Direktor Carl Manzano, habe der Park pro Jahr.

Mit einem neuen Managementplan werden nun die Weichen für die kommenden zehn Jahre gestellt. Er ist bereits der dritte seiner Art – und der erste, den die Stadt Wien und das Land Niederösterreich gemeinsam aufsetzen.

„Wir sind der einzige Nationalpark, der über zwei Bundesländer gemeinsam gemanagt wird“, erklärt der Wiener Forstdirektor Andreas Januskovecz. Nun wurden zwei Naturschutz- sowie zwei Nationalparkgesetze zusammengeführt. „Der Park wird sich noch mehr als Einheit präsentieren“, sagt er.

Im freien Fluss

Zentrales Element des Plans ist die Donau. Bereits in den vergangenen Jahren sei seitens der Wasserstraßenverwaltung via donau viel geschehen, um dem Fluss seinen Freiraum zurückzugeben, sagt Direktor Manzano. 2005 wurde das Ufer bei Hainburg rückgebaut, Gewässer und Nebenarme wurden vernetzt.

Eine Herausforderung werde es nun sein, die Donausohle zu stabilisieren. Das funktioniere, indem Kies, der für Furten gebaggert werde, donauaufwärts transportiert und dort dem Fluss zurückgegeben werde. „Jetzt haben wir die realistische Hoffnung, dass die Wasserspiegel zumindest gehalten werden. Ziel ist, sie auch wieder zu erhöhen“, sagt Manzano.

Optimaler weise sollte der Kies im Grenzgebiet gebaggert und dafür ein Abkommen mit der Slowakei geschlossen werde. Weitere Gewässervernetzungen stehen auf der Agenda.

Auwald als Ziel

Im Fokus steht zudem der Auwald. Für die Forstwirtschaft seien vielerorts Hybridpappeln gesetzt worden, die dem natürlichen Waldbild nicht entsprechen. Nach der Gründung des Parks 1996 wurde festgelegt, den Wald binnen 30 Jahren wieder umzuwandeln.

Das Projekt werde nun abgeschlossen. Vielfach sei das schon geschehen, in neuen Gebieten, etwa bei Petronell, stehe die Umwandlung nun an.

Artenvielfalt, erklärt Manzano, brauche alte Bäume und Totholz: „Im Nationalpark gibt es 1000 Pilzarten, es gibt zahlreiche Käfer die ihre Larven in alternden Bäumen haben.“ Diese stehen auf der Speisekarte von Vögeln, wie etwa Spechten. Adler würden starke Baumkronen zum Nisten brauchen. „Das Ziel ist, dass der Wald seinen vollständigen Lebenszyklus erfüllen kann.“ Um zu sehen, wie nah man diesem ist, findet eine Naturrauminventur statt.

Schildkröten-Paradies

Augenmerk werden die Experten zudem auf die Europäische Sumpfschildkröte legen. Denn diese nutze den Hochwasser-Damm zur Eiablage. Da dieser aber saniert wird, wird es Programme geben, mit denen die Brutmöglichkeiten erhalten werden.

Was das Thema Besucher betrifft, sollen etwa die Nationalparkzentren weiterentwickelt werden. In Wien hat das Besuchermanagement Priorität: Die Obere Lobau zählt 1,3 Millionen Besucher pro Jahr – Konflikte inklusive.

Und die Stadt wächst. Zuletzt wurde das Erholungsgebiet „Neue Lobau“ geschaffen, um den Park zu entlasten. Eine Erweiterung des Nationalparks ist vorerst nicht vorgesehen.