Brandstiftung während der Messe

Feuer in drei Kirchen: Gläubige flüchteten vor den Flammen. Es gibt eine Prämie von 5000 Euro für Hinweise.

Ein Bild aus dem Innenraum der Klosterkirche. Der zerstörte Beichtstuhl und abgebrannte Sitzbänke. Die Einsatzkräfte bei der Arbeit.

Kirchgänger mit versteinerten und fassungslosen Gesichtern standen in Scharen vor den Kirchen in der Amstettener Innenstadt. Einsatzfahrzeuge von Polizei und Feuerwehr säumten die Gotteshäuser. Am Morgen des vierten Adventsonntags, einen Tag vor dem Heiligen Abend, hatten unbekannte Täter in drei Amstettener Gotteshäusern Feuer gelegt.

„Es ist ein Wahnsinn, unsere Kirchen wurden angezündet“, war er sonst so abgeklärte und freundliche Stadtpfarrer Peter Bösendorfer geschockt. In der Klosterkirche des Ordens der Franziskaner-Schulschwestern hatte der Pfarrer gerade erschüttert eine qualmende Brandstätte besichtigt. In seiner benachbarten Stadtpfarrkirche war die Erntedankkrone angezündet worden. Und ungefähr zur selben Zeit versuchten Brandstifter im anderen Stadtteil, im Foyer der Herz- Jesu-Kirche ein Zeitschriftenregal zum Brennen zu bringen. Während der Brandstiftung wurde in der Kirche die Sonntagsmesse gefeiert.

Es bot sich ein dramatisches Bild, als die Gläubigen in einer Kolonne von der verrauchten Stadtpfarrkirche zur Messfeier ins Pfarrheim übersiedelten.

Der Schaden in der Klosterkirche ist enorm. Ausgehend von einem Beichtstuhl griff das Feuer im Seitenschiff auf sechs hölzerne Bankreihen und auf die Holzdecke über. „Als wir zum Brandort kamen, schlugen Feuerzungen aus den Fenstern. Zwei Löschtrupps hatten den Brand in wenigen Minuten gelöscht“, schilderte Amstettens Feuerwehrkommandant Armin Blutsch. Rund 100 Mann von fünf Feuerwehren waren eingesetzt.

Großer Schaden

Die aus dem Jahr 1898 stammende Kirche ist durch Brand- und Rußschäden schwer beschädigt. „Was sind das für Weihnachten? Trotzdem bin froh, dass niemand verletzt wurde“, sagte Generaloberin Franziska Bruckner und rätselte, wer zu so einer Tat fähig sein kann.

Während zur Vorsicht Polizeiposten vor allen Amstettener Kirchen postiert wurden, war den Kriminalisten rasch klar, dass Brandstifter am Werk waren. „Es sind keine Drohungen oder Ankündigungen eingegangen“, schilderte Erich Rosenbaum vom NÖ Landeskriminalamt (LKA).

… Foto: polizei Erste Zeugenbefragungen brachten die Beschreibung eines möglichen Verdächtigen, der einen alkoholisierten Eindruck machte: Um die 25 Jahre 1,75 m groß, sportlich, dunkle kurze Haare, schwarze Daunenjacke, Skater-Jeans, weiße Turnschuhe. Der Gesuchte wurde von drei Zeugen an zwei Schauplätzen beobachtet. Mittels Phantombild hofft die Polizei auf Hinweise ( 059 133/ 30 3333).

Prämie

Die kriminelle Aktion, so knapp vor Weihnachten, schlug hohe Wellen. Für Hinweise, die zur Ergreifung der oder des Täters führen, lobte Landespolizeidirektor Franz Prucher 5000 Euro aus. Die Polizei steht im Großeinsatz. Beamte des LKA wurden von Kollegen des Bundeskriminalamts verstärkt. Das Landesamt für Verfassungsschutz begleitet die Fahndung. Ein Polit-Hintergrund sei aber nicht bekannt, betonte Rosenbaum. So auch der Sprecher der Diözese St. Pölten, Eduard Habsburg-Lothringen: „Wir denken, dass es ein Einzeltäter, wie beim Brand im Wiener Neustädter Dom, sein könnte“.

Denkwürdige Situation – trotz der Weihnachtsfeiertage forderte die Polizei die Pfarrer der Region auf, außerhalb der Messzeiten die Kirchen zu versperren.

(Kurier) Erstellt am
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