Chronik | Niederösterreich
04/02/2019

Der grüne Ring um Wien schließt sich

Jetzt bekommt auch die Region zwischen Wien und Bratislava neue Siedlungsgrenzen.

Der Plan, um die Bundeshauptstadt ein zusammenhängendes Netz an Grünflächen und Erholungszonen legen, die nie mehr bebaut werden sollen, nimmt langsam Form an. Weitere Orte im Speckgürtel erarbeiten ab sofort Siedlungsgrenzen, um den Grünen Ring um Wien Realität werden zu lassen.

Das Mammutprojekt soll ein weiteres Zusammenwachsen von Wien und seinem Umland um jeden Preis vermeiden. Schon jetzt zählen Experten die österreichische Ostregion zu den am stärksten wachsenden Regionen Europas. Verkehrsdruck und ausufernde Bautätigkeit machen den Bewohnern des Wiener Umlands das Leben schwer. „Wir wollen keinen Siedlungsbrei. Ohne Spielregeln verlieren wir weiterhin wertvollen Boden. Es geht um die Lebensqualität von rund 2,5 Millionen Menschen in der gesamten Ostregion“, sagt der Initiator des Grünen Rings, Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf.

Die so genannte Leitplanung im südöstlichen Weinviertel – ein Prozess, der 34 Gemeinden im Bezirk Gänserndorf mit rund 90.000 Einwohnern umfasst – ist eines der Herzstücke des Grünen Rings um Wien. Raumplaner des Landes definieren gemeinsam mit den Gemeindeverantwortlichen Räume für Wohnen, Betriebsansiedlung, Agrarflächen und Erholungszonen. Die so gezogenen Grenzen werden rechtlich bindend sein.

Für die Region kein leichtes Unterfangen: Die Lage zwischen Wien und Bratislava macht sie als Wohn- und Wirtschaftsraum gleichermaßen attraktiv. In den vergangenen Jahren wuchs die Bevölkerung um mehr als 11 Prozent. Gleichzeitig bilden der Nationalpark Donauauen sowie die March-Thaya-Auen wertvollen Erholungsraum und das Marchfeld eine der agrarisch meist genutzten Flächen Österreichs. Der geplante Bau der S8 bedeutet im Hinblick auf den Verkehr eine besondere Herausforderung. „Es ist der richtige Zeitpunkt, um die Entwicklungen zwischen den durchaus unterschiedlichen Gemeinden in einem partnerschaftlichen Prozess abzustimmen“, sagt Landtagsmandatar René Lobner, der an die Landesausstellung 2022 im Marchfeld denkt.

Zukunft

Der Planungsprozess mit Workshops und Abstimmungsrunden soll rund eineinhalb Jahre laufen, erklärt Thomas Knoll. Der renommierte Planer ist maßgeblich in das Projekt eingebunden. „Danach sollen sowohl die örtliche, als auch die regionale Raumplanung gemäß den Ergebnissen angepasst werden. Wir wollen so Grünräume in der gesamten Ostregion schützen und für die Zukunft erhalten.“

Die Idee, die ehemalige Reichs- und Residenzstadt Wien in Ringen anzuordnen, stammt von Otto Wagner, dem „Vater der Moderne“. Ein angedachter Grüngürtel um die Millionenstadt blieb aber unvollendet. Mit dem aktuellen Projekt des Landes Niederösterreich soll ein Grüner Ring entstehen, vernetzte Grünräume vom Biosphärenpark Wienerwald bis zum Nationalpark Donau-Auen und vom Weinviertel und Marchfeld bis zum Leithagebirge.