"Baby-Gangster": Nächste Schutzzone in NÖ an der Südbahn
Polizisten kontrollieren die Ausweise von Jugendlichen.
St. Pölten hat sie, Wiener Neustadt, Mödling und Baden ebenso: Was die teils ausufernde Jugendkriminalität anbelangt, versuchen Städte und Gemeinden dem Treiben mit polizeilichen Schutzzonen besser Herr zu werden.
Der Wiener Neustädter Bahnhof und seine Umgebung gelten beispielsweise als der neuralgischste Punkt Niederösterreichs. So schätzt es die Polizei-Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Jugendkriminalität (EJK) ein.
Verkehrsknotenpunkt
Durch die vielen Schutzzonen entlang der Südbahn dürfte aber ein gewisser Verdrängungseffekt eingesetzt haben. Deshalb hat nun die nächste Gemeinde eine neue Schutzzone verhängt. Am 15. Jänner tritt sie in Kraft.
Die Marktgemeinde Felixdorf gilt als wichtiger Verkehrsknotenpunkt an der Südbahn. Rund um den Bahnhof haben in den vergangenen Monaten die strafrechtlich relevanten Delikte deutlich zugenommen, heißt es.
Sicherheitspolizeigesetz
Deshalb hat man "zur Erhöhung der öffentlichen Sicherheit und zur Prävention strafbarer Handlungen für den Bahnhof Felixdorf und dessen unmittelbares Umfeld eine Schutzzone gemäß § 36a Sicherheitspolizeigesetz (SPG) eingerichtet", gab die Marktgemeinde am Montag dazu bekannt.
Bürgermeister Andreas Hueber (SPÖ) und Amtsleiter Andreas Jagschitz waren in der Causa bei Bezirkshauptmann Markus Sauer eingeladen, um über die Problematik der steigenden Kriminalität in Felixdorf zu sprechen.
Bgm. Andreas Hueber (re.) (SPÖ) und Amtsleiter Andreas Jagschitz (li.) bei Bezirkshauptmann Markus Sauer
Drogen, Diebstahl, Raub
Wie Bezirkspolizeikommandant Johannes Prennsberger im Gespräch mit dem KURIER bestätigt, habe die Polizei die Schutzzone auf Grund der Entwicklung der vergangenen Monate angeregt. Die Exekutive habe damit eine bessere Handhabe, gegen bekannte Störenfriede und Kleinkriminelle mit Betretungsverboten vorzugehen.
Wie Prennsberger erklärt, habe man zuletzt mit Jugendbanden zu tun gehabt, die sich Felixdorf (4.500 Einwohner) ganz bewusst als Treffpunkt ausgesucht haben. Bei Einvernahmen sei immer wieder zum Gespräch gekommen, dass die Kleinkriminellen auf Grund der Schutzzonen in anderen Städten auf Felixdorf "ausweichen". Die Palette der Delikte reicht von Sachbeschädigungen, über Drogenhandel, Körperverletzung bis hin zu Diebstahl und sogar Raub.
Verordnung der Schutzzone in Wiener Neustadt
Im Dezember hatte eine Jugendbande serienweise Autos in Felixdorf aufgebrochen und Fahrzeuge gestohlen
Jugendliche aus Krisenzentren
Im Dezember hatte eine Gruppe von sechs Jugendlichen im Alter zwischen elf und 14 Jahren serienweise Autos in Felixdorf aufgebrochen. Das Landeskriminalamt Niederösterreich ermittelt seit Ende November gegen die Gruppe.
Die Mitglieder sind in Wien zum Teil in Krisenzentren wohnhafte Jugendliche aus Rumänien, Polen, den Niederlanden, Österreich und Belarus. Sie wurden Ende Dezember beim Versuch, in Sollenau (Bezirk Wiener Neustadt) in einen Pkw einzubrechen, erwischt. Die Bande soll in Traiskirchen und Leobersdorf (jeweils Bezirk Baden) sowie in Wilfleinsdorf (Bezirk Bruck an der Leitha) zumindest sechs Fahrzeuge gestohlen bzw. unbefugt in Gebrauch genommen haben.
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