Bauern am Rande des Abgrunds

Walter Ernstbrunner aus Langschlag ist einer von vielen Betroffenen
Die Abschaffung der Ökopunkte-Förderaktion treibt viele Landwirte finanziell in die Enge.

Strahlend blauer Himmel über Kainrathschlag in der Gemeinde Langschlag, Bezirk Zwettl. Walter Ernstbrunner empfängt in einem der vielen gepflegten Bauernhöfe, die abgesicherten Wohlstand vermuten lassen. Die Fassade makellos, das Wohnhaus gemütlich, der Stall neu und hell. Doch das Bild täuscht. "Wir können uns die Kreditrückzahlungen für den neuen Freilaufstall nicht mehr leisten. Aber ich will kein Mitleid. Will nur zeigen, wie es vielen von uns geht", sagt Ernstbrunner leise, stützt seinen Kopf nachdenklich auf die kräftigen Hände.

Der 51-Jährige ist einer von rund 6500 Bauern in NÖ, die die Abschaffung des Ökopunkte-Programmes Ende 2014 hart trifft.

Ernstbrunner war nie ein Zocker. Das Verbot der Anbindehaltung erzwang den Stallneubau. Seine Entscheidung zum Kredit ist nach intensiven Beratungen durch Landwirtschaftskammer und Bank gefallen. "Als der Stall für 30 Kühe und die Milchproduktion 2011 fertig war, haben wir zum Hoffest eingeladen. So stolz bin ich im Stall gestanden, habe hunderten Besuchern erzählt, dass wir es schaffen werden", berichtet er mit feuchten Augen.

Erst im Frühsommer 2014 war klar, dass das Land NÖ eine Förderaktion nach 20 Jahren einstellen würde: Über sogenannte Ökopunkte erhielten Bauern in Ungunstlagen bisher Ausgleichszahlungen für die Erhaltung der Kulturlandschaft. Für Verzicht auf sensible Flächen, intensive Bewirtschaftung und Düngung. In Langschlag haben knapp 80 Prozent der Bauern den Weg gewählt, erzählt Anton Schwarzinger, der viele Kollegen dafür begeisterte. Doch plötzlich ist Landschaftspflege viel weniger wert.

Ferdinand Lembacher von der nö. Landeslandwirtschaftskammer sind die Einschnitte für Bauern bewusst. Er erklärt, wie es zum Ende der Aktion kam: "Die rechtlichen Rahmenbedingen haben sich geändert. Bestimmungen im Hinblick auf Fruchtfolge, Pflanzenschutz etc. wurden deutlich strenger. Wesentliche Teile der Ökopunktemaßnahme wurden in andere ÖPUL-Maßnahmen überführt und können dort beantragt werden. Zum Beispiel Pflege und der Erhalt von Landschaftselementen. Prinzipiell akzeptiert die EU, die 50 Prozent der Agrarumweltmaßnahmen zahlte, aber nur Prämien für Ertragseinbußen oder zusätzlichen Aufwand. Für die Schonung ohnehin geschützter Flächen oder Einhaltung gesetzlicher Standards kann es keine Prämien geben."

Budget

Die 8000 Euro Ökopunkteförderung hielten das Jahresbudget seines Hofes in Balance. Jetzt fallen sie großteils weg. "Uns ist erst langsam klar geworden, dass es sich finanziell nicht ausgeht. Obwohl meine Frau Vollzeit arbeiten geht, werden wir Wald verkaufen müssen. Das ist bitter. Manchmal wirkt die Situation ausweglos", erzählt Ernstbrunner.

Fehlen wird das Geld auch dem Baugewerbe, Tankstellen, Landmaschinen- und Saatguthändlern.

Für die Gemeinde sind die Konsequenzen unabsehbar. Vizebürgermeister Andreas Maringer fürchtet, dass Höfe aufgegeben werden, Wiesen und Äcker verwalden, Kulturlandschaft verschwindet.

"Wir schauen auf die Landschaft, kümmern uns um das Wohl der Tiere, erzeugen gesunde Nahrungsmittel. Aber im Endeffekt wird auf uns Bauern vergessen", sagt Ernstbrunner. Er kann sich nicht vorstellen, dass Kinder zukünftig elterliche Höfe unter solchen Bedingungen übernehmen. Seine werden es nicht tun.

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