Kirche in NÖ verkauft: Jedermann Philipp Hochmair ersetzt das Vaterunser
Philipp Hochmair performt in Hirschwang „Jedermann an der Rax“.
Seine Zeit als Ministrant in Wien-Ottakring hat Jedermann Philipp Hochmair künstlerisch „stark geprägt“. Den Altar hat er damals schon als "eine Art Bühne" gesehen, wie er im KURIER-Interview erzählte. Es könnte nicht passender sein, dass ausgerechnet eine Kirche Hochmairs nächster Schauplatz für ein besonderes Bühnenspektakel ist.
Weil sich Gläubige nur mehr selten und in äußerst geringer Zahl in die Pfarrkirche in Hirschwang am Fuße der Rax (Bezirk Neunkirchen) verirrten, wurde das Gotteshaus verkauft. Die Gemeinde hatte in den vergangenen Jahrzehnten einen deutlichen Strukturwandel erlebt – die Mayr-Melnhof Kartonfabrik, das Sägewerk und Gasthäuser sperrten zu.
Die Kirche in Hirschwang wurde ohne sakrale Gegenstände verkauft. Auch der Altar wurde entfernt.
Ort ist verwaist
Früher lebten rund 1.800 Menschen in Hirschwang, heute sind es nur noch 300. Mehr als ein Jahr lang hat die Erzdiözese Wien deshalb nach einem Käufer für die Kirche samt Pfarrhaus gesucht. Anfang des Jahres war es dann so weit. Das Konzept, das Gotteshaus zu einer zeitgenössischen Kultur- und Eventlocation und einer Theaterbühne zu machen, hatte die Diözese überzeugt. Deshalb ging der Zuschlag an die in Wien ansässige CityLoftArt GmbH.
Der Sonderprojektentwickler hat sich im Kulturbereich unter anderem durch die Expedithalle in der Ankerbrotfabrik in Wien bereits einen Namen gemacht. Mit einem umfangreichen Kulturangebot und Happenings in der Anker-Expedithalle hat CityLoftArt als Veranstalter ein kulturelles Ausrufezeichen gesetzt.
Die Halle, die 1912 errichtet wurde, galt damals als einer der größten säulenfreien Räume Europas. In der umgebauten Eventlocation gastieren seit 17 Jahren Opern- und Theaterproduktionen sowie Ausstellungen. Auch die Wiener Festwochen wurden an der Adresse bereits ausgetragen. Die Nähe zu Reichenau an der Rax und den dortigen Festspielen sowie zu den historischen Kulturschauplätzen am Semmering sind für Geschäftsführer Walter Asmus und die künstlerische Leiterin, Maria Rennhofer, ein guter Nährboden.
Künstler Hannes Mlenek hat den Kirchturm mit dem „Pointing Finger“ gestaltet. Das Werk markiert die neue Nutzung der ehemaligen Kirche als Schauplatz für Kultur.
CityLoftArt sieht in dem Standort viel Potenzial. Die Kirche wurde zu einer Eventlocation umgebaut, der Altar und alle sakralen Gegenstände entfernt.
Zur Eröffnung am 27. Juni heißt es „nicht kleckern, sondern klotzen“. Mit Philipp Hochmair konnte ein Publikumsliebling und „energiesprühender Theaterrebell“ für den Start gewonnen werden. Hochmair, der auch heuer als Jedermann bei den Salzburger Festspielen auf der Bühne steht, hat Hugo von Hofmannsthals zeitlosen Text remixed. Zusammen mit dem Avantgardemusiker Kurt Razelli performt Hochmair seine für Hirschwang adaptierte Show „Jedermann an der Rax“.
Abseits des Mainstreams
Asmus und Rennhofer verfolgen einen klaren Plan, was die Ausrichtung anbelangt. Mit aktueller bildender und szenischer Kunst, Musik, Performance, Tanz und Literatur will man eine Publikumsschicht abseits des Mainstreams ansprechen. Mit diesem Konzept habe man bereits die Ankerbrotfabrik in Wien als Eventlocation entwickelt und erfolgreich bespielt. Das Konzept von RaxworX soll die bestehende Kulturregion zwischen Semmering, Rax und Schneeberg „um eine zeitgenössische Facette bereichern und ein vielseitig interessiertes Publikum jeden Alters ansprechen“, so die Verantwortlichen.
Das erhofft man sich auch vom nächsten Termin am 3. Juli. Mit Eva Petrič kommt eine international tätige Multimediakünstlerin in die frühere Kirche. In ihrer Live-Performance „Holes in Light“ setzt sie sich mit den Spuren auseinander, die die Menschheit auf der Erde hinterlässt – zu sehen auch in ihrer Rauminstallation „I didn’t promise you a fourth sun“.
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