Bewerbung: Taktik für die Wartezeit

Dass man nicht jeden Job bekommt, für den man sich bewirbt, ist okay. Aber eine Absage muss drin sein.

Noch vor der ersten Tasse Kaffee werden in der Früh die eMails abgerufen. Keine neue Nachricht. iPhone entriegeln - kein verpasster Anruf. Auch kein Brief im blechernen Briefkasten der Nummer zehn. Schon seit zwei Wochen geht das so. Seit zwei Wochen wartet Maria Konstantin auf eine Antwort - sie hat sich bei einem großen österreichischen Unternehmen als Logistik-Mitarbeiterin beworben. 14 Tage sind eine halbe Ewigkeit, wenn man auf eine Nachricht wartet.

Tatsache ist: Viele heimische Unternehmen beantworten Bewerbungsschreiben nicht. Das kränkt die Bewerber, entmutigt sie und bringt schlechte Nachrede für die Firmen. "Eine Bewerbung zu schicken und keine Antwort zu bekommen, ist wie einen Stein in einen tiefen Brunnen zu werfen und nie einen Aufprall zu hören", sagt Wanda Ledoldis, Laufbahn- und Karrierecoach beim AMS Wien. Also recht unbefriedigend. Doch wem die Schuld in die Schuhe schieben? Dem säumigen Personalverantwortlichen? Den Bewerbern, die sich nur marginal mit dem Unternehmen, für das sie sich farblos bewerben, auseinandersetzen? "Schwer zu sagen", sagt Ledoldis.

Nachholbedarf haben beide Seiten: "Jede Bewerbung verdient eine Antwort", sagt Lotte Gasser. "Viele bewerben sich tatsächlich unreflektiert und zu oft. Wenn ich in der Woche zehn bis 15 Bewerbungen wegschicke, dann kann da nichts Gscheites drin stehen", sagt Wanda Ledoldis.

20.000 Bewerber pro Jahr

Oberste Prämisse bei der Jobbewerbung ist, sich über das Unternehmen ausreichend zu informieren. Was viele offenbar nicht tun, wie das Beispiel Siemens zeigt: "Viele Bewerber machen sich die Mühe und schicken uns wunderschöne standardisierte Bewerbungsmappen", sagt Karl Lang, Leiter der Konzernpersonalentwicklung bei Siemens. Schöne Mappen sind bei Siemens immer von Vorteil, da Siemens ein eigenes Online-Jobportal hat. "Wir bitten die Bewerber dementsprechend sich über unser Karriereportal zu bewerben", sagt Lang.

Rund 20.000 Bewerbungen gehen pro Jahr bei Siemens Österreich ein. Ob der Flut wird hier auch - im Gegenteil zu vielen anderen Unternehmen - der europäisch standardisierte "Europass" einem bunten individualisierten Lebenslauf vorgezogen. "So kann man die Qualifikation am besten vergleichen", sagt Lang. Er versichert, dass jede Bewerbung bei Siemens eine Antwort erhält.

Tipps

Auch wenn Bewerbungen je nach Branche unterschiedlichen Ansprüchen genügen müssen, gibt es einige Grundregeln:
-Auf das Inserat eingehen "Das Inserat steht im Mittelpunkt. Ich muss die Frage, die gestellt wird beantworten und mir überlegen, wer meine Zielgruppe und meine Kunden sind", sagt Ledoldis. Bei einer Initiativbewerbung rät sie, im Vorhinein anzurufen und sich erkundigen, wo die Bewerbung hingeschickt werden kann.

- Gründlich recherchieren
Die Branche und das Unternehmen gründlich recherchieren. Über ehemalige Kolleginnen, Freunde, Personaler Informationen über den Mitbewerb einholen.

-Keinen Seelenstriptease "Viele Bewerbungen haben den Charakter eines Offenbarungseides. Nicht vergessen, dass in dem Wort Bewerbung ,Werbung' drinsteckt", sagt Ledoldis.

-Hobbys "Wenn man möchte, kann man sie angeben. Dann sollten sie auch stimmen. Aber es gibt auch so etwas wie ein Privatleben", sagt Ledoldis. Gefährliche Sportarten, außer man bewirbt sich bei Red Bull, sollten laut Ledoldis nicht angegeben werden.

-Motivationsschreiben Nicht länger als eine Seite, die Identifikation mit der Firma ersichtlich machen.


- Nachfragen
Wanda Ledoldis rät bereits in die Bewerbung zu schreiben: "Ich werde mir erlauben, Sie in 14 Tagen zu kontaktieren."

- Feedback einholen Bei Absagen, den Grund dafür erfragen. Man könnte es laut Ledoldis so formulieren: "Ich hätte gerne Feedback, weil ich mich in der Branche wieder bewerben werde. Haben Sie Tipps für mich?"

- Layout Gut lesbare Schrift verwenden. Nicht zu bunt werden. Ein Farbfoto sollte am Lebenslauf sein. Zu Hause einen Probedruck machen.

-Wortwahl Synonyme verwenden und nicht die Worte aus dem Inserat wiederholen.

53 Prozent antworten nicht
Ist da jemand?
Im Zuge der Studie Career's Best Recruiters wurden 2000 Initiativbewerbungen an 500 österreichische Top-Arbeitgeber verschickt. Mit 945 Antworten (rund 47 Prozent) erhielten weniger als die Hälfte innerhalb der Frist (72 Stunden für Antworten per eMail und 14 Werktage für Antworten per Post) eine Antwort. Trudelt eine Antwort ein, ist diese nur zu 27 Prozent individuell gestaltet, die restlichen 20 Prozent sind standardisiert.

Unterschiede
Ob Frau oder Mann, akademische Ausbildung oder Lehrabschluss - alle werden gleich schlecht behandelt. Wobei immerhin 55 Prozent der Arbeitgeber auf eine Initiativbewerbung eines Jugendlichen für eine Lehrstelle geantwortet haben.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011