Zwischen Badespaß und Budgetnot: Saisonstart in den Freibädern

130 Freibäder gibt es in Niederösterreich – nicht alle starten unbeschwert in den Sommer, der wirtschaftliche Druck ist groß. Branchensprecher Harald Gölles erklärt, warum das so ist.
Aerial drone view of active girl in swimming pool from above, yong woman swims in blue water, tropical vacation, holiday on resort concept

Pommes im Freibad schmecken einfach anders. Besser. Besonders. Weil sie stets auch das Gefühl eines unbeschwerten Sommers vermitteln, den man mit Freunden im Freibad verbracht hat und in dem man oft keine anderen Verpflichtungen hatte.

Die Temperaturen steigen, der 1. Mai ist der Tag, an den viele Bäder eröffnen. Wie etwa das Citysplash in St. Pölten. Dort gibt es ein Erlebnisbecken mit Strömungskanal und Bodenblubber; eine 77 Meter lange Röhrenwasserrutsche mit Lichteffekten und Zeitnehmung; ein Sport- und Sprungbecken; einen Kinderbereich mit Wasserspielgarten und Schattensegeln.

Die Bilanz des Vorjahres ist positiv: Trotz eines wetterbedingt schwierigen Juli verzeichnete das Citysplash 47.598 Besucherinnen und Besucher. Auch andere städtische Bäder waren gut frequentiert – die Aquacity kam auf 158.987 Gäste, die Traglufthalle wurde von 15.672 Personen genutzt. „Die Besucherzahlen zeigen, wie wichtig unsere Freizeiteinrichtungen für die Lebensqualität in St. Pölten sind“, betont Bürgermeister Matthias Stadler.

Sorgen zum Saisonstart

Das Citysplash ist eines von rund 130 Freibädern im Land. Aber nicht bei allen blicken die Verantwortlichen positiv in die anstehende Sommersaison. Etwa im Sonnenwaldbad in Pulkau im Bezirk Hollabrunn. Der Gemeinderat beschloss, das Bad zu schließen, die Kosten sind explodiert. „Viele Bäder stehen aktuell unter einem erheblichen wirtschaftlichen Druck“, bestätigt Harald Gölles auf KURIER-Nachfrage.

Er ist Betriebsleiter des Thermalstandbads Baden und Sprecher der Bäderbetriebe der WKNÖ. Warum stehen viele Bäder aktuell unter großem Druck? „Ein großer Kostenfaktor sind die Personalkosten“, führt Gölles aus. Um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten, brauche es Bademeister, Reinigungskräfte und technisches Personal.

46-224439371

Branchensprecher Harald Gölles ist Betriebsleiter des Thermalstrandbades Baden.

Hohe Energiekosten

„Ebenso ins Gewicht fallen die Energiekosten“, nennt der Branchensprecher ein weiteres Beispiel. Die Wasseraufbereitung, das Betreiben von Pumpen- und Filtersystemen sowie – je nach Ausstattung – die Beheizung der Becken würden laufend hohe Ausgaben verursachen. „Die sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, weiß der Experte.

Die Instandhaltung der gesamten Anlage, der Wasserverbrauch sowie behördliche Auflagen und Prüfungen verursachen ebenso Kosten für den Betreiber. Hingegen fallen Attraktionen wie Rutschen, Sprunganlagen oder Kinderbereiche eher bei der Anschaffung ins Gewicht. „Der Betrieb eines Freibads ist eine komplexe und kostenintensive Aufgabe, bei der viele Faktoren zusammenwirken“, fasst Gölles zusammen.

Um Pommes genießen zu können, braucht es ein gastronomisches Angebot. „Dieses spielt in Freibädern eine wesentliche Rolle; es trägt maßgeblich zur Attraktivität und Aufenthaltsqualität bei.“ Gölles weiß, dass für viele Besucher ein Eis, ein Getränk oder eine kleine Mahlzeit zu einem gelungenen Badetag dazugehören. Darüber hinaus können die Einnahmen aus der Gastro einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität leisten.

"Schwer kalkulierbar"

„Gleichzeitig ist es in den letzten Jahren spürbar schwieriger geworden, geeignete Betreiber für zu finden“, weiß der Bäder-Sprecher, dass die Anforderungen hoch sind: Saisonbetrieb, wetterabhängige Umsätze und teilweise kurze Öffnungszeiten. „Das macht das Geschäft wirtschaftlich schwer kalkulierbar.“ Kosten für Personal steigen, für Wareneinsatz und Energie ebenso. „Diese Kombination führt dazu, dass sich immer weniger Interessen für den Betrieb eines Freibad-Buffets finden.“

Sind private Pools eine Konkurrenz zu Freibädern? Nicht wirklich. Sie haben zwar das Freizeitverhalten vieler Menschen spürbar verändert, aber: „Ein eigener Gartenpool kann das klassische Freibad nicht ersetzen.“ Da führt Gölles etwa die sportliche Komponente an; aber auch die soziale: „Gerade für Jugendliche ist ein Freibad ein zentraler Treffpunkt, um Freunde zu sehen und Kontakte zu knüpfen.“

Sinnvolle Förderung

Die SPÖ forderte eine Landesförderung zur Absicherung und Modernisierung von Frei- und Sommerbädern. Würde eine solche Förderung helfen? Grundsätzlich sei jede Initiative zur Absicherung zu begrüßen.

Es zeige sich, dass viele Gemeinden vor großen finanziellen Herausforderungen stehen. „Eine gezielte Förderung auf Landesebene könnte hier unterstützend wirken. Vor allem, wenn es darum geht, dringend notwendige Sanierungen umzusetzen, die Energieeffizienz zu verbessern oder die Attraktivität der Anlage zu erhöhen. Aber: „Förderungen allein können strukturelle Herausforderungen nicht vollständig lösen.“

Kommentare