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Chronik Niederösterreich
12/05/2011

Ausbrecher wurde durch Zufall gefasst

Nach der filmreifen Flucht aus der Justizanstalt Hirtenberg ist nur noch einer der vier Insassen auf der Flucht.

Es war einer der spektakulärsten Gefängnisausbrüche des Landes. Vier Insassen der Justizanstalt Hirtenberg haben in wochenlanger Arbeit ein Loch in die 40 Zentimeter dicke Außenmauer der Anstalt gestemmt. Am 7. Oktober konnten sie durch diese kleine Öffnung flüchten. Während zwei Häftlinge nur wenige Minuten nach dem Ausbruch wieder geschnappt wurden, tauchten die beiden übrigen Straftäter unter. Einer von ihnen wurde Donnerstagabend in Wien gefasst.

Der 32-jährige serbische Staatsbürger Ivan D. war aus seiner Sicht einfach "zur falschen Zeit am falschen Ort", sagt Regina Steyrer von der Wiener Polizei zur Festnahme des Flüchtigen. Denn der 32-Jährige ist von der Polizei keineswegs gezielt ausgeforscht worden.

Weil ein leer stehendes Haus in der Kaiserstraße in Wien-Neubau oft von Obdachslosen frequentiert wird, zeigt die Polizei dort verstärkt Präsenz. So auch am Donnerstagabend. Zufällig spazierte just zu dieser Zeit auch Ivan D. die Kaiserstraße hinunter und geriet in die Routinekontrolle.

Falscher Pass

"Der Mann hatte zwar einen Pass, allerdings verstrickte er sich in zahlreiche Widersprüche und wurde deshalb genauer kontrolliert", sagt Steyrer. In der Einvernahme stellten die Beamten dann fest, dass es sich bei dem Angehaltenen um den gesuchten Ausbrecher handelte. Der Pass stellte sich als gefälscht heraus.

Der 32-Jährige wurde in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert. Voraussichtlich am Montag wird er für weitere Einvernahmen nach Hirtenberg überstellt. "Wir sind sehr interessiert an seiner Darstellung über den Ausbruch", sagt Peter Prechtl von der Vollzugsdirektion. Ob der Serbe in Hirtenberg inhaftiert bleiben wird, ist noch nicht entschieden.

Noch keine näheren Hinweise gibt es hingegen zum Aufenthaltsort des letzten Flüchtigen: Der 38-jährige kroatische Staatsbürger Marijo S. ist international zur Fahndung ausgeschrieben. Er wird ebenso wie die drei anderen an der Flucht Beteiligten nicht als gefährlich eingestuft. Die Männer wurden wegen Einbruchs- und Suchtgiftdelikten verurteilt.