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Chronik Niederösterreich
10/19/2020

Ausbau von Radwegen gefordert, um Platzprobleme zu vermeiden

Der Boom beim Radfahren setzt sich auch im Herbst weiter fort.

von Theresa Bittermann

Abstand ist in Zeiten von Corona die Devise im Alltag. Auf den Radwegen hat man dieser Tage aber manchmal nicht die Wahl – vor allem weil dort deutlich mehr los ist als üblich. Schon im Frühjahr war zu bemerken, dass sich Fahrrad größerer Beliebtheit erfreute als in den Vorjahren. Und auch in den kommenden Monaten rechnet der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) nun mit neuen Rekordwerten im Radverkehr. Wird die Infrastruktur nicht ausgebaut, könnten daher Platzprobleme drohen, so die Kritik.

Im heurigen September waren in Wien mit fast 1,1 Millionen um rund 200.000 mehr Radfahrende unterwegs als im September 2019 und sogar mehr als im Juli des Vorjahres, sagen die Daten des VCÖ. Aber nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich erlebt das Fahrrad einen Boom, erzählt auch Jürgen Brettschneider, Vizepräsident des österreichischen Radsportverbandes.

Weniger Öffi-Fahrgäste

Gleichzeitig sind die Zahlen in anderen Verkehrsbereichen immer noch niedriger als üblich. Die Wiener Linien und auch der Verkehrsverbund Ostregion (VOR) haben momentan um ein Fünftel weniger Fahrgäste, teilten die jeweiligen Sprecher auf KURIER-Anfrage mit. Nichts jedoch im Vergleich zum Frühjahr, wo es um 80 Prozent weniger Öffi-Nutzer bei beiden Anbietern gab. Die Gründe dafür seien vielfältig, heißt es, Veränderungen im Alltag durch Corona hätten dabei eine besondere Rolle gespielt.

Im Lockdown gab es weniger Möglichkeiten, Sport zu machen, außerdem sei es für Radfahrer in dieser Zeit um einiges entspannter gewesen als üblich, weil weniger Autos unterwegs waren, so die Analyse des VCÖ. „Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und viele Menschen im Homeoffice sind zum Beispiel Gründe für weniger Fahrgäste“, so der Wiener-Linien-Sprecher.

Durch Homeoffice und Co dürften nun aber einige längerfristig auf den Geschmack gekommen sein, zu radeln. Das zeigen laut VCÖ zumindest Umfragen: Vom Auto aufs Rad Umgestiegene hätten demnach nicht nur Spaß daran, in die Pedale zu treten, sie sollen auch bemerkt haben, dass sie so schneller am Ziel sind.

Hält dieser Trend zum Radfahren an, könnte es bald tatsächlich zu wenig Platz und damit ein Problem geben. „Viele Leute haben Radfahren jetzt richtig lieben gelernt und sind es gewohnt. Wenn das so weiter geht, haben wir im Frühling zu wenig Platz auf den Radwegen. Radfahrer weichen dann auf andere Bereiche aus und Probleme mit Autos oder auch Fußgängern sind dann die Folge“, mutmaßt Werner Madlencnik von der Radfahrschule Easy Drivers. Brettschneider vom Radsportverband ist derselben Meinung: „Es muss genug Radwege geben, dann bewegen sich die Radfahrenden auch dort und Probleme werden vermieden.“

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