Chronik | Niederösterreich
22.08.2018

Bluttat in Asylheim: Meißel war nicht die Tatwaffe

Der Anwalt des Tatverdächtigen Terry A. fordert volle Aufklärung. Opfer wurde zu Tode geprügelt.

Überraschende Wendung im Fall jenes Asylwerbers, der in der Nacht auf 3. Mai in der Asylunterkunft St. Gabriel einen 26-jährigen Mitbewohner getötet haben soll. Während die Ermittler nach der Bluttat davon ausgingen, dass ein Stahlmeißel als Tatwaffe infrage komme, schließt das der Obduktionsbericht des Gerichtsmediziners Wolfgang Denk aus.

Der 25-jährige Terry A. war am Tag nach der Tat auf einem Spielplatz festgenommen worden, als er mit dem blutigen 30 Zentimeter langen Meißel versucht haben soll, Kinder niederzuschlagen. Blutspuren an seinen Schuhen stammten vom Opfer.

Laut Gutachten ist Razib D. nach massiver, stumpfer Gewalteinwirkung im Hals-, Gesicht- und Brustbereich gestorben. Er erstickte aufgrund von Atem- und Hirnlähmung. Der Mann wurde zu Tode geprügelt. Als er am Boden lag, trat der Täter auf seinen Kopf ein. Der Gerichtsmediziner stellte sogar Schuhabdrücke im Gesicht des Toten fest.

„Das Obduktionsergebnis führt das bisherige Ermittlungsergebnis ad absurdum“, sagt nun A.’s Anwalt Wolfgang Blaschitz. „Der Stahlmeißel, den mein Mandant bei seiner Festnahme bei sich hatte, ist definitiv nicht das Tatwerkzeug. Es gibt keine unmittelbaren Tatzeugen. Daher gilt es nun, ganz genau zu klären, was in der Nacht vorgefallen ist“, fordert er. „Es könnte genauso gut jeder andere in der Einrichtung gewesen sein. Man weiß, dass dort viele Klienten mit psychischen Problemen untergebracht waren.“ Laut Blaschitz seien etwa die Schuhabdrücke am Opfer nicht mit A.’s Schuhen verglichen worden.

Nicht zurechnungsfähig

Bis dato hat der Nigerianer keine Aussage gemacht. A., der in der U-Haft einen Mithäftling attackiert haben soll, wurde als unzurechnungsfähig eingestuft. Ein Verfahren zur Unterbringung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher läuft. Derzeit wird A. im Spital psychiatrisch behandelt, was laut Blaschitz „eine absolute Notwendigkeit“ sei.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Sachlage anders. Es sei schon relativ früh klar gewesen, dass der Meißel nicht die Tatwaffe sei, sagt Sprecher Erich Habitzl. Es gebe außer den Blutspuren weitere Beweise, die A. belasten. „Aus unserer Sicht sind die Ermittlungen abgeschlossen.“

Schon vor der Tat ist A. aggressiv aufgefallen. So war der Mann, wie berichtet, aus der Unterkunft weggewiesen worden, weil er eine Auseinandersetzung mit anderen Flüchtlingen gehabt haben soll. In der Nacht soll er sich dann laut Ermittlungen eingeschlichen und Razib D. getötet haben.