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Chronik Niederösterreich
04/08/2020

Corona-Krise: Einigen Ärzten könnte Insolvenz drohen

Weniger Patienten in den Ordinationen bedeutet weniger Umsatz. Das ist ein Problem, warnt die Ärztekammer Niederösterreich.

von Theresa Bittermann

Viele Ordinationen bleiben momentan wegen der Corona-Krise leer. Abstand halten ist die Maxime. So bizarr es sich in Zeiten einer gesundheitlichen Krise anhört, könnte die wirtschaftliche Existenz einiger niedergelassener Ärzte eben durch diese bedroht sein. Denn sinkende Patientenzahlen bedeuten sinkende Umsätze.

Während Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten, so weit es möglich ist, weiterhin telefonisch betreuen, können einige Fachärzte nicht so einfach auf „Teleworking“ umsteigen. „Alle Ärzte haben zur Zeit massive Rückgänge in ihren Patientenzahlen. Fachärzte aus bestimmten Gebieten trifft das am härtesten. In der Orthopädie zum Beispiel muss man die Patienten einfach angreifen können, übers Telefon funktioniert das kaum. Je nachdem wie lange diese Krise noch andauert, kann das die Existenz mancher Ärzte gefährden“, warnt Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer Niederösterreich (ÄK NÖ).

Wie sich diese Krise tatsächlich in den Zahlen niederschlägt, werde man erst im Herbst sehen, hieß es von der Ärztekammer. Erst dann wird das aktuelle Quartal, April bis Juni, abgerechnet.

Überschüsse rückzahlen

Auch bei der österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) ist man sich dieser herausfordernden Situation bewusst. Behandlungen via Telefon können die Ärzte nun auch über die ÖGK abrechnen. Es soll außerdem höhere Vorauszahlungen als üblich für die Ärzte geben. Sollten die Ärzte dann allerdings weniger einnehmen als vorausbezahlt, muss die Differenz ab 2021 zurückgezahlt werden. Bis Ende 2022 soll die Frist für diese Ausgleichszahlungen laufen.

Dass Ärzte Rückzahlungen leisten und damit die geringeren Patientenzahlen kompensieren sollen, ist für Reisner inakzeptabel. „Das ist noch nicht Ende der Verhandlungen“, sagt er. Die Neos NÖ kündigten an, im Landtag eine Ausgleichszahlung zugunsten der niedergelassenen Ärzte zu fordern.

Mangelware Masken

Ebenfalls noch nicht beendet ist das Ringen um die Schutzausrüstung für die niedergelassene Ärzteschaft. Davon gibt es nach wie vor zu wenig. 46 Prozent der Allgemeinmediziner in Niederösterreich sind über 55 Jahre alt. Ein großer Teil der Ärztinnen und Ärzte gehört also altersbedingt auch zur Risikogruppe. „Wir arbeiten zur Zeit unter erhöhtem Risiko. Auch das muss berücksichtigt werden“, fordert Reisner.