Chronik | Niederösterreich
14.06.2018

Auch Österreicher bekamen dubiose Post von Erdogan

Niederösterreicherin ohne jeglichen Bezug zur Türkei wundert sich über Wahlkampf-Brief aus Ankara

Die Causa um die Erdogan-Briefe, die an Wiener Schulen geschickt wurden, ist um eine skurrile Facette reicher: Das Wahlkampf-Schreiben in dem das Wirken der türkischen Regierung gerühmt wird, wurde auch an Personen geschickt, die keine türkische Staatsbürgerschaft haben und keinerlei Bezug zur Türkei haben. So etwa Andrea T. (Name geändert) aus Weigelsdorf in Niederösterreich. Adressat des Briefes, der an ihre Anschrift geschickt wurde, ist „Sahin“, was ein gängiger türkischer Familienname ist. Allerdings lebte niemals an ihrer Adresse eine Person dieses Namens. „Wir haben das Haus vor 19 Jahren gekauft. Ich war in meinem Leben noch nie in der Türkei“, sagt Frau T., auch der Vorbesitzer hätte keinen Bezug zur Türkei gehabt. Offenbar kein Einzelfall: Auch Frau T.‘s Schwester, die in Wien lebt, habe den Brief bekommen. T. nimmt es gelassen: "Dre Brief tut mit nicht weh. Er wird halt im Altpapier landen."

Wer hinter der Aktion steht und wie es zu der fehlerhaften Verknüpfung von Namen und Adressen kommt, ist weiterhin unklar. Wie berichtet tragen die Briefe, die auch an mindestens 20 türkischen Schülern an vier Wiener Schulen geschickt wurden, den Stempel des Briefzentrums Salzburg. Experten der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gehen davon aus, dass es sich bei den vermeintlichen Schreiben aus dem AKP-Büro in Ankara um eine Fälschung handeln könnte. Denn der Briefkopf ist deutlich anders verfasst als dies bei offiziellen Schreiben aus der Türkei üblich ist.