© Wiener Sängerknaben/Lukas Beck

Chronik Niederösterreich
12/13/2019

Der "Bandleader" der Wiener Sängerknaben

Der Mostviertler Oliver Stech ist Kapellmeister des weltberühmten Chors und tourt durch die Welt.

von Marlene Penz

Als wahrscheinlich älteste „Boy-Band“ der Welt bezeichnen sich die Wiener Sängerknaben auf ihrer Homepage. 1498 wurden sie gegründet. Heute gibt es vier Chöre, in denen Buben im Alter von neun bis 14 Jahren singen. Einen davon leitet der gebürtige Waidhofner Oliver Stech.

„Ich bin der Kapellmeister des Schubertchors – benannt nach Franz Schubert, der selbst Sängerknabe war. Alle vier Chöre sind nach Komponisten benannt“, erzählt der 36-Jährige. Er selbst war aber kein Wiener Sängerknabe, wie er bedauernd sagt. „Ich bin ein Spätberufener. Ich wusste sicher als Bursche, dass es sie gibt, aber mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass es möglich wäre ein Teil von ihnen zu werden.“ Er hat schon oft festgestellt, dass viele Eltern und Kinder gar nicht an eine Bewerbung denken: „Das ist schade. Es ist wichtig, dass viel mehr Kinder auf die Idee kommen – wir könnten Verstärkung aus Niederösterreich brauchen“. Liegt doch die künstlerische Leitung mit Gerald Wirth, dem Präsident der Wiener Sängerknaben, auch in niederösterreichischer Hand.

Kinder aus der ganzen Welt sind bei den Wiener Sängerknaben – laut Stech sei es aber gar nicht so schwer, ein Teil von ihnen zu werden, „wenn ein Kind musikalisch ist und gerne singt, soll es einfach vorbeikommen“, appelliert er. Vielleicht singt es dann sogar unter Stechs Leitung.

Traumberuf

2011 hat er die Verantwortung als Kapellmeister übernommen. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Vorbereitung der Heiligen Messe in der Hofburgkapelle, dort singen die Wiener Sängerknaben an jedem Sonntag. „Die vier Chöre wechseln sich ab. Wir singen immer klassische Messen mit Werken von Schubert oder zum Beispiel Beethoven gemeinsam mit dem Herrenchor der Wiener Staatsoper, Mitglieder der Wiener Philharmoniker spielen im Orchester“.

Im Schubertchor sind derzeit 23 Buben, aber keiner aus NÖ. Seine eigene Gesangskarriere hat im Gymnasium in Waidhofen an der Ybbs begonnen: „Da habe ich zum Schulchor gefunden und dann bin ich in die Welt des Chorsingens und -leitens immer weiter eingedrungen“, blickt er zurück. In Wien hat er dann ein Lehramtsstudium in Musik und Gesangspädagogik absolviert. „Es war bald klar, dass mein Traumberuf die Leitung eines Kinderchors ist.“ Und so kam es dann auch – durch „Zufall“ wie er sagt, leitet er jetzt einen „auf ziemlich hohem Niveau“.

In seinem Beruf erkundet der Vollblutmusiker auch die Welt. „Wir gehen jedes Schuljahr auf große Tournee und sind sechs bis acht Wochen unterwegs. Entweder in Amerika, Deutschland, Japan oder anderen asiatischen Ländern“, erklärt der Mostviertler. Heuer zu Ostern geht es wieder nach Japan. „Das ist meine Lieblingstournee. Es ist ein tolles Land und die Leute sind begeistert von uns“, erzählt er. Zu seinen Highlights zählten aber auch ein Auftritt in der Oper von Sydney oder am Strand in Costa Rica. Die Wiener Sängerknaben in ihrer Uniform würden vor allem im asiatischen Raum zu Wien gehören, wie Mozart oder die historischen Gebäude der Stadt. „Dort hat man diese Vorstellung von Österreich“, sagt Stech. Sind die Matrosenanzüge eigentlich noch zeitgemäß? Derzeit würde nicht darüber diskutiert werden, da etwas zu ändern, betont Stech. „Sie gehen auf die 1920er zurück. Nach dem Ende der Monarchie war man auf der Suche nach einer neuen Uniform, da waren die einfach in Mode.“

Chorsänger

Besonders schön findet er die Auftritte mit dem Chor im Advent, obwohl es in dieser Zeit doch sehr stressig ist: „Da freuen sich die Menschen noch mehr als sonst und kommen gerne. Die traditionellen Weihnachtslieder gesungen von den Sängerknaben sind etwas ganz Besonderes.“ So haben sie das Publikum erst in der Vorwoche beim Grafenegger Advent begeistert, nächste Woche singt er mit seinem Chor bei „Christmas in Vienna“ im Wiener Konzerthaus. Sein persönliches Lieblingslied, gesungen von „seinen“ Kindern ist „Es ist ein Ros entsprungen“ im Originalsatz von Michael Praetorius.

Oliver Stech tritt abseits seines Berufs als Kapellmeister der Sängerknaben und Leiter des nö. Landesjugendchors auch als Sänger in Erscheinung. „Ich bin Assistent des Chorleiters der Wiener Singakademie, dem Chor des Wiener Konzerthauses. Da singe und probe ich auch mit Erwachsenen. Ich finde es wichtig, nicht nur vorne zu stehen“, meint er. Zu Weihnachten besucht er seine Familie im Mostviertel und wird dort auch zu hören sein. „Normalerweise singe ich in Allhartsberg beim Chor, aber heuer darf ich am 25. Dezember ein Solo in Ybbsitz singen“, freut sich Stech.

Geboren wurde der Kapellmeister des Schubertchors der Wiener Sängerknaben 1983  in Waidhofen an der Ybbs. Oliver Stech erhielt seine erste Ausbildung in Klavier und Gesang an den Musikschulen Waidhofen/Ybbs und Amstetten.  
Er studierte Romanistik an der Universität Wien und Klavier sowie Musik- und Gesangspädagogik mit Schwerpunkt Chor- und Ensembleleitung. Seit Jänner 2011 ist er für das Konzert- und Tourneerepertoire des Schubertchors verantwortlich, probt mit den Kindern und gibt ihnen  Musikunterricht. Außerdem leitet er den nö. Landesjugendchor.