Brandanschlag auf E-Autos in NÖ: Video zeigt ein verdächtiges Detail
13 Elektro-Transporter wurden bei dem Brand zerstört.
Der Brandstifter kam mit dem Fahrrad, am Gepäckträger hatte er einen Kanister mit Benzin. Ein spektakulärer Anschlag im Jahr 2024 ist einer der wenigen Fälle, der den Brandermittlern des NÖ Landeskriminalamtes noch unter den Fingernägeln brennt.
Weil der Brandstifter zwei Jahre nach dem Inferno auf dem Areal eines Logistikunternehmens immer noch nicht gefasst ist, unternehmen die Ermittler einen neuen Anlauf zur Klärung.
Modus Operandi „bemerkenswert“
Ein bisher unbekannter Täter hat in der Nacht auf den 25. April 2024 in Eibesbrunn (Bezirk Mistelbach) mit einem Schlag das wichtigste Hab und Gut eines dort ansässigen Logistikunternehmens in Schutt und Asche gelegt. 13 zum Teil nagelneue Elektrotransporter für die Paketzustellung gingen lichterloh in Flammen auf und brannten aus. Der Schaden beträgt fast eine halbe Million Euro.
Nachdem die Kriminalisten in dem Fall auch zwei Jahre danach noch im Dunkeln tappen, werden Bevölkerung bzw. Zeugen um Mithilfe ersucht. Im Rahmen der Serie „Kalte Spuren“ wurde zuletzt auch im ORF-NÖ Videomaterial aus einer Überwachungskamera gezeigt. Die Aufnahmen zeigen den mutmaßlichen Täter vor und nach dem Brand auf einem Fahrrad in Tatortnähe. Der Modus Operandi in der Causa ist laut den Ermittlern durchaus „bemerkenswert“.
Der mutmaßliche Brandstifter wurde von einer Überwachungskamera mehrmals gefilmt.
Mit und ohne Kanister
Anhand der bisherigen Ermittlungen und der Zeitleiste aus den Überwachungsvideos ergibt sich für Chef-Brandermittler Markus Herndlbauer vom LKA und sein Team folgender Sachverhalt: Der unbekannte Radfahrer fuhr zunächst am 24. April 2024 gegen 22.17 Uhr mit einem Kanister am Gepäckträger in Richtung des abgelegenen Firmengeländes in Eibesbrunn.
Kurze Zeit später zeichnete die Überwachungskamera auf, wie der Verdächtige auf derselben Straße wieder seelenruhig retour radelte. Auffallend dabei ist, dass er am Rückweg den Kanister oder Behälter nicht mehr am Fahrrad dabei hatte, so die Kriminalisten.
Nur wenige Minuten später ist der Fahrradlenker wieder auf dem Überwachungsvideo zu sehen, als er erneut in Richtung Tatort radelt. Erst 1,5 Stunden später, etwa sechs Minuten nach Ausbruch des Brandes am Parkplatz des Logistikunternehmens, gibt es den nächsten Mitschnitt. Dieses Mal strampelt der Mann im Eilzugstempo von der Tatörtlichkeit in Richtung Ortschaft zurück. Er ist dabei auffallend schnell mit dem Fahrrad unterwegs, so Herndlbauer. Das Verhalten gleicht einer Flucht. Es ist mit den sonstigen Ermittlungsergebnissen gut in Einklang zu bringen.
13 Elektro-Transporter wurden bei dem Brand zerstört.
Benzin von der Tankstelle
Der Verdächtige hatte keine halben Sachen gemacht und große Mengen des Brandbeschleunigers über die Fahrzeuge geschüttet. Spätere Analysen im Labor ergaben, dass handelsüblicher Benzin verwendet wurde, um den Brand anzufachen. Das ist auch der Grund, weshalb die Feuerwehren bei den Löscharbeiten mehr oder weniger machtlos waren.
Was das Motiv des Täters anbelangt, können die Ermittler derzeit nur rätseln bzw. Kaffeesud lesen. War es ein Racheakt? Vielleicht das Werk eines geschassten Mitarbeiters?
13 Elektro-Transporter wurden bei dem Brand zerstört.
Kein Hinweis auf erzürnte Mitarbeiter
Die Firma, die für große Online-Händler Pakete und Postsendungen zustellt, hatte das weitläufige Areal bei Eibesbrunn erst kurze Zeit vor dem Brandanschlag gekauft und sich weit außerhalb der Ortschaft mit der Zustellbasis niedergelassen.
Befragungen aller Beteiligten haben bisher keinerlei Hinweise darauf ergeben, dass ein erzürnter Mitarbeiter oder jemand aus dem näheren Umfeld des Zustellbetriebes für den Brandanschlag infrage kommen könnte.
Für die Ermittler des Landeskriminalamtes kommen viele Motive für eine derartige Straftat infrage. Das Landeskriminalamt Niederösterreich wendet sich nun erneut mit einem Fahndungsersuchen an die Öffentlichkeit.
Späte Beichte?
Bei länger zurück liegenden Straftaten ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Täter mittlerweile sein Gewissen erleichtert und jemandem den Brandanschlag gebeichtet hat. Es sei auch schon vorgekommen, dass Kriminelle später mit ihren Taten geprahlt haben und so überführt wurden. Laut Herndlbauer kann jeder noch so kleine Hinweis einen Durchbruch bringen.
Sachdienliche Hinweise in der Causa werden vom Landeskriminalamt Niederösterreich unter der Nummer 059133-30-3333 entgegengenommen.
Kommentare