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Chemikalien in Brunnen bei OMV-Areal: So viele Haushalte sind betroffen

Erhöhte PFAS Werte festgestellt, eine Ombudsstelle wurde eingerichtet. Grundwasser wurde durch Löschschaum konterminiert.
FILE PHOTO: FILE PHOTO: A view of a logo of Austrian oil, gas and chemicals group OMV in front of their ReOil plant in Schwechat,

Sie stecken in Teflon-beschichteten Bratpfannen, handelsüblichem Backpapier, diversen Kosmetikartikeln oder Einweg-Lebensmittelverpackungen. Sogenannte Ewigkeitschemikalien, kurz PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) genannt, sind weit verbreitet, die EU diskutiert seit langer Zeit ein weitreichendes Verbot.

Wie am Mittwoch bekannt geworden ist, sind auf dem Areal der OMV-Raffinerie in Schwechat im Bezirk Bruck an der Leitha jahrzehntelang solche Ewigkeitschemikalien ins Grundwasser gelangt.

Erhöhte Werte gefunden

Die Firma hat Anfang März in Abstimmung mit der Altlastenbehörde und der Stadtgemeinde Schwechat Grundwasseruntersuchungen durchgeführt. „Dabei wurden in einem abgegrenzten Bereich nördlich der Raffinerie Schwechat erhöhte Werte an per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen im Grundwasser festgestellt. PFAS wurden zu keinem Zeitpunkt im Produktionsprozess in der Raffinerie verwendet“, heißt es vonseiten des Unternehmens.

Brandschutzübungen

Wie die Stoffe dann im Bereich von Mannswörth in den Boden gelangt sind, erklärt die OMV so: In der Vergangenheit wurden auf dem Areal regelmäßig Feuerwehr- und Brandschutzübungen abgehalten. Der dabei verwendete Löschschaum enthält PFAS. Diese sind am Gelände jahrelang langsam versickert.

Der Stadtgemeinde Schwechat und der OMV ist wichtig zu betonen, dass das öffentliche Trinkwassernetz nicht betroffen ist. Gefährdet sind allerdings Haushalte, die Wasser aus privaten Hausbrunnen beziehen.

Bis zu 400 Haushalte sind betroffen

„Die Zahl der betroffenen Haushalte wird auf circa 300 bis 400 in dem Bereich geschätzt“, sagt der Sprecher der Stadtgemeinde Schwechat, Dejan Mladenov. Da Hausbrunnen baupolizeilich nicht anzeigepflichtig sind, liegt keine exakte Zahl vor. Festgestellt wurden bis zu 0,3 Mikrogramm PFAS pro Liter Wasser. Das ist dreimal höher als der seit Jänner geltende EU-Grenzwert. Bei anderen getesteten Hausbrunnen lag die Überschreitung bei ungefähr zehn bis 15 Prozent. 

Laut Umweltmedizinern bestehe durch diese Menge aber keine akute Toxizität. „Bis zur abschließenden fachlichen Bewertung wird empfohlen, Grundwasser in den betroffenen Bereichen jedenfalls nicht als Trinkwasser und auch vorsorglich nicht für die Gartenbewässerung, Poolbefüllung, Tierhaltung, Fischzucht oder ähnliche Anwendungen zu verwenden“, heißt es bei der von der OMV eingerichteten Ombudsstelle. 

Die Raffinerie prüft nun weitere Schritte zur Altlastensanierung, um auch PFAS vollständig am Areal zu entfernen. Damit soll die weitere Ausbreitung eingedämmt werden.

Entschädigung

Die Chemikalien bauen sich in der natürlichen Umwelt nicht ab. Deshalb wird ein Sanierungskonzept unumgänglich sein. Falls den betroffenen Haushalten für die Überbrückung des Wasserverbrauchs Kosten entstehen, hat die OMV angekündigt, dafür aufzukommen.

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