Chronik | Niederösterreich
14.07.2018

Großes Fest in Krems: „Alles Marille“ färbt alles Apricot

Schmankerl rund um die Marille sind bei dem Fest begehrt / eine Wachauer Tourismus-Abgabe lehnt Bohuslav ab.

Bei einem liebevoll dekorierten Verkaufsstand gibt es die beliebte süße Frucht in Form von flüssig-hochprozentigen Erzeugnissen, gleich daneben werden hausgemachte Marmeladen verkauft. Die längste Menschenschlange bildet sich allerdings dort, wo es die frischen Marillenknödel zu kaufen gibt. Zwischen Südtiroler Platz und Simandlbrunnen in Krems dreht sich seit Freitag alles um die Wachauer Marille.

Bis zu 30.000 Besucher erwartet Ulf Elser, Obmann der Kremser Kaufmannschaft, beim diesjährigen Fest, das bis morgen, Sonntag, stattfindet. Mit großem Aufwand bereitete man zahlreiche Spezialitäten-Stände in der mit Apricot-farbigen Ballons geschmückten Fußgängerzone vor.

Jungbrunnen

Marillenschmankerl und Apricot-Farbene Ballons in der Innenstadt. © Bild: Weisbier Gilbert

Bei der Eröffnungsfeier Freitagmittag pries Wirtschaftslandesrätin Petra Bohuslav (ÖVP) die Vorzüge der Marille: „Im einem Tal der ewigen Jugend im Himalaja ernähren sich die Bewohner hauptsächlich von Marillenprodukten und werden häufig über hundert Jahre alt“. Stadtchef Reinhard Resch ( SPÖ) und Landesrat Franz Schnabl (SPÖ) zeigten ihre Zustimmung mit kräftigem Applaus.

Die tausenden Festgäste konnten den Anschnitt des Kuchens kaum erwarten und umdrängten die Konditoren bereits beim Aufbau der Kremser Rekord-Mehlspeise. Andere laben sich an Marillenkuchen, Schnäpsen und Likören, kaufen Marmelade oder Marillenseife ein.

Daniela Haider-Gebharter aus Eggern im Bezirk Gmünd genießt das „Fest in Apricot“. „Wir haben schon den Marillenschaumkuchen probiert, der ist sehr gut. Und am Nachmittag werden wir noch die Marillenknödel kosten.“ Aus ihrer Sicht unterscheidet sich das Aroma der Original Wachauer Marille von anderen deutlich. „Man schmeckt das sogar aus der Marmelade heraus“, sagt sie.

Franz und Sieglinde Hofmeister aus Bad Abbach bei Regensburg (Bayern) sind extra wegen des Fests angereist: „ Das Fest ist wunderbar, wir haben nur festgestellt, dass es schwer ist, Marillen zu bekommen, weil die Nachfrage anscheinend sehr hoch ist.“

Towa und Asher Fleischmann aus Jerusalem sind mit einer Reisegruppe unterwegs und genießen das Fest, in das sie zufällig hinein geraten sind: „Wir sind mit dem Schiff da. Alles schmeckt wunderbar und die Leute sind so freundlich hier.“

Karin Maurer aus dem Bezirk Tulln lässt auch ihr kleines Töchterchen Antonia die Marillenknödel kosten und meint: „Das Fest ist süß, eine gute Idee.“

Debatte um "Welterbe-Abgabe"

Im Rahmen des Festes diskutierte man auch über eine „Welterbe-Abgabe“ für Besucher. Die soll, wie berichtet, den Gemeinden helfen, die Infrastruktur zu erhalten und Besucherströme zu Spitzenzeiten besser zu lenken.

Dem kann Karl Paflik wenig abgewinnen: „Ich nehme an, das dient nur dazu, die Gemeindekassen zu füllen. Die Besucher geben aber ohnedies schon sehr viel Geld hier aus.“ Auch Franz Hofmeister winkt ab: „Ich fände es schade, wenn eine Gebühr eingehoben wird.“

Schon Freitagnachmittag erteilte Landesrätin Bohuslav der Idee laut ORF NÖ  eine Absage. Stattdessen setzt sie – laut KURIER-Anfrage  – auf bessere Lenkungsmaßnahmen für Touristenströme, damit die Lebensqualität in Wachauer Orten wie Dürnstein für die Bewohner erhalten bleibt. Diesen Auftrag soll die Arbeitsgruppe – ab Herbst unterstützt von einem externen Berater – umsetzen. Die Vorerhebungen dazu laufen bereits.