Diktat der leeren Brunnen

Wassermangel: Immer mehr Brunnen versiegen, Haushalte und Bauernhöfe brauchen Hilfe. Die Feuerwehr ist im Dauerstress.

Ich bin wirklich sehr froh, dass mir die Feuerwehr geholfen hat. Bis zu zwei Mal pro Woche haben sie mir jeweils 4000 Liter Wasser gebracht“, erzählt Landwirt Markus Höbart aus Bruderndorf im Bezirk Zwettl. Seine 70 Kühe hätte er wegen der anhaltenden Trockenheit aus dem Hausbrunnen längst nicht mehr tränken können. Jetzt konnte er einen zweiten Brunnen anschließen und das Wasser-Problem ist auf seinem Hof vorerst gelöst.

Unzählige andere Landesbürger sind aber weiter auf die Wasserlieferungen angewiesen. Besonders im Most- und Waldviertel liefern wegen der anhaltenden Trockenheit hunderte Hausbrunnen nicht mehr genug Wasser.

„550.000 Liter Wasser haben wir heuer schon zu Haushalten und Betrieben gebracht“, erzählt Herbert Wandl, Feuerwehrkommandant von Langschlag im Bezirk Zwettl. Bei seinem Kollegen Albert Braun in Arbesbach ist die Lage ähnlich. Bei solchen Einsätzen verrechnet die Feuerwehr oft nur einen Teil der nach offizieller Tarifordnung anfallenden Kosten: „Leute, die uns sehr unterstützen, kann man nicht voll zahlen lassen“, meint Braun, der die Spendenfreudigkeit der Landbevölkerung zu schätzen weiß.

Auch Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando weiß um die Problematik: „Wir sind heuer sicher ein Viertel öfter gefahren als sonst. Dabei sind sogar schon Freundschaften entstanden. Manche unserer Leute werden bewirtet oder zum Geburtstag mit einer Torte empfangen“, erzählt Resperger. Das Wasser müssten die Unterstützten der Gemeinde direkt zahlen.

Probleme

Das ist aber nur eine Auswirkung der monatelangen Trockenheit in Ostösterreich. Wie berichtet, leidet auch die Donauschifffahrt unter dem niedrigen Wasserpegel. Der Umschlag der Häfen sinkt, weil die Frachter nur wenig laden können.

In der Landwirtschaft gibt es noch keine größeren Probleme. Die Trockenheit bereitet allerdings den Forstwirten ernste Sorgen. „Wir müssen mit einer Zunahme der Borkenkäfer im Frühjahr rechnen. Außerdem haben die feuchten Jahre das Eichensterben unterbrochen. Das könnte sich jetzt weiter fortsetzen, wenn es so trocken bleibt“, erklärt Herbert Tiefenbacher, Leiter des Forstbetriebes Grafenegg im Bezirk Krems, der auch Besitzungen im Weinviertel sein Eigen nennt.

( Kurier ) Erstellt am 30.12.2011