Ursprünglich wollten die Karliks ein Spielzeugmuseum eröffnen. Heute sind Waffen im Reckturm ausgestellt

© Ferstl Caroline

Chronik Niederösterreich
10/04/2019

Der Turmwächter Wiener Neustadts

Mit seiner Frau Gerlinde kümmert sich Josef Karlik seit 25 Jahren um den Reckturm der Stadt.

von Caroline Ferstl

Josef Karlik sitzt heute genau dort, wo vor 348 Jahren Afra Schick als Hexe gefoltert wurde. „Das wurde ihr zumindest nachgesagt“, meint Karlik.

Der 76-Jährige genießt im ehemaligen Gefängnishof des Reckturms die letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers. Eine kurze Pause hat er sich mehr als verdient. Schließlich hält er seit einem Vierteljahrhundert eines der ältesten Juwelen Wiener Neustadts, den 825 Jahre alten Reckturm, in Schuss.

26.000 Arbeitsstunden

Der Turm, der seinen Namen vom Recken und Strecken der Gefangenen hat, wurde ursprünglich als Gefängnis und Gerichtsgebäude genutzt. „Als wir ihn 1993 übernommen haben, war er so verkommen, so desolat, das war die Hundeecke der Stadt“, erinnert sich Karlik. Gemeinsam mit seiner Frau Gerlinde machte er es sich zum kostspieligen Hobby, den Turm wieder herzurichten. Und zwar eigenhändig: Teile der Mauer mussten wiederaufgebaut, Dach und Wehrgang restauriert, neue Türen eingebaut und Fenster vergittert werden. Das Verlies und den Keller hat Karlik selbst ausgegraben. Hilfe bekam man von Freunden und Besuchern.

26.000 Arbeitsstunden, umgerechnet 3.250 Arbeitstage, stecken in dem Turm, die finanzielle Summe, die investiert wurde, ist „ein Fass ohne Boden“. Zuletzt hat der 76-Jährige den Boden im Innenhof neu verlegt, noch diesen Winter will er hier ein Dach errichten. „Das ist aber meine letzte Arbeit“, meint Karlik. „Worauf soll ich warten? Solange es der liebe Gott noch will, werd’ ich mich um den Turm kümmern.“

Aus Liebe zum Alten

Die Motivation? „Weil wir Altes lieben und erhalten wollen, ganz einfach“, erklärt Karlik. Die ausgestellten Schusswaffen hat der gelernte Werkzeug- und Büchsenmacher selbst restauriert, zu jedem Stück im Privatmuseum weiß Karlik eine Geschichte zu erzählen. Und er freut sich, wenn Interessierte vorbeikommen und mehr wissen wollen. Etwa am 26. Oktober, da feiert der Reckturm Tag der offenen Tür.