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Chronik Niederösterreich
01/18/2021

Brisanter Prüfbericht des Rechnungshofs zu den Festspielen Reichenau

Die Förderung der Festspiele Reichenau durch das Land wird äußerst kritisch unter die Lupe genommen. Vor allem die Firmenkonstruktion des Intendanten.

von Martin Gebhart

Es ist eine der üblichen Querschnittsprüfungen, die der Bundesrechnungshof regelmäßig durchführt. Diesmal hatte er sich die Kulturförderungen in Wien, NÖ und dem Burgenland vorgenommen. Mit mäßig spannendem Ergebnis, wenn da nicht auch ein Kapitel über die Festspiele Reichenau zu finden wäre. Und diese Textpassagen haben es in sich. Bis hin zur Anmerkung der Prüfer, dass das Land NÖ Förderungen zurückfordern – und auch nicht mehr fördern soll.

Wichtig für Tourismus

Der Rohbericht ist nicht öffentlich, wurde aber bereits den Mitgliedern der Landesregierung vorgelegt. Seither soll im Kulturbereich Feuer am Dach sein, wie man hört. Immerhin sind die Festspiele Reichenau zum erfolgreichsten Fixpunkt der Sommertheater in NÖ geworden. Wer nicht jenem Kulturverein angehört, der Haupteigentümer der Festspiele ist, hat kaum Chancen auf Theaterkarten. Zuletzt gab es 125 Vorstellungen, alle ausgebucht. Wobei fast ausschließlich Schauspieler aus der Josefstadt und dem Burgtheater zu sehen waren. Für Reichenau und das Semmeringgebiet sind die Festspiele im Sommer der entscheidende Tourismusfaktor.

Den Bundesrechnungshof dürfte das alles aber wenig beeindruckt haben, denn er nahm das Unternehmensgeflecht rund um die Festspiele kritisch unter die Lupe und zerpflückte es. Vor allem, dass alles bei einer Familie zusammenläuft. So ist Peter Loidolt, der Gründer der Festspiele, Obmann des Kulturvereins. Er ist auch Intendant der Festspiele, seine Frau die Geschäftsführerin. Weiters wurden zwei weitere Unternehmen gegründet, an deren Spitze ebenfalls das Ehepaar und deren Tochter stehen. In diese Unternehmen wurden Leistungen der Festspiele wie die Produktion der Bühnenstücke, das Engagement der Künstler oder die Marketingaktionen ausgelagert. Vom Land wurden die Festspiele etwa 2017 mit 462.000 Euro gefördert.

Die Beurteilung des Rechnungshofes dazu: „Insbesondere kritisierte der RH in diesem Förderfall die eingeschränkte Kontrollmöglichkeit, weil die Festspiele Reichenau GmbH zentrale Teile ihrer Leistungserbringung einem weiteren Unternehmen übertrug und damit die Transparenz der Mittelverwendung eingeschränkt war.“ Und: „Außerdem wies der RH kritisch darauf hin, dass Interessenskonflikte nach wie vor nicht ausgeschlossen waren, weil in der Festspiele Reichenau GmbH. und den zwei weiteren in Geschäftsbeziehung stehenden Unternehmen nahezu ausschließlich Personen Organfunktionen ausübten, die in einem engen familiären Verwandtschaftsverhältnis zueinanderstanden.“ Diesbezüglich hätte der Rechnungshof gerne mehr Vor-Ort-Kontrollen des Landes gesehen.

Brisante Empfehlungen

Das alles mündet in folgender brisanten Empfehlung: „Das Land NÖ sollte von einer weiteren Förderung an die Festspiele Reichenau GmbH absehen, weil die festgestellten Abläufe und Vertragsbeziehungen zwischen der Festspiele Reichenau GmbH und zwei weiteren Unternehmen sowie die Verwendung der Fördermittel durch die geförderte Festspiele Reichenau GmbH als vergaberechtswidrig, intransparent und unwirtschaftlich zu beurteilen waren sowie Interessenskonflikte aufgrund naher Verwandtschaftsverhältnisse in der festgestellten Unternehmenskonstruktion bislang ungelöst geblieben waren.“

Gleichzeitig rät man dem Land, die zuletzt gewährte Förderung von 462.000 Euro „soweit rückwirkend wie möglich zurückzufordern“, weil das Vergaberecht nicht eingehalten worden wäre.

Das Land NÖ soll mittlerweile seine Stellungnahme zu dem Rohbericht abgegeben haben. Wie zu erfahren war, soll dabei auf die Wichtigkeit der Festspiele Bezug genommen worden sein. Genauso will man sich aber die Kritik des Rechnungshofs ganz genau anschauen.

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