Chronik | Niederösterreich
07.11.2017

Auch Tiere lieben reiche Weinernte

Fressschäden steigen für betroffene Winzer mit der Qualität und dem Kilopreis der Trauben.

Einen wunderbaren Jahrgang verspricht die weitgehend abgeschlossene Weinlese in Niederösterreich. Wenn man von begrenzten Gebieten absieht, in denen es Trocken- oder Frostschäden gibt, sind viele Winzer hochzufrieden mit der Qualität ihrer Trauben. Allerdings ist heuer für einige ein Problem dazugekommen, das sie in diesem Maß bisher kaum erlebt haben: Der Appetit von Wildtieren.

Seit wenigen Jahren machen sich in Niederösterreich Schwärme von Staren verstärkt bemerkbar, die ihren Appetit in Weingärten stillen. Im Gegensatz zu burgenländischen Winzern sind die niederösterreichischen Kollegen auf diese Konkurrenz kaum vorbereitet. Aber auch die von Rehen verursachten Wildschäden nehmen in jüngster Zeit merkbar zu.

"Die Stare breiten sich in Niederösterreich eindeutig aus", erzählt Hans Setzer, Vorsitzender der regionalen Weinkomitees Weinviertel. "Ich kann mich in den vergangenen 40 Jahren nicht erinnern, dass es jemals größere Probleme mit Staren gegeben hätte. Aber vor drei Jahren ist es im Weinviertel damit losgegangen", meint der Winzer. Er sei selbst betroffen. "Innerhalb von 24 Stunden kann ein Schwarm Stare in einem Weingarten einen Schaden von 80 Prozent anrichten", berichtet er. So gründlich seien die hungrigen Vögel.

Wie man damit umgehen soll? "Da werden wir wohl Hilfe von den erfahreneren Burgenländern brauchen", meint er.

Rehfraß

Das Problem beim Schaden durch Tiere: Bei der gleichen Menge gefressener Trauben ist der materielle Schaden heute deutlich höher als in der Vergangenheit. "Der Kilopreis der Trauben ist höher. Außerdem sind besonders Lagenweine bedroht, die man länger hängen lässt und deren Trauben besonders teuer sind", erläutert Setzer. Das gilt auch für von Rehen verursachte Wildschäden. Wohl auch deshalb kommt es in jüngerer Zeit häufiger zu Rechtsstreitigkeiten zwischen Winzern und Jägern.

"Früher hat man sich zusammengesetzt und sich geeinigt. Aber wenn ein Jagdpächter gar kein Einsehen hat, bleibt nichts anders übrig, als vor Gericht zu gehen", erzählt der Langenloiser Weinbau-Obmann Erich Kroneder aus Langenlois, der so einen Prozess kürzlich klar gewonnen hat. In seiner Heimatstadt haben Rehe auch in diesem Herbst einige Weingärten sorgfältig von jeder Beere befreit.

Dass Jagdreviere wegen der teuren Wildschäden nicht mehr verpachtet werden, fürchtet aber kaum jemand: "Irgendein Wiener mit viel Geld findet sich immer, wenn örtliche Jäger auslassen", meinen Winzer. Ohne Revier fällt für die Jäger aus ihre Sicht auch ein ganz spezielles Druckmittel weg: Die Bejagungsverpflichtung: Wird ein Revier nicht mehr verpachtet, sind die Grundbesitzer selbst für die Bejagung des Wildes verantwortlich. Diese Leistung müssten sie in so einem Fall zukaufen – und Jäger bezahlen, von denen sie bisher Pacht kassiert haben.