50.000 Menschen frequentieren täglich den St. Pöltner Hauptbahnhof. Immer wieder kommt es zu kleineren und größeren Zwischenfällen

© /Julia Schrenk

St. Pölten
02/03/2015

Der Hauptbahnhof steht unter Schutz

Geschäftsleute und Bahnkunden begrüßen die wieder eingeführte Schutzzone.

von Julia Schrenk

Ein Mann hetzt durch die Bahnhofshalle zum nächsten Zug – die eine Hälfte seines Frühstücks in der Hand, die andere im Mund. Eine Frau mit Kinderwagen wartet, eine andere kauft sich ein Packerl Zigaretten. Zwei nette Herren von der ÖBB-Security drehen ihre Runden im Bahnhof. "Das sind meine Engeln", sagt eine ältere Frau mit Rollator. Frau Drexler heißt sie. "Die Herren helfen mir jeden Tag mit dem Rollator", sagt sie. Das möchte sie auch so verbreitet haben. Abgesehen von ihrer Unterstützung für Frau Drexler hatten die Sicherheitsmänner am Montag aber nicht viel zu tun. Niemand lungerte herum. Niemand war auffällig betrunken. Niemand war auffällig aggressiv.

Der erste Tag auf dem St. Pöltner Hauptbahnhof mit wieder eingeführter Schutzzone verlief also ruhig. Sie gilt seit Sonntag und soll vor allem Jugendliche vor strafbaren Handlungen schützen. Konkret bedeutet das: Die Polizei kann jetzt Betretungsverbote aussprechen . Zumindest 30 Tage können Personen des Bahnhofs verwiesen werden.

Zwischenfälle

Immer wieder kam es im und rund um den Bahnhof St. Pölten zu Diebstählen, Raufereien und Raubversuchen. Der letzte große Zwischenfall ereignete sich am 20. Dezember, als eine Gruppe von zwanzig Tschetschenen und Afghanen aufeinander los ging. Die Massenschlägerei wurde zur Messerstecherei, ein junger Afghane bekam ein Messer in den Bauch gerammt. Wie sich später herausstellte, dürften Drogen Ursache des Streits gewesen sein. Die vielen Vorfälle begründeten dann die Entscheidung der Landespolizeidirektion, wieder eine Schutzzone am Bahnhof zu errichten.

"Uns hilft die Schutzzone vor allem beim effektiven Einschreiten", sagt Stadtpolizeikommandant Franz Bäuchler. Wenn die Polizei vorher jemanden des Bahnhofs verwies, konnte der theoretisch nach fünf Minuten wieder zurückkommen. Das geht jetzt nicht mehr. "Natürlich ist ein Bahnhof immer ein Treffpunkt", sagt Bäuchler. Aber: "Sicherheitstechnisch ist der St. Pöltner Hauptbahnhof nicht auffällig."

Trotzdem beruhigt die Schutzzone viele Passanten und die Geschäftstreibenden auf dem Bahnhof. "Die Notwendigkeit war gegeben", sagt Martin Baumgartner, Filialleiter des Press&Book-Stores am Bahnhof.

Polizei-Präsenz

Vor drei Jahren musste eine seiner Kolleginnen sich und die Kunden im Geschäft einsperren, weil sich zwanzig junge Burschen direkt vor dem Geschäft verprügelt hatten. Vor allem die Präsenz der Polizei würde das Sicherheitsgefühl verstärken, sagt Baumgartner.

Die ist laut Stadtpolizeikommandant Bäuchler aber ohnehin gegeben: "Täglich sind stundenweise Polizeistreifen vor Ort", sagt er.

Auch Johannes Widy, Prokurist der Kovi Warenhandels GmbH, die den Okay-Supermarkt am Bahnhof betreibt, befürwortet die Polizei-Präsenz am Bahnhof: "Die optische Präsenz der Exekutive bringt etwas, sonst nichts", sagt Widy. Immer wieder komme es im Supermarkt zu Diebstählen. Zu den Vorfällen in St. Pölten äußert sich Widy diplomatisch: "Sagen wir‘s so, der Bahnhof St. Pölten hat mehr schwierige Situationen gebracht, als wir das für einen Bahnhof in Niederösterreich erwartet hätten."
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