© Wachaufestspiele Weißenkirchen/Rolf Bock

Chronik Niederösterreich
07/02/2020

Der Wachauer Theatermann

Festspiel-Intendant Marcus Strahl bringt trotz Corona-Krise beste Theaterunterhaltung auf die Bühne

von Markus Foschum

Dass Marcus Strahl als Intendant Festspiele in die Wachau bringt, scheint einleuchtend. Ist er doch Sohn von Waltraut Haas und die gehört als „Mariandl“ zum Wachauer Landl wie die Marillen und die Donau. „Viele glauben, dass es mit meiner Mutter zusammenhängt, aber ganz und gar nicht, es war reiner Zufall“, erzählt Marcus Strahl schmunzelnd. Der Zufall führte in seinem Leben aber auch sonst Regie, denn die Theaterbretter bedeuteten für ihn anfangs so gar nicht die Welt.

Dabei war er familiär extrem vorbelastet, ihm das Schauspiel in die Wiege gelegt. Mutter Waltraut Haas und Vater Erwin Strahl sind ganz große Namen in der österreichischen Theaterwelt. „Ich konnte mir einen solchen Beruf aber gar nicht vorstellen. Ich wurde in der Schule schon rot, wenn ich ein Referat vor der Klasse halten musste“, erzählt Marcus Strahl.

Nach der Matura studierte er Theaterwissenschaften und Publizistik in Wien, daneben arbeitete Strahl aus Interesse an der produktionstechnischen Seite von Theater und Film als freier Aufnahmeleiter bei diversen Film- und Fernsehproduktionen. Der Schritt auf die Bühne war dann ein kleiner.

Der Zufall oder das Schicksal führte Strahl mit Peter Janisch zusammen. Dieser hatte die Raimundspiele Gutenstein gegründet und „hat mich die ersten Gehversuche als Regisseur machen lassen“ erinnert sich Strahl. Dann, im Jahr 2000, wechselte Janisch nach Weißenkirchen, um dort die Komödienspiele zu leiten. Als er 2005 ging, schlug er Marcus Strahl als Nachfolger vor. Dieser hatte inzwischen ein Schauspielstudium und Gesangsstudien absolviert und war als freiberuflicher Schauspieler und Regisseur in Österreich und Europa tätig.

„Ich wollte immer frei sein und selbst entscheiden, welche Produktionen ich mache. Die Intendanz, das war etwas ganz Neues für mich, aber man hat mich gemocht.“

Publikumsliebling

Strahl änderte das Konzept und stellte sich mit dem „Hofrat Geiger“ in Weißenkirchen ein. „Mein Vater hatte den Hofrat Geiger in den 70er-Jahren schon inszeniert und als ich das Stück für die Wachau vorschlug, waren er und meine Mutter sofort dabei. Es wurde ein toller Erfolg.“

Dieser Erfolg blieb Strahl treu. Rund 10.000 Besucher jährlich bei den Wachaufestspielen sprechen dafür. Der Intendant hat anscheinend den Geschmack getroffen: „Man muss wissen, was man für welches Publikum macht. Nicht verstaubt, aber werktreu. Ich will der Geschichte nicht noch eine Geschichte draufsetzen, damit ich mir als Regisseur ein Denkmal setze.“

In 15 Jahren ist so eine gegenseitige Liebe entstanden. „Ich fühle mich ein bisserl als Wachauer. Es ist eine Ehre und Freude, in einem der schönsten Teile Österreichs Theater zu machen, das mir auch Freude macht“, erzählt Strahl.

Für einen erfolgreichen Sommer 2020 war bereits alles angerichtet: „Göttin in Weiß“ und das Konzerts „3 Magic Voices“ sollte es im Rahmen der Wachaufestspiele Weißenkirchen geben. Und dann kam Corona. „Wir hatten schon Tausende Karten verkauft und 20.000 Flyer gedruckt. Das Hauptproblem war, dass es kein klares Spielverbot gab, nur Vorgaben vom Bund.“ Schließlich wurde abgesagt, die Produktionen sollen nun von 20. Juli bis 29. August 2021 stattfinden.

Anfragen, ob er nicht ein Ersatzprogramm auf die Beine stellen könnte, hat Strahl aufgegriffen. „Beruflich hatte ich Glück im Unglück, weil ich auch die Neue Bühne Wien habe. Dort ist unsere Tournee zwar wegen des Lockdowns ins Wasser gefallen, aber ich habe dadurch Zugriff auf erprobte Stücke, die in der Wachau noch nie zu sehen waren.“ Noch dazu handelt es sich um Produktionen mit wenigen Darstellern, was im Sinne der Wirtschaftlichkeit ist.

Jeeedermann

Und dann folgt im September noch ein Highlight, der Wachauer Jedermann. Strahl ist glücklich, dass der Sensationserfolg im neuen Design über die Bühne gehen und wieder die schaurigen „Jeeedermaaann“-Rufe im Renaissance-Ambiente des Teisenhoferhofs zu hören sein werden.

„Wir hätten insgesamt 24 Vorstellungen gehabt, jetzt sind es nur 17 und noch dazu ist jede Vorstellung nur halb besetzt. Das ist eine merkwürdige Situation, aber es freut mich angesichts der Anfragen, dass es so viele Kulturenthusiasten gibt. Dass wir den Wachauer Jedermann anlässlich 100 Jahre Salzburger Jedermann spielen können, ist etwas ganz Besonderes. Und nächstes Jahr starten wir mit hundert Prozent durch.“

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