Chronik | Niederösterreich
03.09.2018

Bootsunglück: Mädchen wurden erst nach 15 Minuten vermisst

Opfer steckten mit angelegten Schwimmwesten unter dem gekenterten Boot. Die Familien bangen um die beiden jungen Frauen.

Ihr Interesse für eine Berufslaufbahn beim Heer wurde ihnen zum Verhängnis. Nach dem Bootsunglück im Rahmen des Girl’s Camp am Samstag auf der Donau in Hainburg (NÖ) hängen die Leben der 17-jährigen Sophie K. aus Wien und der 22-jährigen Natalie T. aus Niederösterreich am seidenen Faden.

Die jungen Frauen waren an Bord jenes Bundesheerbootes, dass Samstagvormittag im Rahmen des Rekrutierungstages kenterte und sank. „Es geht ihr nicht gut, sie kämpft derzeit um ihr Leben“, sagt die Mutter von Sophie K. im KURIER-Gespräch. Die Familie sei derzeit psychisch nicht in der Lage, die Tragödie in Worte zu fassen.

Entgegen anders lautender Erstmeldungen wurde laut dem Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, Friedrich Köhl, die Höchstpersonenanzahl auf dem Boot nicht überschritten. „Es ist für 14 Personen zugelassen und 13 waren an Bord“, so Köhl. Dabei handelt es sich um einen Unteroffizier als Steuermann, einen Bugmann, drei weitere Chargen des Heeres sowie acht Teilnehmerinnen des Camps.

Jede der jungen Frauen hatte vorschriftsmäßig eine Schwimmweste an. Genau das könnte den beiden Schwerverletzten zum Verhängnis geworden sein. Beim Kentern des Bootes stürzten die Passagiere großteils in die Donau. Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden Sophie K. und Natalie T. jedoch im Hohlraum des umgedrehten Bootes gefangen. „Entweder konnten sie wegen des Auftriebs der Schwimmwesten nicht heraustauchen oder sie sind irgendwo hängen geblieben“, erklärt ein Polizeiermittler.

Boot hochgehoben

In der allgemeinen Panik und Hektik nach dem Kentern blieb das Fehlen der beiden Mädchen zunächst unbemerkt. Es dauerte etwa eine 15 bis 20 Minuten, bis die Verantwortlichen des Heeres die Abgängigkeit der beiden Opfer bemerkten und Alarm schlugen.

Zu dem Zeitpunkt waren Feuerwehrleute des Katastrophenhilfszuges aus Neunkirchen, die in der Nähe eine Übung hatten, mit eigenen Booten zur Stelle. „Das Bundesheer-Boot lag gekentert an der Sandbank im Wasser und die erschöpften Personen saßen verteilt am Ufer“, schildert Feuerwehrmann Paul Pilshofer.

Als das Unglücksboot bereits mit einer Seilwinde gesichert war, hieß es, es fehlen noch Zwei. „Wir haben sofort das Boot aufgehoben. Die Mädchen waren tatsächlich darunter“, schildert Pilshofer. Zusammen mit seinen Kameraden leitete der Notfallsanitäter Erste Hilfe-Maßnahmen und die Reanimation ein.

Bei der ÖSWAG-Werft in Linz, die das Arbeitsboot für das Bundesheer entwickelte, sind keine Probleme mit dem Pionierboot bekannt. Die Type ist ausschließlich beim Heer im Einsatz.

Gegen den Bootsführer und Unteroffizier, Alexander Sch., wird wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung ermittelt.